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Der Teufel erwacht

Reihe: Hellboy 3 & 4

Hörspiel

 

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Der politisch einflussreiche Multimillionär Zinco stößt in der verborgenen Stadt im ewigen Eis auf die verbliebenen Mitglieder des Projekts Ragnarök: Ilsa Hauptstein, Karl Kroenen und Leopold Kurtz. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs waren sie eingefroren und jetzt dürsten sie nach Taten – als erstes soll Zinco sterben. Der jedoch wartet mit einer Überraschung auf: Er wurde von Rasputin geschickt, um das Projekt mit seinen nahezu unerschöpflichen Mitteln zu unterstützen. Zunächst soll Hauptstein nach New York und dort eine besondere Fracht zurückholen, die bei dem Exildeutschen Steinman, in dessen Wachsfigurenkabinett versteckt ist. Die B.U.A.P. wird hellhörig, als Steinman tot aufgefunden wird. Bald bringt man den Toten mit dem Nazi-Projekt Vampirsturm in Verbindung – die Spur führt nach Rumänien. Hellboy hält das Ganze für Quatsch und ärgert sich besonders darüber, dass er seinen Samariter gegen eine neumodische Pistole aus Zinco-Werken eintauschen musste.

 

Der Teufel erwacht ist ein Zweiteiler und somit Nummer 3 und 4 der Hellboy-Reihe. Wiederum handelt es sich um einen weitverzweigten Horror-Thriller, wobei ein deutlicher Akzent auf den Action-Anteilen des Thrillers liegt. Für die Ermittler der B.U.A.P. geht es darum, herauszufinden, was es mit dem Projekt Vampirsturm und Giurescu auf sich hat, und, falls nötig und möglich, gleich aufzuräumen. Ganz geradeaus: Es ist eine Search-and-Destroy-Mission.

Aber dass ist nur die eine Seite der Geschichte. Auf der anderen Seite stehen die Mitglieder des Projekts Ragnarök. Bei ihrem Part handelt es sich um einen Mystery-Thriller: Ihr Ziel ist es – der Name Ragnarök lässt es schon vermuten – die alte Welt zu zerschlagen und eine neue zu errichten. Zentral scheint hier die Kontrolle über Hellboy selbst zu sein, der anscheinend Anung Un Rama, das Tier aus der biblischen Apokalypse, ist. Dabei erweist sich, dass Mitglieder des Projekts unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie dies zu bewerkstelligen ist, und intrigieren auch gegeneinander.

Wichtigste Spannungsquelle ist entsprechend die Action: Die Ermittler der B.U.A.P. müssen sich zahlreicher direkter Bedrohungen erwehren und wenn Hellboy loslegt, dann fallen ganz grobe Späne. Eine geringere Spannungsquelle stellen die Monster dar – Hellboy, Liz, Abe Sapiens und Rasputin sind bekannt, hinzukommen gleich einige neue. Natürlich sind Vampire dabei; erfreulicherweise besinnt man sich hier auf die Anfänge der Vampirliteratur. Darüber hinaus werden nordische, slawische und christliche Mythen ebenso wie die der Pulp-Fiction verwendet. Dritte und letzte, aber sehr wichtige Spannungsquelle ist der trockene Humor, der sich vor allem in Hellboys Texten manifestiert. Da gibt es einerseits lakonische Kommentare auf den wütenden Pathos der Schurken und andererseits gleichsam postmodern Reflektiertes: "Eigentlich wollte ich Sie ja verschonen, weil Sie eine wichtige Figur der Mythologie sind, aber jetzt ist Schluss mit Freundlich!"

 

Die Sprecherliste ist wie schon bei den vorherigen Teilen sehr lang – ich zähle einunddreißig Namen. Die wichtigsten Rollen bleiben selbstverständlich gleich besetzt: Tilo Schmitz (Hellboy), Ranja Bonalana (Liz Sherman), Joachim Tennstedt (Abe Sapien) und Michael Prelle (Rasputin) sprechen die Hauptrollen; da ist alles stimmig und schnitzerlos, da gibt es nichts zu verbessern. Ein besonderes Lob will ich an dieser Stelle Tennstedt aussprechen, der in den Sherlock Holmes-Hörspielen von Titania Medien den Holmes gab: Völlig überzeugend kann er beide Rollen so interpretieren, dass keinerlei Verwechslungsgefahr besteht.

Exemplarisch seien hier noch ein paar weitere Sprecher vorgestellt: Die Sprecher der Mitglieder des Projekts Ragnarök. Das sind Katinka Springborn (Hauptstein), Peter Woy (Kroenen), Helmut Gentsch (Kurtz) und Peter Tabatt (Zinco). Alle Vier sind in puncto Hörspiel eher Neulinge. Sie alle haben in verschiedenen Lausch-Produktionen wie Caine und Drizzt, aber auch der Koproduktion (mit Europa) Das Schwarze Auge mitgewirkt. Darüber hinaus haben sie natürlich noch ihre eigenen Projekte – so liest Springborn Hörbücher ein, Woy spielt Theater usw. Man hört zwar mitunter ihre relative Unerfahrenheit – hier und da fehlt eine Nuance – doch sie stehen kaum hinter den Hauptrollen zurück. Das gilt im Großen und Ganzen für das gesamte Sprecherensemble; da ist zwar die eine oder andere Stimme dazwischen, die etwas seltsam betont, aber das fällt ob des geringen Anteils kaum ins Gewicht, sieht man von einer Ausnahme ab. Marco Reinbold spricht den Nachwuchsermittler Leach. Reinbold ist nicht einmal ein schlechter Sprecher, doch er scheint mir fehlbesetzt zu sein: Seine quietschige Stimme klingt mehr nach Point Withmark-Jungenddetektiv als nach B.U.A.P.-Ermittler. Doch auch diese Störung ist nur geringfügig.

 

Die Inszenierung ist recht modern: Es gibt keinen Erzähler (auch wenn Hellboy bisweilen dessen Funktion übernimmt) und die Geräusche stehen für sich selbst. Die Musiken sind – Merlau sei Dank – wieder vielfältig und treffend; wie immer bin ich von der aggressiven Orchestralmusik (vor allem den Geigen) begeistert. Zur modernen Inszenierung ist wohl auch die fragmentarische Darstellung zu rechnen, deren Höhepunkt "Fußnoten" in Form von auf Tonband gesprochener Lexikonartikel sind.

 

Fazit:

Projekt Ragnarök ist zurück und anscheinend mit der Wiedererweckung von Vampiren beschäftigt – Grund genug für die B.U.A.P.-Ermittler in Rumänien einmal nach den Rechten zu sehen. Mit Der Teufel erwacht geht die Hellboy-Reihe weiter; zwar gibt es hier und da schwächelnde Momente, doch die rasante Action, der trockene Humor und die hervorragenden Sprecher der Hauptrollen bügeln mit viel Elan darüber hinweg und sorgen für ein Hörspiel, das Spaß macht.

 

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Hörspiel:

Der Teufel erwacht

Reihe: Hellboy 3 & 4

Vorlage: Mike Mignola

Regie: Günter Merlau

Label: Lausch Phantastische Hörspiele (Edel Records)

Erschienen: September 2009

Umfang: Je eine CD, ca. 60 min

Asin: 3939600490

Und: 3939600504

Erhältlich bei: Amazon

Und: Amazon

 

Sprecher (Auswahl):

 

Tilo Schmitz

Ranja Bonalana

Joachim Tennstedt

Michael Prelle

Katinka Springborn

Peter Woy

Helmut Gentsch

Peter Tabatt

u. v. a.

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.11.2009, zuletzt aktualisiert: 28.05.2019 19:09