Interview: Marc Gore
 
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Interview mit Marc Gore

Rezension von Torsten Scheib

 

Anlässlich der Veröffentlichung seiner zweiten Story-Sammlung Grindhouse Splatter befragten wir den Horror-Autor Marc Gore und heraus kam ein explizites Interview!


Fantasyguide Hallo Marc! Erst mal Glückwunsch zur Veröffentlichung deiner aktuellen Storysammlung, »Grindhouse Horror!« Du bist ja seit mittlerweile auch schon gut zwölf Jahren umtriebig in der hiesigen Horrorszene aktiv. Wie kam's dazu, die (sinnbildliche) Feder zu zücken?

 

Marc Gore: Many Thanks Man! Nur dass dieses versaute Stück Schundliteratur auf den Namen »Grindhouse Splatter« hört, yeah …

Zwölf Jahre ist es aber nur her, dass erste Anthologien mit meiner Beteiligung erschienen. Angefangen hat alles noch früher, mehr als fünfzehn Jahre. Das war aus reiner Langweile geboren worden, als man so in der Penne abhing und das Gesülze vom Lehrer nervte. So hab ich nebenher deftige Mordszenen mit Kugeschreiber aufgeschrieben. Später wurden daraus aber auch Schulaufsätze zu freien Themen, wo ich mich dann stets mit Horror beschäftigte, ha ha. Konsument von derartigen Filmen war ich ja seit der Grundschule, aber geshrieben hab ich lange Zeit nichts. Zwischendurch kam es vor, dass ich nach einer Auseinandersetzung mit einer Lehrerin in der 9. Klasse nach Unterrrichtsschluss 'nen fetten Totenschädel mit raushängendem Augapfel an die Tafel kritzelte. Als die Schrulle am nächsten Morgen die Tafel aufklappte, wurde die wieder hysterisch. Am Ende hat die das für eine Morddrohung gehalten, har har! So kam es zum Tadel plus Konferenz, der noch zu meinen Gunsten ausging. Aber irgendwann packte mich das Schreiben eigener Horrorszenarien schon. Spätestens 1995. Das ist aber nicht mehr vorzeigbar jetzt.

 

Fantasyguide Du kommst aus dem hohen Norden (ich gebe zu: ich hab bei Wikipedia nachgeschaut), aus der Nähe von Bremen. Erzähl doch mal ein bisschen was über deine Kindheits- und Teenagerjahre. Was hat dich mit dem Horrorvirus infiziert bzw. – und da greife ich womöglich jetzt etwas tief in die Klischeekiste – war und ist die Begeisterung für harte Splatter- und Goreexzesse auch eine Art erhobener Stinkefinger gegen die konformen, ländlichen Ansichten der Provinz?

 

Marc Gore: Abgesehen von der Lehrerin, die sich wie eine verdammte Mrs. Crabtree aufgeführt hat? Oha … Mal sehen, Bro … Meine Kindheit war wohl recht behütet eigentlich, allerdings hatte ich dauernd mit Widerständen meiner Eltern zu fighten, was meine düsteren Vorlieben anging, he he. Denen passte es einfach nicht, dass ich zum gleichaltrigen Nachbarsjungen ging, dessen Mutter immer die neuesten tollen Horror-Action-und Sci Fi-Videos nach Hause gekarrt hat. Damals waren Amis in meiner Region stationiert, die auch mit den Nachbarn abhingen, und spätestens daher weiß ich, wie locker und unbeschwert die Staatler mit dem Thema Violence in Movies umgehen, das kann ich dir flüstern.

Die deutschen Eltern waren alle so kackspießig bei dem Thema »Horror ist ja furchtbar und gefährlich!«, aber bei den Amerikanern, die ich damals so kennen lernte, war es normal, dass Eltern und Kids gemeinsam Jason Voorhees, Freddy Krueger, Werwölfen, Vampiren, Zombies oder auch Robocop und Terminator bei ihren lustigen Taten zusahen. Ich bin in den 80ern aufgewachsen, wo diese abgefuckte Zensurwelle in fucking Germany das Grundrecht auf Kunstfreiheit völlig aushebelte, Mann! Zum Kotzen der Kram. So pseudo-wissenschaftliche TV-Studien wie Mama, Papa, Zombie, in denen u.a. Man Eater und Maniac für den Untergang der Gesellschaft verantwortlich gemacht wurden, Videothekenbetreiber an den Pranger gestellt wurden, und VHS überhaupt als Medium des Bösen hin gesteltl wurde.

Alles gipfelte ja darin, dass Videothekenbetreiber schon Horrorvideos von Dampfwalzen zermalmen ließen, um sich davon zu distanzieren und ihren guten Ruf wieder her zu stellen. Kein Scheiß, Mann. In unserem Land wimmelte es von Moralaposteln und dümmlichen Hosenscheißern, die alles in Grund und Boden verdammten, was mit Horror zu tun hatte. Ich verstehe so was einfach nicht! Nichts da nur Provinz, Mann! Auch die Städte haben bei diesen Inquisitionen mit gemacht! Das ging bis tief in die 90er hinein. Mit dem DVD-Zeitalter hat sich das etwas beruhigt, aber noch immer sind wir EU-weit das verdammte Land mit den strengsten Jugendschutzbestimmungen. Das jüngste Beispiel ist ja die Beschlagnahmung von Hobo With A Shotgun. Es ist so verdammt typisch für unser Volk …

 

Fantasyguide Deine Storys spielen fast ausschließlich über dem Großen Teich - gibt es einen speziellen Grund dafür? Wie wäre es mal, eine Story in Deutschland spielen zu lassen? Ich bin mir sicher, deinen Fans würde das gefallen.

 

Marc Gore: America fetzt, Mann! Einfach ein sehr prestigeträchtige Kulisse für all diese versauten, staubigen Tits & Asses-Stories. Die meisten großen Horror-und Trash Classics stammen doch von dort, mit Russ Meyers Riesentittenfilmen fing es bereits in den 60's an, richtig sleazy auf den Leinwänden zu werden. Ich weiß nicht, ob man in Deutschland diese Atmo herauf beschwören kann. In Europa versprüht ja Groß-Britannien am Meisten Horrorfeeling, wie man weiß, wenn man die besten Hammer-Filme kennt. Diese Tradition von alten Burgen und Schlössern und nebelverhangenden Wäldern. Wenn ich Gothic Horror schreiben würde, würd ich mich wahrscheinlich dort orientieren. Bei einer meiner allerersten Stories Kakerlakenfraß aus dem Jahr 1998 etwa steht es dem Leser völlig frei, zu entscheiden, wo sie spielt. Der Protagonist hat dort keinen Namen und ein Ort wird nicht genannt.

 

Fantasyguide Der Titel deiner Storysammlung – »Grindhouse Horror« – und nicht zuletzt deine thematische Bandbreite beweist es ja: moderne Blockbuster scheinen dir nicht sonderlich zu liegen; du bevorzugst eher die knackigere Variante Marke Schmuddelkino, Exploitation, Video Nasties und klassischem Italo-Horror. Was sind deine Lieblingsfilme bzw. -regisseure aus diesen Bereichen und warum? Gibt es dennoch aktuelle Filme, die dich angesprochen haben?

 

Marc Gore: Wie gesagt nicht Horror, sondern Splatter steht im Titel. Doch klar gibt es moderne geile Filme. Hostel und Saw sind die Ilsas der heutigen Generation! Nur dieser weich gespülte Mädchenhorror wie Twilight mit den knuffigen Werwölfen und Vampir-Beauty Boys loost ab. Obwohl man sich bei einigen Chicas in den Filmen sicher gut einen runterholen kann.

Lieblingsfilme und Regiseure würden echt den Rahmen sprengen! Die Wurzeln für Benito liegen wohl im Slasher mit Abstrichen im südeuropäischen Giallo. Fatal Desert ist schmuddeliger Tiwer-Sci Fi. In Limb By Limb sind die Tendenzen aus den sogenannten Body Melt-Streifen zu bemerken, wie etwa der Incredible Melting Man. Regisseure, Fuck, es gibt so viele: Dario Argento, Lucio Fulci, John Carpenter, Wes Craven, David Cronenberg … Too many to name them all.

 

Fantasyguide Auch wenn du den bewegten Bildern den Vorrang gibst, diese Frage muss sein: Was sind deine Lieblingsautoren bzw. -romane und Kurzgeschichten?

 

Marc Gore: Ich hab 'ne Zeitlang sämtliche Heftromane verschlungen, aber auch Short Stories von Stephen King und Poe auch sogar.

 

Fantasyguide Wie bereits erwähnt, bist du ja mittlerweile ein integrer Bestandteil der hiesigen Szene von Horrorautoren – wie empfindest du die Szene bzw. was hältst du von ihr?

 

Marc Gore: Wir haben wirklich einge großartige Kollegen hier, deren Stories mich in Anthologien geil unterhalten haben. John Aysa oder Vincent Voss haben durchaus das Zeug, von guten Verlagen richtig groß raus gebracht zu werden. Deren Stories könnt ich mir auch gut als Filme vorstellen. Von John Aysa leg ich mit beizeiten das Buch Prinzessin zu, weil die Leseproben wirklich auf ein unterhaltsames Werk hindeuten, yeah!

 

Fantasyguide Kehren wir noch ein letztes Mal zum Film zurück: du konsumierst ja nicht nur, du agierst gelegentlich auch mal vor der Kamera? Wie kam es dazu und in welchen Streifen kann man dich bewundern?

 

Marc Gore: Dieses Jahr geb ich mein Filmdebüt als Darsteller in bislang drei Filmen. Der Film Diary, Arbeitstitel, entsteht unter der Regie von Stefan Svahn, der auf seiner Facebookseite seine geilen Monster-FX zur Schau stellt. Mann Alter, seine Monstermasken werden dich in Verzücken versetzen! Der Tom Savini aus Bremen! Ordet euch mal den Episodenfilm Entropie mit mehreren Geschichten deutscher Regisseure, und ihr wißt Bescheid. Die Sci Fi-Episode mit den Mutanten, da sieht man die coolen Monsterdesigns.

Vor ein paar Wochen habe ich einen kurzen Auftritt als Wikingerzombie im Film Rise Of Valhalla nahe Köln abgedreht. Unter Regisseur Daniel Konze wird der FIlm in der Art von Outpost oder Deathwatch mit Nazi-und Wikinger-Zombies im Laufe 2015 hoffentlich veröffentlicht.

Im Sommer stehen Dreharbeiten für König der Kannibalen von Werner Timm an, und da kann ich als blutgeiler Kannibale die Sau raus lassen. Es wird wirklich sehr viel drastische Gewalt gezeigt, auch wenn es sich um humorigen Trash handeln wird. Macht euch auf einige heraus hängende Gedärme, Zerstückelungen und Fresszenen gefasst. Ihr kommt auf eure Kosten, Freunde des harten Horrors!

Die FX-Macher hierzulande sind wirklich großartig, und ich rede jetzt nicht nur von Olaf Ittenbach, der den deutschen Splatter ja erst so richtig publik gemacht hat. Jetzt muss der harte Horror bei unserer engstirnigen Restbevölkerung endlich auf mehr Akzeptanz stoßen und seriösere Firmen vielleicht als Sponsoren einspringen. Also stellt euch nicht so affig an da draußen!

In Europa leben ja auch gerade wieder die Spanier wieder richtig auf und hauen einen geilen Genre-Film nach dem Anderen heraus. England und Frankreich kommen auch wieder, wieso soll Deutschland nicht endlich mal auf der Landkartre der History Of Horror auftauchen und sich einen Namen machen? Uwe Boll und Olaf Ittenbach sind ja nun auch in den Staaten Begriffe.

 

Fantasyguide Kommen wir nun zu etwas ganz anderem: Musik. Was mir als leidenschaftlichem Metalhörer sofort in «Grindhouse Splatter«" auffiel, war natürlich dein lässiges Autorenfoto, zu dem mir nur eins einfällt: Geile Kutte! Ich vermute, dass der große Patch von Deicide ist, demzufolge bevorzugst du wohl Death- und Black Metal, ich tippe ferner auf Toxic Trash Metal der 1980er und frühen 1990er Jahre. Deine Lieblingstruppen sind?

 

Marc Gore: Black Metal nur ganz wenig. Es geht um Death-und Thrash Metal sowie klassischen Metal an sich. Mann, die 80er waren Kult! Damals trugen die Metalheads auch wirklich Nieten und Kutten. Sahen nicht wie verdammte Hip Hop-Spinner oder Hippies aus. Ehrlich Mann, true war damals nicht nur ein Begriff, sondern eine Lebenseinstellung. Wer es total mörderisch und fuckin' brutal haben wollte, zog sich Thrash und NYHC rein! Slayer, Kreator, Assassin, Vio-Lence, Forbidden, Razor, Sodom, Testament auf der einen und Agnostic Front, Sheer Terror, Sick Of It All und Madball auf der anderen Seite.

Anfang der 90er Jahre brauchte der extreme Metal neue Dimensionen: Death Metal boomte ja parallel zum Grunge im Underground, ansonsten hatte der Grunge den Metal ja ziemlich in den Underground gedrückt. Thrash-und Speed Metal waren quasi tot. Slayer und Kreator hielten den Stil ja weiterhin aufrecht, während Metallica ab 1990 mehr und mehr zu radiotauglichen Weicheiern wurden. Death Metal und Grindcore waren die extremsten Sorten! Bullshit Man, ich war süchtig nach dem Sound- Deicide, Cannibal Corpse, Suffocation, Monstrosity, Napalm Death, Immolation, Brutal Truth, Incantation, Morbid Angel, Massacra, Massacre, Sinister, Extreme Noise Terror … Blast till your Dick drops!

 

Fantasyguide Bisher kennt man dich ausnahmslos als kompromisslosen, gerne auch mal die Grenzen überschreitenden Horrorautoren. Könntest du dir vorstellen, auch mal eine etwas »ruhigere« Gesichte zu schreiben; eventuell sogar etwas aus einem komplett anderen Genre? Wie siehts mit einem Roman aus?

 

Marc Gore: Für einen Roman fehlen mir Zeit und Motivation. Letztendlich vielelicht auch die Ideen, denn diese reichen immer für knackige Metzelstories aus, die schnell zum Zuge kommen.

 

Fantasyguide Zu guter letzt: Wie geht es bei Marc Gore weiter; was hast du für 2014 und darüber hinaus noch geplant?

 

Marc Gore: Herausgeber Michael Sonntag, bei dem ja auch »Grindhouse Splatter« erschienen ist, will zum Herbst 2014 hin eine Cronolgy mit den alten Stories von mir, von denen ja welche in der Dunkle Seiten-Reihe wieder veröffentlicht wurden, drucken. Zu diesem Zweck verwenden wir wohl wiederum ein Foto von Sonja Bender, die diesmal allerdings keine exklusiven Shootings macht, sondern halt ein bereits vorhandenes Foto zur Verfügung stellt. Zum Glück, Mann, denn ihre Fotos kicken Arsch, wie ihr alle ja sehen könnt!

 

Fantasyguide Lieber Marc, herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und genau so viele blutige Ideen!

 

Marc Gore: Yeah Man, that's fucking right!! Lasst uns den Jungendschützern weiterhin ordentlich in die Eier treten und alle Grenzen sprengen!

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240225141703dd680488
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Buch:

Grindhouse Splatter

Kurzgeschichten

Autor: Marc Gore

Vorwort: Thomas Backus

Buchlader / Edition Lepidoptera, Januar 2014

Titelbild und Innenillustrationen: Sonja Bender

Taschenbuch, 156 Seiten

Inhalt:

<typolist>

Fatal Desert – Iin der Wüste lauert der Tod

Limb by Limb

Carnival of the Dead – Schreckensnacht in Rio

My Beloved Mummy – Ich folgte einer Mumie

Devourer – Der Verschlinger

Clint Morrisons Best Friends

Benito

Fear – Die Angst im Nacken

</typolist>

 

ISBN-10: 3941809180

ISBN-13: 978-3941809185

 

Erhältlich bei: Amazon

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202402251417035f7340a6
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Erstellt: 11.06.2014, zuletzt aktualisiert: 16.10.2023 21:13, 13585