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Outland – Der geheime Planet von Dennis E. Taylor

Rezension von Matthias Hofmann

 

Die Karriere des kanadischen SF-Autors Dennis E. Taylor kann als Beispiel dafür gelten, wie man es vom Selbstverleger zum Bestsellerautor schaffen kann. Auf seinen ersten, 2015 im Selbstverlag publizierten, Roman folgte von 2016 bis 2017 die sogenannte Bobiverse-Trilogie (Ich bin viele, Wir sind Götter, Alle diese Welten). Und mit dem Roman Die Singularitätsfalle ist Taylor 2018 dann sogar auf der berühmten New-York-Times-Bestsellerliste gelandet. Über die Qualität seiner Bücher sagt dies natürlich noch nichts aus.

 

Alle seine Werke wurden bei Heyne auf Deutsch verlegt. Gefehlt hat noch Taylors fünf Jahre altes Debüt: der Roman Outland – Der geheime Planet. Im Zuge eines Deals mit dem Hörbuchanbieter Audible und seinem Agenten hat Taylor »Outland« überarbeitet für eine Neuedition, die 2019 erschienen ist. Im Vertrag ist laut Homepage des Autors auch eine Fortsetzung vereinbart worden. An dieser arbeitet Taylor wohl gerade.

 

»Outland« hat weder etwas mit dem gleichnamigen Computerspiel oder der australischen TV-Serie, noch mit dem Sean-Connery-Film Outland – Planet der Verdammten zu tun. Es ist vielmehr eine dieser typischen Geschichten um eine Gruppe von Studenten, denen Unglaubliches widerfährt. Es gibt den fast schon klassischen Verlauf einer Geschichte, wenn sich die Handlung um eine Gruppe von Studenten, Teenagern oder Twens dreht: Die jungen Leute versinken tief im Schlamassel und werden im Verlauf der Story der Reihe nach von etwas Bedrohlichem dezimiert. Wir kennen das von billigen Trash-Horrorfilmen. Bei »Outland« haben wir das andere Extrem: Alle bewahren stets, oder sagen wir … meistens, einen kühlen Kopf und wissen genau, was sie machen müssen. Beide Varianten sind irgendwie irreal. Die zweite sogar etwas mehr.

 

Taylors clevere Studentengruppe lebt natürlich in den USA, wo sie genau das studiert, was sie zur Behebung der Probleme, die ihnen der Plot in den Weg wirft, braucht. Zum Beispiel Ingenieurswesen, Physik oder Geologie bzw. Vulkanologie. So entdecken die einen Alternativwelten, in denen die Erde unbewohnbar geworden ist, aber auch solche, in denen unser Planet bereits eine Apokalypse überstanden hat, in der sich Urzeittiere aus dem Paläozän (der Welt vor 66 bis 56 Millionen Jahren) tummeln, wie z.B. Urzeitwölfe, Mammuts oder Säbelzahntiger. Nur die Menschen sind quasi ausgestorben. Um in diese, von jeglichem negativen menschlichen Einfluss freie Welt zu gelangen, basteln sie diverse Dimensionstore. Das Material dazu »entleihen« sie sich von ihrer Universität. Die andere Erde nennen sie Outland. All ihre Aktivitäten halten sie zunächst geheim. Da sie auf Outland große Mengen Gold vermuten und auch problemlos finden, wollen sie zunächst ein geheimes Logistikzentrum aufbauen, sich finanziell absichern und alles erforschen, um danach kontrolliert an die Öffentlichkeit zu treten.

 

Allerdings macht ihnen die Lage im Yellowstone Nationalpark einen Strich durch die Rechnung. Der Yellowstone ist ein sogenannter Supervulkan, ein schlafender Riese mit einem enormen Magmareservoir. Regelmäßige Leser von Magazinen wie National Geographic wissen, dass sich in der echten, realen Welt innerhalb weniger Jahrzehnte die Voraussetzungen für einen Ausbruch bilden könnten. Vermutlich könnte die Vorwarnzeit kürzer sein als von Wissenschaftlern bis vor wenigen Jahren noch angenommen. Experten schätzen die jährliche Chance für einen gewaltigen Ausbruch des Yellowstone auf etwa 1:730.000, was ungefähr so hoch ist wie die Chance eines katastrophalen Zusammenstoßes mit einem Asteroiden. Aber die Folgen wären in jedem Fall verheerend.

 

Diese theoretische Bedrohung setzt Dennis E. Taylor mit seinem Roman um, denn er lässt den Yellowstone ausbrechen und zwingt die Studenten dadurch, nach Outland zu flüchten. Außerdem können sie rund 300 weitere junge Menschen auf die andere Seite retten. Es entspinnt sich eine zunehmend hanebüchene Mischung aus Andere-Welt-Erforschungsroman und Katastrophen-Schmonzette.

 

Das unglaublichste an dem Roman sind jedoch nicht die Science-Fiction-Elemente, sondern die dimensionslosen Charaktere, die immer genau wissen, was sie machen müssen und denen so gut wie alles gelingt. Die mehr oder weniger zusammengewürfelte Kerngruppe aus Studenten, von denen nicht viel mehr als ihre diversen Vornamen bekannt ist, agieren wie ein gut eingespieltes Forschungsteam, das auf jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen kann. Dies hat den Effekt, dass man als Leser nicht mitfiebert und sich zunehmend Langeweile ausbreitet. Müssten die Studierenden nicht auch mal panisch reagieren oder sich zumindest Sorgen machen, wenn die Welt, wie man sie kennt, untergeht bzw. untergegangen ist? Taylors Protagonisten kratzt das alles nicht sonderlich, im Gegenteil, mitunter werden noch in bester Hollywood-Manier Witzchen gerissen und Sprüche geklopft. Man könnte meinen, man hätte es mit lauter kleinen Mark Watneys aus Andy Weirs Der Marsianer zu tun.

 

Spätestens wenn auf der zerstörten Erde die US-Nationalgarde erscheint und sich einerseits tölpelhaft, andererseits wie die Miliz einer Bananenrepublik benimmt, ist das Niveau des Romans auf dem eines in zwei Tagen heruntergetippten Terra-Astra-Heftromans angelangt.

 

Die Lektüre von »Outland« kann man unter dem Motto »Schnell gelesen, schnell vergessen« abhaken. Das Sequel soll wohl Earthside heißen und die Geschehnisse auf der Erde nach der Katastrophe genauer schildern. Das wäre dann nur was für die hartgesottenen Dennis.-E.-Taylor-Fans unter uns. Der Rest ist besser beraten, nach dem nächsten Bobiverse-Roman Ausschau zu halten.

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Eure Meinung:

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Buch:

Outland – Der geheime Planet

Original: Outland, 2015/2019

Autor: Dennis E. Taylor

Übersetzung: Urban Hofstetter

Taschenbuch, 464 Seiten

Heyne, 10. August 2020

 

ISBN-10: 3453319338

ISBN-13: 978-3453319332

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07ZTGWTNF

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.09.2020, zuletzt aktualisiert: 05.09.2020 15:12