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Red Sky von Nate Southard

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension

Banküberfälle: Wirken in der Theorie einfach, spielen sich jedoch im wahren Leben zumeist völlig anders ab – und nicht immer für den Banditen. Danny Black könnte darüber ein Liedchen singen. Wenn er nicht gerade auf der Flucht vor dem Gesetz wäre. Wenn da nicht seine, mitunter ziemlich psychopathischen Partner wären, von denen einer angeschossen ist. Oder die Geisel. Kurzum: Irgendwie ist alles ganz anders verlaufen, als von Danny geplant. Was wiederum jedoch nicht wirklich neu für den schicksalsgebeutelten, aber eigentlich ganz sympathischen Danny ist. Der Fluchtweg des bunt zusammen gewürfelten Haufens führt sie raus aus dem texanischen El Paso und hinein in endlos-monotone Wüstenwelt Neu-Mexikos. Dort meint es das Schicksal schließlich doch gut mit der Gruppe – zumindest ein bisschen. Red Sky Manufacturing lautet der Name der verwaisten und reichlich vom Zahn der Zeit angefressenen Fabrikhallen. Ein vorläufiges Versteck, bis die Luft wieder halbwegs rein ist. Ein Ort, an dem man endlich mal durchatmen, die leeren Akkus aufladen kann. Die nächsten Schritte überlegen. Allerdings sind Black und die anderen nicht alleine. Unheimliche Kreaturen haben sie bereits ins Visier genommen. Blutrünstige Wesen, die ungeduldig nach ihren potenziellen Opfern lechzen. Nicht lange, bis sie sich zu erkennen geben. Dachte Black zuvor, dass es nicht viel schlimmer kommen könnte, wird er eines Besseren belehrt. Als schließlich auch noch Soldaten in Schutzanzügen auf den Plan kommen, verdoppelt sich unvermittelt die Anzahl der Verfolger. Spätestens jetzt steht fest: Danny und seine Mitstreiter haben in ein gewaltiges Wespennest gestochen …

 

Anders als beispielsweise Mit-Debütant Bryan Smith (mit Verkommen) fokussiert sich der Texaner Nate Southard weniger auf Backwood-Horror und Konsorten. Mehr noch: Zunächst scheint Red Sky so gar nicht nach hartem Horror anzumuten, eher nach knallhartem Thriller Marke Tarantino. Mit einem exzellenten Gespür für Präzision und einer unglaublich packenden, cineastisch anmutenden Prosa packt uns Southard beim Kragen, schüttelt uns ordentlich durch und kreischt uns ins Gesicht. Eine Achterbahnfahrt, die trotz der fehlenden Horrorelemente mindestens genauso intensiv und schweißtreibend daherkommt wie die besten Schocker der Konkurrenz. Southard vergisst in dem pulsbeschleunigenden Trubel aber niemals das Seelenleben seiner (Anti-)Helden; völlig gleich, ob es sich dabei um den im Grunde netten Danny Black, der ungewollten Geisel Melanie oder um Dannys komplett neben der Spur stehenden Mitstreiter Dale und dessen, mitunter noch irrer agierenden Freundin Gina handelt.

Southard gelingt das Kunststück, dass wir uns bereits nach wenigen Worten in den Köpfen der einzelnen Menschen wieder finden; dass wir deren Motivationen und auch Zweifel nachvollziehen können. Gnädigerweise gönnt Southard nach halbwegs gelungener Flucht dem Leser ein paar Momente des Innehaltens, wenngleich besagte, als eine Art Verbindung agierende Passage ein bisschen zu deutlich an Wes Cravens The Hills have Eyes angelehnt sein mag (oder auch an Alexandre Ajas Remake). Gut möglich, dass diese Deutlichkeit aber auch beabsichtigt ist. Weniger ob der kinoreifen Erzählweise, sondern vielmehr als dezentes Signalfähnchen; als Vorwarnung auf den bevorstehenden, eigentlichen Alptraum. Der nicht mit der Tür ins Haus fällt, sondern sehr schleichend, beinahe träge daherkommt.

Zunächst.

Denn sobald die Rollen klar verteilt sind, wird noch mal, diesmal aber richtig aufgedreht, zeigt uns der Autor sein Verständnis was dreckigen, erbarmungslosen, hinterhältigen Horror betrifft. Auch diese Passagen schreien mitunter sehr deutlich den Namen des obigen Streifens, sind aber weit davon entfernt, bloßer Abklatsch zu sein. Southard mag sich der Grundidee angenommen haben, doch nicht zuletzt dank seines bemerkenswerten Talents entwickelt »Red Sky« eine gänzlich eigenständige Richtung, die vor allem eins tut: funktionieren. Und mag der Roman noch so hart sein, so bleibt Southard einer individuellen Markierung stets treu; ist das »Noch härter, noch schneller«-Prinzip für ihn obsolet. Man spürt nämlich, dass der Mann von seiner Geschichte – völlig zu Recht – überzeugt ist und jeder Versuch, dem Ganzen noch mehr Ekel, noch mehr Gewalt, noch mehr Abartigkeiten hinzuzufügen, das Buch womöglich in die Gefilde einer Parodie mit wenig Überzeugungswert gesteuert hätte. Was nicht bedeutet, dass es sich bei »Red Sky« um ein zartes Mauerblümchen handelt. Eher um einen fiesen kleinen Skorpion, dessen Giftstachel nur darauf wartet, endlich zustoßen zu können. Harte Gewalt mag zwar durchaus eines der vielen Merkmale von »Red Sky« sein, doch ist es besonders diese, mit fast schon chirurgischer Präzision vorgetragene Konsequenz die einem förmlich den Atem raubt und stets Sorge trägt, das Stirn und Handflächen von einer dauerhaften Schweißschicht bedeckt sind.

 

Fazit:

»Red Sky« ist ein Horrorthriller der harten Sorte, ein fieser Bastard, der den Puls dauerhaft beschleunigt. Gefährlich spannend und teuflisch rasant; ein blutiges Steak, welches aber trotz des eminenten Härtegrads niemals zur sinnfreien Schlachtorgie verkommt. Großartig!

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Eure Meinung:

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Buch:

Red Sky

Original: Red Sky

Autor: Nate Southard

Taschenbuch, 272 Seiten

Übersetzer: Sandra Schindler und Wolma Krefting

Festa-Verlag, 30. März 2012

 

ISBN-10: 3865521460

ISBN-13: 978-3865521460

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B007JX50T2

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.05.2012, zuletzt aktualisiert: 03.04.2021 17:24