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Xeno-Punk herausgegeben von Sven Klöpping und Galax Acheronian

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Einmal Punk, immer Punk! Diese Lebenseinstellung bedeutet frei, laut und anders zu sein.

Punk zelebriert Sex, Drogen, Anarchie, und Rebellion. Steht ein für Freiheit und Gemeinschaftlichkeit ohne Diskriminierung, Ausgrenzung oder Rassismus.

Doch wie würde dieses Bedürfnis nach Individualität und absoluter Selbstbestimmung auf anderen Welten aussehen? Wie (über)lebt ein Alien-Punk in einer totalitären Welt, in welcher das Staatssystem sogar speichert, welches Klopapier gekauft und wann es benutzt wird?

Wie funktioniert eine Welt, die sich Aliens und Menschen teilen? Sind Außerirdische größeren Anfeindungen ausgesetzt als Immigranten, Andersdenkende oder Andersliebende? Würden diese Wesen eher bei den Punks Akzeptanz finden?

 

Rezension:

Sven Klöpping bewies als Herausgeber schon mehrere Male, dass er ein schönes Bündel Kurzgeschichten für eine Themen-Anthologie mit musikalischen Bezügen schnüren kann. Zur Unterstützung für die erste Anthologie nach der Trennung vom Verlag p.machinery holte er sich den Zeichner und Autor Galax Acheronian mit ins Boot.

Xeno-Punk setzt Aliens und Punk in Beziehung zueinander und die Beteiligten fanden hierfür zum Teil sehr unterschiedliche Ansätze.

 

In seinem Vorwort verweist Michael K. Iwoleit auf die despektierliche Gleichsetzung von Punks mit Aliens, als die brave Bürgerschaft Ende der 70er zum ersten Mal mit ihnen konfrontiert wurde. Die Übertragung von Hass und Abscheu gegenüber anderen Lebensentwürfen, schriller Mode und dissonanter Musik von Punks auf Aliens zieht sich denn auch durch die »Xeno-Punk«-Beiträge.

 

Was wäre besser für den Sturz in die Xeno-Punk-Zeit geeigneter als ein Besuch in der »Galactic Pot Healer Bar« von Michael Schmidt?

In Der Tag als Mr. Curry Gott erblickte! begleiten wir Mr. Curry und sein Geschöpf in die Bar und ihrem namensgebenden gottverlassenen Satelliten.

 

Michael Schmidt springt direkt in die schräge Welt seiner Bar, die schon einige Male Schauplatz seiner Geschichten wurde und erst am Ende klar, was da zwischen Mr. Curry und dem Barbesitzer, dem Goldenen Reiter, abläuft.

Das Thema der Anthologie passt perfekt zum Schreib- und Erzählstil des Autors, der eigentlich schon immer Xeno-Punk schreibt.

 

 

Auch Tobias Lagemann entwickelt in Punkolution einen eigenen Sound.

Ein Punker erzählt von alten Tagen und einem seltsamen Typen, der bei ihnen nur Der Kosmonaut hieß, weil er wenig mehr sagte, als dass er »Kosmonaut« und »von hier« sei. Der Kosmonaut ging bei Konzerten immer tierisch ab und übertraf mit seinem Bariton bald die Sänger. Die Punker stellten die These auf, er sei Gagarin, zudem wollten sie gern die Marsianer anlocken, was aber nur durch gute Mucke ginge und dafür bräuchte es eine echte Revolution, eben die »Punkolution«. Dann zieht ein von Hass gequälter Sänger dem Kosmonauten die Gitarre über den Schädel …

 

Die Geschichte überzeugt vor allem durch die kauzige Figur des Kosmonauten und dem überraschenden Plottwist.

 

 

Alvar Borgan lädt in Monarchie im All zum ersten Punk-Konzert des Bandes ein.

Ein Augenzeuge berichtet vom legendären »Frankie’s Monster«-Konzert und dem Untergang des »Easy Bees«.

 

Dem schrulligen Punker, der hier als Augenzeuge dient, verpasste der Autor einen recht übertriebenen Slang, jedoch macht sein munteres Palavert zunehmend Spaß. Sozialkritische Töne und eine typische Punk-Aktion runden den positiven Eindruck ab.

 

 

Bastian Burgbrain nimmt uns in Terra muss sterben gleich mit auf das nächste Konzert.

Orc und Raty sind Aliens und Punker. Auf dem Weg zu einem Geheimkonzert werden sie von Mitgliedern einer faschistoiden Gang angegriffen.

 

Die Story beginnt zunächst recht amüsant, wird dann härter und endet irgendwie, ohne dass sich ein richtiger Plot entwickelt.

 

 

Achim Stößer wagt mit Zunder ein Experiment.

Ein Alien berichtet über seinen Aufenthalt auf der Erde.

 

Eine typische Erdhistorie, wie sie immer mal wieder in SF-Geschichten auftaucht, diesmal leider nur ohne die Geschichte.

 

 

Zurück zu den Punkkonzerten. David Grade schickt in Wie ich Carolls Catholic Cunts traf eine gemischte Gruppe Jugendlicher auf den Weg zum Konzert von »Carolls Catholic Cunts«.

 

Die Story enthält in Teilen ganz witzige Jugend- und Pubertierbetrachtungen. Mit Drogen-Maden und einem Inwurmtransport liefert der Autor zudem zwei schöne Ideen, aber insgesamt bleibt der Text hinter seinen Möglichkeiten.

 

 

Die Kunstfigur Diane Dirt verfügt über eine eigene Art der Weltsicht und sie zu verbreiten. In Säcke sitzt sie im Knast, weil sie sich nicht verchippen lassen will. Da knallt man ihr einen der Welt-rettenden Aliens als Zimmergenossen vor die Nase. Bald entbrennt ein Punk gegen Rock-Battle.

 

Die Story versucht sich an der Frage »Was ist Punk?« und baut ein klein wenig Handlung drumherum. Am Ende bleiben viele Fragen offen.

 

 

Max Franke stellt sich in Alien und Joe ebenfalls der existentiellen Punk-Definitionsfrage.

Eine gemischte Punkergruppe sprengt eine Fascho-Kundgebung …

 

Zwar gibt der Autor keine Antwort auf die Frage, aber die Suche danach gehört zu den Figuren, ist Bestandteil ihrer Charakterisierung und wird so sensibel dargestellt, dass man dem gern noch weiter gefolgt wäre.

 

 

Hartmut Holger Kraske schlägt in Metamorph Hermann ganz andere Töne an. Die Titelfigur Hermann erlebt eine punkige und durchgedreht erzählte Alienodyssee.

 

Der Text lebt von Songs und dem Nimbus Nina Hagens. Das Spiel mit der Metaebene, mit Sprache und popkulturellen Bezügen ist eine Abwechslung, aber vielleicht etwas zu schrill und willkürlich zusammengeklebt. Eine bunte Collage, ein zehnfach übersprühtes Graffiti.

 

 

Surfin’ William kombiniert in New Planet – Same Shit eine Alien-Biographie und »Was ist Punk?«.

Ein recht naives Alien hört vom Punk auf der Erde und hofft, durch ihn seinem langweiligen Leben zu entkommen.

 

Eine Geschichte, die nicht recht zünden will.

 

 

Frederic Brake gehört zu den erfahrenen Kurzgeschichtenschreibern. In Punx never dies sitzen zwei Punker um ein Lagerfeuer, in dem ein Alien brennt, trinken viel Bier und quatschen über die Alienpunks.

 

Vermutlich klingt der Text als inszenierter Vortrag besser. Die Ausführungen der beiden zu lesen und auf das vorhersehbare Ergebnis der Verbrennung zu warten, ist jedoch nicht wirklich spannend.

 

 

Mitleid wächst mit Leid von Miklos Muhi wirkt inhaltlich wie ein Ausreißer.

Ein Alienkind darf in der Schule mit Planeten spielen.

 

Ein gutes Beispiel, warum derartige Parabel-Geschichten nicht funktionieren. Zwar gibt sich der Protagonist in seiner Widerspenstigkeit wie ein Punk, dennoch entwickelt sich keine überzeugende Geschichte.

 

 

Mitherausgeber Galax Acheronian ist ebenfalls mit einer Geschichte vertreten.

Ein Punker denkt über sich und den Rest nach. Dann erfährt er, dass er gar kein Punker ist.

 

Versuch es nochmal lässt einen ratlos zurück. Hier stimmt und passt leider gar nichts.

 

 

Tagnacht von Sabine Frambach gleicht das zum Glück wieder aus.

Eine Alien-Punkerin landet versehentlich in einer Palliativ-Institution auf dem Mond und bringt einem Sterbenden den Punk.

 

Sabine Frambach trifft in ihrer Geschichte genau die richtige Mischung aus SF, Horror und Punk.

 

 

Das letzte Konzert des Bandes ist Uwe Post vorbehalten.

Das Absagen des Festivals Rock am Saturnring kann die letzte Punkband des Kosmos nicht davon abhalten, trotzdem aufzutreten.

 

Uwe Post zelebriert seine gewohnt schräge Satire und hämmert die Story in den kosmischen Punk. Auch für ihn ist der »Xeno-Punk« überhaupt erst erfunden worden, denn nichts anderes liefert er seit Jahren.

 

 

Zum Abschluss meldet sich mit Sven Klöpping der andere Herausgeber der Anthologie zu Wort, mit einem Gedicht.

Es gibt zu wenig Gedichte in SF-Anthologien! Sven Klöpping beweist, dass dies ein ganz großes Manko ist.

 

 

Insgesamt ist »Xeno-Punk« eine munter gemischte Anthologie, sowohl stilistisch, als auch qualitativ. Es gibt ein paar Aspekte, die sich beim Thema Punk verständlicherweise wiederholen, wie das Konzert und die »Was ist Punk?«-Frage, in ihrer Behandlung fanden die Beteiligten aber durchaus recht unterschiedliche und unterhaltsame Wege.

 

Cover und Illustrationen stammen von Galax Acheronian, der mit ihnen den einzelnen Beiträgen ein jeweils passendes Titelbild schuf.

 

Fazit:

»Xeno-Punk« ist eine abwechslungsreiche Science-Fiction-Anthologie, die durch ihre thematische Ausrichtung den Autorinnen und Autoren die Gelegenheit bot, ihren inneren Punk von der Leine zu lassen. Und dass sie großen Spaß daran hatten, ist den Texten anzumerken.

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Eure Meinung:

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Buch:

Xeno-Punk

Herausgeber: Sven Klöpping und Galax Acheronian

Vorwort: Michael K. Iwoleit

Taschenbuch, 232 Seiten

Selbstverlag, 12. September 2019

Cover und Illustrationen: Galax Acheronian

 

ISBN-10: 3740747323

ISBN-13: 978-3740747329

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07YD7KZRW

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Inhalt:

  • Michael Schmidt – Der Tag als Mr. Curry Gott erblickte!
  • Tobias Lagemann – Punkolution
  • Alvar Borgan – Monarchie im All
  • Bastian Burgbrain – Terra muss sterben
  • Achim Stößer – Zunder
  • David Grade – Wie ich Carolls Catholic Cunts traf
  • Diane Dirt – Säcke
  • Max Franke - Alien und Joe
  • Hartmut Holger Kraske – Metamorph Herrmann
  • Surfin’ William – New Planet – Same Old Shit
  • Frederic Brake – Punx never dies
  • Miklos Muhi - Mitleid wächst mit Leid
  • Galax Acheronian – Versuch es nochmal
  • Sabine Frambach – Tagnacht
  • Uwe Post - Rock am Saturnring
  • Sven Klöpping – Xeno-Punk

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.10.2019, zuletzt aktualisiert: 22.10.2019 19:06