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Zukunftsforschung ist Science Fiction mit anderen Mitteln

Ein Interview mit Angela und Karlheinz Steinmüller

Redakteur: Ralf Steinberg

 

Begibt man sich auf den Weg nach Rauchfangswerder, dem südlichsten Zipfel des Berliner Bezirks Köpenick, verlässt man für kurze Zeit die zivilisierte Welt und gerät auf eine scheinbar endlose Landstraße, die durch einen Wald, wie durch einen Tunnel führt.

Man denkt an das Ziel der Reise, die berühmten SF-Autoren Angela und Karlheinz Steinmüller, und plötzlich verändert sich die Straße, wird zu jener Straße von H. G. Wells, die in den ahnungslosen Autofahrer auf den Planeten Utopia trägt...

 

Dann aber zerbricht die Illusion und man fährt an einem kleinen Jachthafen vorbei, der durch das dünner werdende Gehölz durchschimmert und lässt den Wagen in eine typische Einfamiliengegend einbiegen, die den Gast vor das Problem stellt, ob man den Wagen auf der Straße parken soll oder auf dem ordentlich gemähten Grünstreifen. Sicherheitshalber wird das Auto vor dem Nachbargrundstück, auf der Straße, abgestellt, in der Annahme, dass hier eher ein Rasenliebhaber vorbeikommt, als ein Auto.

 

Dann stehe ich vor dem Haus der Steinmüllers. Ein unauffälliger Neubau, vielleicht vier Jahre alt. Die Klingel wird betätigt und sogleich öffnet sich das Zauntor vor der Autoeinfahrt mit elektrischer Geräuscharmut.

Eilig werden die Schritte dorthin gelenkt und da steht Frau Steinmüller an der Haustür, die Toranlage bedienend.

Natürlich war die Entscheidung richtig, das Auto lieber auf der Straße zu lassen...

Aber da bin ich schon drin und werde freundlich begrüßt.

Die Tasse Kaffee nehme ich dankbar an und bald sitze ich in einem beneidenswerten Arbeitszimmer unter dem Dach, in hellem Holz gehalten und bis zur Unterkante mit Büchern gefüllt. Nur die vielen Fenster, sind von ihnen verschont, die in mehreren Reihen von intensiver Lektüre und wissenschaftlicher Arbeit zeugen.

Und schon geht es los.

 


Das Interview:

Angela Steinmüller signiert "Andymon".

Fantasyguide: In Ihren Biografien ist zu finden, dass Sie seit 1990 verstärkt im Bereich Futurologie aktiv waren. Können Sie unseren Lesern kurz erklären, was das ist: Futurologie?

Karlheinz Steinmüller: Futurologie oder Zukunftsforschung ist die systematische Befassung mit heutigen Fragen die aber eine deutliche Relevanz für die Zukunft haben. Unsere heutigen Herausforderungen beispielsweise durch die Globalisierung, durch neue Technologien, zum Beispiel im Bereich der Informations- Kommunikationstechnologie, oder durch die Alterung der Gesellschaft. Und die Zukunftsforschung versucht, sich diesen Fragen zu stellen und dabei über den heutigen Tag hinaus zu gehen, also die längerfristigen Probleme aufzugreifen, überhaupt herzubekommen, welche Zukünfte sich aus den heutigen Entwicklungen ergeben könnten und dann auch natürlich Lösungsvorschläge zu unterbreiten, wie man mit den Fragen heute umgehen soll. Das ist ein weites Feld und die Zukunftsforschung ist von Ansatz her transdisziplinär, das heißt es genügt nicht, wenn man sich nur, sagen wir mit ökonomischen Fragestellungen befasst oder nur mit technologischen Entwicklungslinien befasst, denn alles hängt ja von allem ab.

Angela Steinmüller: Die Zukunftsforschung ist ganz einfach die Science Fiction mit anderen Mitteln.

Karlheinz Steinmüller: Ja, wir sagen ganz einfach: Zukunftsforschung ist die Fortsetzung der Science Fiction mit anderen Mitteln.

 

 

Fantasyguide:Sehen Sie sich damit eher als Wissenschaftler, ist das ein Grund dafür, dass es nur drei Romane von Ihnen gibt?

Karlheinz Steinmüller: Man könnte natürlich in Kilobyte Wörtern wiegen. Und da würde die Zukunftsforschung heute schon überwiegen. Ja – beides. Ich persönlich sehe gerade meinen Vorteil darin, dass ich sowohl mich in der Science Fiction auskenne und da bisschen was produziert habe und auch in der Zukunftsforschung zu hause bin. Dass ich beides zusammen bringen kann, das heißt die etwas lockerere, künstlerische Befassung mit Zukunftsthematiken und eine systematische und vielleicht auch bisschen wissenschaftliche Befassung in Zukunftsfragen.

Angela Steinmüller: Merkwürdige Wörter hast Du Dir angewöhnt.



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Karlheinz Steinmüller ebenfalls beim Signieren.
Karlheinz Steinmüller ebenfalls beim Signieren.

FantasyGuide:Ihr Wortschatz ist ja grundsätzlich etwas anders. In Spera ist mir zum Beispiel mehrmals das Wort „Gefels“ aufgefallen.

Karlheinz Steinmüller: Ja da geben wir auch an. Wir versuchen ja den Grimm voll auszureizen, sehr zum Ärger von unserem Freund Erik (Erik Simon - Anm. der Red.), der dann meint, dass wir auch veraltete Sachen benutzen. Für mansche stellt das eine Lesehürde dar. Also wir haben es festgestellt, auch im Bekanntenkreis, das der Traummeister allein durch Wortwahl und vielleicht auch durch Duktus, schwer zugänglich war.



 

Pulaster (1986)

Die Pulaster Neubearbeitung

FantasyGuide:Auch Pulaster war für mich schon ziemlich schwer.

Karlheinz Steinmüller: In der Überarbeitung wird das alles einfacher...

Angela Steinmüller: Warum?

FantasyGuide:Ich weiß nicht mehr, ich war damals 18 oder 19, ist schon lange her, das ich ihn versucht habe, Ich glaube ich habe ihn gar nicht zu ende gelesen.

Karlheinz Steinmüller: Also so was!

Der Traummeister (1990)
Der Traummeister (1990)

Angela Steinmüller: Also der kommt jetzt neu raus, demnächst, erst der Traummeister, dann Pulaster und ich weiß nicht woran es liegt, dass der sich schwerer liest.

Karlheinz Steinmüller: Wo er doch doppelt so spannend ist .

Angela Steinmüller: Ja, ich weiß es nicht. Daher wäre es mir jetzt auch sehr angenehm, zu wissen, warum …

 

FantasyGuide:Ich habe keine Handlung gefunden gehabt.

 

Angela Steinmüller: Also der Anfang muss …, aha

 

FantasyGuide:Ich werde ihn ja lesen in der Bearbeitung, vielleicht liest er sich heute, mit mehr Leseerfahrung anders …

 

Karlheinz Steinmüller: Genau, nächstes Jahr, wenn die Neuausgabe herauskommt.

Angela Steinmüller: Wenn wir den überarbeiten, wollen wir den noch so ein bisschen hintrimmen, dass so etwas nicht vorkommt.

Karlheinz Steinmüller: Also es gibt in Pulaster Längen...

Angela Steinmüller: Ja, aber meiner Meinung nach kommen die erst später. Die ersten siebzig Seiten habe ich jetzt noch mal gelesen dafür und dann beginnt es irgendwann dass Längen kommen bzw. etwas Unnötiges kommt, in meiner Vorstellung jetzt. Aber zu Anfang fand ich, kommt immer was Neues. Weil jedes Kapitel …

Aber vielleicht keine richtige Aufgabe...

Karlheinz Steinmüller: Genau. Das ist das Problem, das der da zu Anfang hinkommt, sich hinstellt und sagt: „Ich bin ja hier nur Tourist!“ - dann kann man sich sehr schlecht mit dem Planeten und auch mit dem Helden identifizieren.

Angela Steinmüller: Aber das kommt erst nach 25 Seiten...

Karlheinz Steinmüller: Den müssen wir jetzt schneller auf Kurs bringen.

Angela Steinmüller: Okay, Thema beendet.

 

FantasyGuide:Ist die SF in der DDR ein abgeschlossenes Sammelgebiet oder mehr?

 

Karlheinz Steinmüller: Für die Sammler ist es ein abgeschlossenes Sammelgebiet. Für die, die davon gelebt haben ist es eine angenehme Erinnerung. Und ich glaube, dass es in der Science Fiction der DDR ja auch Dinge gibt, die heute noch Bestand haben. Die man nicht wie Briefmarken weglegt und dann hat sich’s, sondern wo es sich lohnt wieder mal einen Blick drauf zu werfen. Das bestimmte Botschaften die die DDR-Science Fiction transportiert hat, heute noch sinnvolle Botschaften sind und das bestimmte Gesellschaftsmodelle oder auch Modelle von ganzen Zivilisationen die sie entwickelt hat, auch heute noch ganz brauchbar sind. Also insofern würde ich sagen: Es ist da eine Art und das jetzt in Anführungsstrichen, mindestens in doppelten, „Kulturelles Erbe „da, dass man weiter aufgreifen sollte. ob es gemacht wird, ist eine andere Frage.

Angela Steinmüller: Allerdings merkt man, in der Schreibe, wenn ich das mal so betonen kann, von damals, dass das Leben damals halt ganz anders vor sich ging. Es war viel ruhiger und das merkt man eben auch in den Büchern, dass es nicht so ganz hektisch ist. Es ist einfach aus einer anderen Welt heraus geschrieben.

Karlheinz Steinmüller: Das Leben war ein langsamer, ruhiger Fluss, jetzt kommt ein Wasserschwall und eine Stromschnelle nach der anderen.

 

 

Science Fiction in der DDR

Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI (1974)
Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI (1974)

FantasyGuide:Wenn man sich mit dem Thema beschäftigen wollte, welche Werke würden Sie zum Kennenlernen der DDR-SF empfehlen?

 

Karlheinz Steinmüller: Da dürfen wir die eigenen nicht nennen …

Angela Steinmüller: Die Brauns.

Karlheinz Steinmüller: Die Brauns natürlich.

 

FantasyGuide:Welches Werk?

 

Karlheinz Steinmüller: Eingänglich ist: Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI oder auch

 

Der Irrtum des Großen Zauberers (1972)
Der Irrtum des Großen Zauberers (1972)

Der Irrtum des großen Zauberers.

 

Die kürzen Erzählungen der Brauns sind, glaube ich für den Einstiegsleser ein bisschen schwierig, also der Utofant und so was - aber das sind Klasse Sachen, die wir immer mit viel Vergnügen gelesen haben. Und auf die trifft auch gerade zu, was ich gesagt hab, dass da Dinge sind, die auch heute noch ihre Gültigkeit haben. Die eben auch nicht, wie soll ich’s ausdrücken, nach den Maßgaben des Regimes geschrieben haben, sondern immer eigene Köpfe, eigene Menschen waren.

Dann wird’s schon schwierig.

Angela Steinmüller: Das ist alles so lange her …

 

Die Ohnmacht der Allmächtigen (1973)
Die Ohnmacht der Allmächtigen (1973)

Karlheinz Steinmüller: Das hängt davon ab, was das für ein junger Leser ist. Wenn der einfach was Interessantes, Lustiges, Unterhaltsames lesen will, da können wir durchaus Erzählungen von unserem Freund Erik Simon empfehlen. Und da gibt’s noch mehr, die gute Erzählungen geschrieben haben.

 

Wenn ich an Heiner Ranks Ohnmacht der Allmächtigen denke, es ist halt schon etwas lange her …

Die stummen Götter (1979)

Angela Steinmüller: Sjöberg!

Karlheinz Steinmüller: Sjöberg? Genau! Das könnte ein guter Einstieg sein. Das ist auch spannend.

Angela Steinmüller: Bei den Krimis!

Karlheinz Steinmüller: Du meinst unseren Freund Rainer Fuhrmann?

Angela Steinmüller: Nein!

Wer stiehlt schon Unterschenkel? (1977)

FantasyGuide:Prokop?

Karlheinz Steinmüller: Gert Prokop - genau. Gert Prokops Science Fiction Krimis. Also man könnte sagen, dass man praktisch für jeden Leser und für eine große Vielfalt von unterschiedlichen Science Fiction Geschmäckern etwas findet in der DDR-Science Fiction. Es ist nicht ein Einheitsbrei, nicht alles nur auf einer Linie zu suchen.

Pierre Boulle: Die Liebe und die Schwerkraft (deutsch 1970)

FantasyGuide: Gerhard Branstner sagte uns in einem Interview, dass er die DDR-SF nach amerikanischer und sowjetischer SF für die drittbeste hielte. Würden Sie dem zustimmen?

Angela Steinmüller: Ich würde das überhaupt nicht bewerten.

Karlheinz Steinmüller: Ja. Also ich vermute, er hat nicht so den richtigen Überblick. Erstens hat er die englische nicht mit erwähnt die er dann sicher unter amerikanische subsumiert hat. Zweitens gibt’s eine sehr interessante französische Science Fiction - ältere wie auch etwas neuere, die allerneueste kenne ich nicht. Von Jules Verne bis zu Pierre Boulle. Ich habe hier eine ganze Menge davon stehen. Oder auch Maurice Renard und Joseph-Henri Rosny in den zwanziger, dreißiger Jahren oder auch Jacques Spitz , den heut keiner mehr kennt. Da gibt’s tolle Sachen!

Insofern: Man sollte da keine Olympiade draus machen.

Angela Steinmüller: Ja. Ich denke, es gibt überall gute und weniger gute. Das ja wirklich auch Geschmackssache, wenn ich sage, das Buch gefällt mir besser als das. Ein anderer sagt genau umgekehrt.

 

FantasyGuide: Können Sie die aktuelle deutsche SF beurteilen, sehen Sie Trends?

Karlheinz Steinmüller: Notgedrungen kennen wir uns einigermaßen aus. Denn wir sind ja in dem Gremium des Kurd-Laßwitz-Preises und schlagen selbst jedes Jahr mindestens eins vor. Wir bestellen die dann alle und lesen sie auch. Wir haben den Ehrgeiz, wenn wir schon in so einer Jury sind, dann auch alle Bücher wenigstens einmal angefasst zu haben, die da vorgeschlagen werden oder alle, die man leicht bekommt. Es gibt ja einige an die schwerer ranzukommen ist. Und wenigstens die Romane angelesen zu haben - nicht unbedingt durchgelesen, aber soviel, dass wir uns eine Meinung bilden können und dadurch sind wir bei Andreas Eschbach immer einigermaßen auf dem Laufenden. Also um die üblichen Verdächtigen zu nennen. Das find ich schon ganz gut. Und das sind wir uns auch ein bisschen schuldig, da dran zu bleiben.

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Die Werkausgabe

FantasyGuide: Eine Werkausgabe, bei einer doch recht übersichtlichen Anzahl von Werken (Einwurf von Karlheinz Steinmüller: Man darf das ruhig gering nennen.), fühlen Sie sich da geschmeichelt, oder vielleicht sogar zu Recht geehrt?

Angela Steinmüller: Wir haben auch viel länger an einem Buch gearbeitet, als manche Vielschreiber. Eine verdiente Ehre ist es nicht. Geschmeichelt fühle ich mich auch nicht, aber es hat mich schon gefreut.

Karlheinz Steinmüller: Gefreut haben wir uns vielleicht. aber auch ein bisschen geschmeichelt gefühlt und es ist sehr angenehm, mit den Shayol-Leuten zusammen zu arbeiten, das kommt noch dazu. Also wir machen das schon sehr gern.

Angela Steinmüller: Es aber eine sehr anstrengende Arbeit. Es sind wie gesagt, alle völlig überarbeitet. Nun ja, nicht völlig, aber sprachlich und ein bisschen raffen...

Karlheinz Steinmüller: Nicht völlig, aber gründlich!

Angela Steinmüller: Ja.

Karlheinz Steinmüller: Gründlich in dem Sinne, dass wir sehr genau durchgehen.

Angela Steinmüller: An die Zeit angleichen, weil es ist ja schon ein Stückchen her und auch so ein paar Ungereimtheiten, die man jetzt vielleicht findet, also nicht schlimm, aber doch beseitigt und dass also sehr zeitaufwendig ist.

Andymon (1982)


FantasyGuide: Mir sind da Kleinigkeiten bei Andymon aufgefallen, etwa das Gamma jetzt einen Laptop hat.

Angela Steinmüller: Auch: Damals war alles aus Plastik, wie ich mich erinnern kann...

Karlheinz Steinmüller: Aus Plaste.

Angela Steinmüller: Ja, aus Plaste - in der DDR. Das war damals ganz modern und da haben wir natürlich alles draus gemacht.

Karlheinz Steinmüller: Das Raumschiff hatte natürlich Kunststofffenster.

Angela Steinmüller: Ja, jetzt haben wir alles aus Kunststoff gemacht und nicht mehr Plaste...

Karlheinz Steinmüller: Oder einfach weggelassen, weil das Material egal ist.

Angela Steinmüller: Und bei Andymon war es auch noch so, es war unser erster Roman und da sind auch im sprachlichen nicht so gute Sachen vorgekommen, fußgängerisch haben wir immer dazu gesagt. „Sagte er, sagte sie, sagte er - also eben so was, wenn einen, man die Handlung verfolgt, eher nicht so interessiert, nebensächlich. Aber in solche Sachen haben wir sehr stark eingegriffen ohne in die Stimmung des Buches einzugreifen.

 

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Andymon Neuausgabe

Andymon (überarb. 2004)

 

Karlheinz Steinmüller: Wir haben einfach von 1980 bis 1990 eine Menge handwerklich dazugelernt.

Angela Steinmüller: Manche Leute, die das wiedergelesen haben, meinten, sie hätten gar nichts bemerkt, oder nicht viel gemerkt - aber wenn man dann mal nachschaut, es ist keine Seite mehr so, wie sie mal war. Das sind aber alles Kleinigkeiten.

Karlheinz Steinmüller: Fast jeder zweite Satz umgeschrieben.

FantasyGuide: Ich musste nachgucken, um etwas zu finden...

Karlheinz Steinmüller: Als wir es überarbeitet haben, war es für uns ganz wichtig, dass dasselbe Gefühl rüberkommt. das wir sozusagen an dem Reiz des Buches nichts zerstören. Wir sind deshalb sehr behutsam damit umgegangen und andererseits fanden sich darin auch haarsträubende Umständlichkeiten, die wir dann rausgenommen haben.

Angela Steinmüller: Aber es ist eben auch ganz typisch, das dieser Roman, der beliebteste SF-Roman in der DDR geworden ist, wo wir sehr viel nicht richtig bewusst geschrieben haben, sondern viel aus dem Bauch heraus. So auch von uns emotional einfach heraus und die anderen Sachen alle ein bisschen mehr vom Kopf her.

Karlheinz Steinmüller: Von vornherein stärker durchdacht. Wir haben nie nach Netzwerkplan geschrieben, wie so manche Autoren das machen, die Anfang schon wissen, in Szene 35 schlägt der Held den anderen KO, sondern wir haben die Sachen sich entwickeln lassen. Das trifft besonders auf Andymon zu. Der erste Lektor, den wir hatten, hatte uns dann gefragt: Ja was ist denn die Erzählsituation? Gotteswillen! Da hatten wir überhaupt nicht drüber nachgedacht, als wir damit anfingen. Die musste dann zum Schluss noch irgendwie eingefügt werden.

 

 

FantasyGuide:In Andymon stellen Sie eine Erziehung dar, die von idealen Kindern ausgeht, Eifersucht, Neid und Missgunst treten in den Hintergrund?

Angela Steinmüller: Das kommt zwar auch vor, ist zum Anfang aber so nicht drin. Die Situation ist sowieso verdammt schwer, wenn man sich vorstellt, da gibt es Kinder, die haben keine Umgebung, die haben keine Eltern, die haben keine anderen Erwachsenen. Die fangen ganz neu an einer Stelle an. Und das sich vorzustellen, ist schon so gut wie unmöglich. Das geht einfach nicht, dass man sich da reinfinden kann und es ist natürlich eine Utopie.

Karlheinz Steinmüller: Man kann schon sagen: Wir haben ein utopisches Menschenbild in Andymon. Speziell natürlich auf die Kinder bezogen, die bei uns tatsächlich als unschuldige Wesen erzeugt werden.

Angela Steinmüller: Die haben ja auch keine Vergangenheit.

Karlheinz Steinmüller: Wenn man so will, wir haben die Erbsünde abgeschnitten. Das kann man nur im Weltraum und sehr fern von der Erde und mit guten Robotern als Erzieher. Es ist natürlich auch bewusst ein bisschen Gegenposition zu William Goldings Herr der Fliegen. Da sind die Kinder sich selbst überlassen und werden genauso schlimm wie die Erwachsenen miteinander umgehen. Wir haben dezidiert auf das Positive gesetzt.

Angela Steinmüller: Wobei es keine richtigen Helden sein sollen. Helden kann ich immer nicht so gut leiden. In der Science Fiction gibt es so viele Helden. Superman und so weiter, die immer alles können und das fand ich so menschenfremd.

FantasyGuide: Obwohl Beth ja ein Held ist.

Angela Steinmüller: Einer sagte mir mal: Andymon ist ganz toll, aber warum ist denn der Beth so ein Softie?

Karlheinz Steinmüller: Ja, das hat er von mir!

Angela Steinmüller: Das habe ich dann natürlich überlegt: Das stimmt! Weil er wenig der ist, der die Handlung vorantreibt. Er reagiert mehr als dass er agiert. Das haben wir ein bisschen geändert.

Karlheinz Steinmüller: So Kleinigkeiten haben wir geändert.

Angela Steinmüller: Wir haben ihn stärker gemacht.

Karlheinz Steinmüller: Aktiver. In der ersten Fassung von Andymon versteht er sich lange Zeit primär als so eine Art Strukturreserve oder Ersatzmann oder so jemand, der kann bisschen alles und kann einspringen. Aber sieht sich nicht so als aktiver Part und das ist natürlich auch wieder für einen Leser nicht ganz so günstig, wenn die Hauptperson eher die Sache mit sich geschehen lässt als selbst aktiv zu werden. Das haben wir tendenziell ein bisschen geändert.

FantasyGuide: Dadurch wird er unschuldiger an den negativen Auswüchsen.

Karlheinz Steinmüller: Ja richtig. Wir haben versucht, ein kleines bisschen zu verändern, es ist jetzt zum Beispiel ein Gespräch mit Delth drin, ein bisschen Trickserei und solche Sachen.

FantasyGuide: Dass er ihn weniger vermisst und dadurch die Position besser einnehmen kann.

Angela Steinmüller: Ja.

FantasyGuide: Es ist gar nicht so aufgefallen und schwierig raus zu lesen, wenn man nicht beide Fassungen parallel liest.

Angela Steinmüller: Aber wir haben uns ja auch angestrengt, dass man das bis auf so einen Laptop, wo man’s dann richtig merkt, nicht so mitkriegt. Das war uns schon wichtig. Wir haben auch eine Szene ganz rausgeschmissen. Also eine wirklich überflüssige.

Karlheinz Steinmüller: Aber auch ein bisschen was dazu geschrieben. So ganz ganz wenig. Eben das Gespräch zwischen Beth und Delth.

Angela Steinmüller: Uns interessierte die Vorstellung, dass man einfach, es ist ja eine Utopie, irgendwo neu anfangen kann, aber eben nur, wenn man keine Geschichte mit sich rumschleppt. Dass man versuchen kann, von dieser Basis her alles neu und gleich besser zu machen, Was ja eigentlich auch nicht ganz glücklich wird hier. Und nicht ganz gelingt, weil, zum Schluss hören wir ja da auf, wo es noch einfach ist, wo jeder noch jeden kennt, an einer Stelle, wo der Staat eigentlich anfängt zu funktionieren und so ein großes Gemeinwesen kommt ja da nicht vor.

FantasyGuide: Das geht ja dann in Spera los.

Karlheinz Steinmüller: Ja genau.

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Spera

Spera (2004)

FantasyGuide:„Spera“ fasziniert durch eine sehr farbige Darstellung der Gesellschaft. Auf der einen Seiten bauen Sie eine eigene Mythologie auf und auf der anderen Seite, hier merkt man, dass Sie Zukunftsforscher sind, basteln Sie eine komplette Ökonomie.

Karlheinz Steinmüller: Ja, das ist richtig, Zukunftsforscher basteln. Es gibt da natürlich Unterschiede. Wir haben mit einer Demokratie auf Polis-Ebene in Andymon aufgehört, also überschaubare Anzahl Leute und alle Abstimmungsprozesse können noch unter allen laufen. In der Schweiz heißt das einfaches Handmehr, das dann im Dorf genügt. So weit sind wir gekommen. Und wir haben unglücklicherweise keine Lösung für größere Gesellschaften, wie man die optimal organisiert und das ist wahrscheinlich auch gar nicht möglich, weil das kulturabhängig ist.

Angela Steinmüller: Das ist auch der Unterschied: Es gibt keine Lösung, kann sie nicht geben. Weil auch die Utopie sich wandelt. Bei Andymon ist die Utopie ja, dass die Gruppen unterschiedliche Vorstellungen von utopischem Leben haben und das können die da noch alle verwirklichen, es gibt keine festgelegte Lösung.

Karlheinz Steinmüller: Im Prinzip haben wir es uns bei Spera einfach gemacht, indem wir die haben zivilisatorisch zurückfallen lassen. Wir müssen keine neuen Lösungen in Spera anbieten, sondern wir können einfach Entwicklungen aus ihrer inneren Logik heraus zeigen. Hier sind wir ausgekniffen.

Angela Steinmüller: Wobei man immer bedenken muss, dass wir den Traummeister vor Auen haben. Das war eigentlich Spera. Und diese Welt wollten wir denn beschreiben. Und da ist Spera entstanden. Vor dem Traummeister, weil wr einfach Storys geschrieben hatten, die in diese Welt passen, in irgendeine Geschichtsetappe, um uns selber ein bisschen anzunähern an dem Planeten.

Karlheinz Steinmüller: Es war eine Bastelei und Fummelei, die auf Reihenfolge zu bekommen.

Angela Steinmüller: Und während der Traummeister praktisch fast mehr Fantasy ist, aber im Hintergrund die Science Fiction da war, die wir nur kannten. Haben wir das jetzt ein bisschen verbunden. Damit ist es deutlicher geworden, dass Spera eine Andymon-Welt ist., die Großen Alten die Technik nur nicht haben weiterentwickeln können. dass die eingebrochen sind. Und das ist ja alles in Spera mit drin. Wie das so läuft. Diesmal ist es ein Planet mit Geschichte.

 

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Future History

Foundation (1951)

Karlheinz Steinmüller: Und mit vielen Geschichten. Und da haben wir beileibe nicht alle ausgeführt. Wir haben noch mehr Ideen als wir dann aufschreiben. Uns fehlt einfach die Zeit, um das alles in Erzählungen umzusetzen. Das kommt vielleicht noch. Es war aber auch schon ganz interessant, die ganzen Stücke zusammen zu passen, auch wichtige Lücken, nicht alle Lücken, zu füllen. In der einen Rezension da stand drin, dass es da Widersprüche gibt. Dass dürfte eigentlich nicht der Fall sein. Da haben wir uns sehr bemüht, auszumerzen, wo es hätte Widersprüche zwischen den alten Erzählungen geben können, die wir ja relativ unabhängig von einander geschrieben haben. Wo wir nicht so sehr Rücksicht auf den Gesamthintergrund genommen haben und den nur vage, vom prinzipiellen her, aber nicht im Detail gekannt haben. Das alles anzugleichen, fanden wir, war eine interessante Aufgabe. Eine Aufgabe, die andere Autoren ja auch gelöst haben, wenn sie ihre Future History aufgebaut haben. Die sind ja zum Teil auch dadurch entstanden, das man verschiedene Sachen miteinander verschmolzen hat, also gerade wenn ich an Asimov denke. Wo dann alles nach und nach in eine große Future History eingepasst wird.

 

 

FantasyGuide: Was mir in Spera fehlte, ist die Auflösung des Schicksals der Drachen, jener Amöben. Es gibt zwar eine Geschichte aus Sicht dieser Wesen und zum Ende hin wird erwähnt, dass einige Exemplare auf dem Schiff in einem Resaervat leben, aber da weiß man nicht, ob sie virtuell oder real existieren.

Karlheinz Steinmüller: Da kommt auch nichts mehr.

Angela Steinmüller: Das ist so eine ursprüngliche Lebensform, wobei man nicht genau weiß, ob die da schon vorher gelebt hat oder ob die einfach dem sich irgendwie aus Schiff entwickelt hat.

Karlheinz Steinmüller: Ob die bei der Transformation des Planeten entstanden ist. Das lassen wir ein bisschen in der Schwebe, oder sagen wir mal so, wir haben in den einzelnen Erzählungen unterschiedliche Theorien über diese Landamöben; unterschiedliche Mythologien. Da haben wir uns nicht dazu entschlossen, die zu einer vollen außerirdischen Spezies aufzubauen.

Angela Steinmüller: Weil die auch so einen Part haben.

FantasyGuide: Aber die Drachen sind ja wichtig für Spera, ohne sie hätte es bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen gar nicht gegeben.

Karlheinz Steinmüller: Ja, sagen wir, so eine Art Ritter- oder Samureitum hätte auch aus anderen Ursachen entstehen können. Die Drachen stehen auch als Symbol für eine urtümliche Natur. Die insofern im Gegenpol zu den Menschen ist, als die Menschen ja vernichten. Und die hier ja zurückschlagen, wenn man so will. Sie haben eher eine symbolische, metaphorische Bedeutung. Wobei natürlich uns die Idee schon interessiert hat, mit so einer Art negativer Empathie zu arbeiten.

 

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Schulz/Labowski: Kristallbaum (Innenillustration aus Andymon)

FantasyGuide: In Andymon gab es da ja diesen Kristallbaum. In der ersten Drachengeschichte in Spera taucht auch ein Kristallwesen auf. Gibt es da eine Verbindung, obwohl es unterschiedliche Planeten gibt?

Angela Steinmüller: Ich glaube nicht. Es ist einfach eine schöne Form, die kann man richtig schön beschreiben.

Karlheinz Steinmüller: Es ist natürlich auch der Gegenpol. So ein Kristall ist die schärfste Art oder definierteste Art und die härteste Form, die wir kennen. Und die Drachen wabern wolkenartig. Also Symbole. Das schleicht sich dann immer schon naturgemäß ein. Wir denken ja in solchen Gegenübersetzungen.



 

 

Die Cover der Werkausgabe

Warmzeit (2003)

FantasyGuide:Bei uns gab es sehr geteilte Meinungen zu den Covern. Wie gefällt Ihnen die Covergestaltung von Ronald Hoppe?

Angela Steinmüller: Wir haben uns darum nicht gekümmert.

Karlheinz Steinmüller: Also gekümmert schon, aber nicht entschieden. Ich verlasse mich darauf, dass ich mir da keine Meinung zu bilden habe.

Angela Steinmüller: Ich hätte mir andere Cover vorstellen können. aber wir sind einfach keine Maler und wenn der Verlag der Meinung ist, so ist es gut, um sie zu verkaufen, denn sollen sie sie halt so machen. Also ich find sie nicht so schlimm, dass ich sage: Um Gotteswillen! Nein. Aber sie reizen mich auch nicht zu Begeisterungsstürmen.

Karlheinz Steinmüller: Also ich habe mich da ganz gut dran gewöhnt. Und finde sie in der halbabstrakten nüchternen Art ganz gut. Also ich hätte nicht leben können mit irgendwelchen kitschigen oder schreibunten oder popigen Bildern. aber sagen wir mal, ganz schwarzweiß wäre ein bisschen wenig gewesen. Also insofern ist diese eher abstrakte Weise ein guter Kompromiss, wenn man sich die alte Ausgabe von Andymon anschaut, das hieße natürlich auch, die Formen zu entschlüsseln, aber das ist auch eine halbabstrakte Darstellungsweise. Insofern schliesst das schon ein bisschen an. Aber ich geh davon aus, dass ich den Geschmack der Leser, den ästhetischen Bildgeschmack der Leser, nicht kenne und überhaupt keine Vorstellungen davon habe, wann ein Cover für einen potentiellen Käufer attraktiv ist und wann nicht und da verlasse ich mich dann natürlich auf den Verlag. Manchmal hat der Verlag einen guten Riecher.

Angela Steinmüller: Aber es ist nicht so, dass man das Buch anguckt und sagt: Ach ist das toll. oder so. Also das würde ich jetzt mal so sagen, ist Durchschnitt.

Karlheinz Steinmüller: Na guck dir mal die meiste Science Fiction Produktionen an. 90 Prozent der Cover würdest du davon nicht um eigene Bücher haben wollen.

Angela Steinmüller: Ja.

 

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Innenillustrationen

Wolfgang Spuler: Innenillustration zum Traummeister

FantasyGuide: Finden Sie es eigentlich schade, dass jetzt die Innenillustrationen wegfallen, etwa die vom Traummeister, die ja damals die Herausgabe verzögerten?

Angela Steinmüller: Na die von Traummeister sind nicht ganz so toll.

Aber der Story-Band (Wuindschiefe Geraden - Anmerkung der Red.), das waren ja phantastische Bilder, jedes Detail richtig filigran. Das war Spuler.

Karlheinz Steinmüller: Nicht Schulz/Labowski, sondern Spuler.

Angela Steinmüller: Ja, Schulz/Labowski gingen auch noch. Spuler war so toll in den Windschiefen Geraden, dass wir damals beim Traummeister ein Jahr lang den Titel verschoben haben, weil der die nicht geliefert hat.

Karlheinz Steinmüller: Nicht gespult hat...

Angela Steinmüller: Dadurch sind wir halt auch erst nach der Wende rausgekommen. Es ist in dieses Loch gefallen. Das ist natürlich schade. Hätte ich das natürlich vorher gewusst, hätten wir den Traummeister ohne Illustrationen auf den Markt gebracht.

Karlheinz Steinmüller: Aber heute ist es einfach ein Problem des Preises. Also wenn es der Unterschied von 13 Euro und 20 Euro ist...

 

Windschiefe Geraden (1984)

Fantasyguide: Wäre das bei einer Werkausgabe nicht egal?

Karlheinz Steinmüller: Also wir möchten schon einige Leser haben und nicht nur die hundert Sammler, die sich’s hinstellen.

Angela Steinmüller: Das heißt über den Preis reguliert sich das eigentlich aus. Das wird schnell zu teuer.

Karlheinz Steinmüller: Shayol kalkuliert da ja ganz knapp. Weil eben auch die Erfahrungen aus der Ufo-Buchhandlung so sind, dass bei einem bestimmten Preis dann niemand mehr kauft. Bis auf die notorischen Sammler. Könnte man sich natürlich überlegen, ob es sich lohnt parallel dazu noch eine Prachtausgabe zu machen.

Fantasyguide: Leder könnte ich mir auch gar nicht vorstellen...

Angela Steinmüller: Das muss ja auch gar nicht sein. Aber eine schönere Illustration hätte ich auch gerne gehabt.

 

 

Wolfgang Spuler - Innenillustration zu Windschiefe Geraden

Karlheinz Steinmüller: Ja, aber schön illustriert - da kommst du wie der in die Probleme mit den Künstlern. Das wäre für uns sehr schwer, sich damit zu identifizieren. Zumal wenn’s eben kein Spuler ist.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der letzte Tag auf der Venus (1979)

Angela Steinmüller:Pulaster war ziemlich unglücklich. Das war von Schulz/Labowski. Der erste Band (Der letzte Tag auf der Venus - Anmerkung der Red.) ist ganz ordentlich.

Burckhard Labowski: Innenillustration zu Manche mögen's heiß (in Der letzte Tag auf der Venus)

Aber die haben ja dann auch Pulaster gemacht...

Karlheinz Steinmüller: ... das war fürchterlich. Da haben wir den Spruch gesungen: Illustratoren sind alle Verbrecher.

 

FantasyGuide: Aber wenn man keine Illustratoren beauftragt, hat man auch keine Szene, keine Leute... In den DDR-Büchern ist in fast jedem Buch mindestens eine Illustration. Selbst in diesem kleinen 30 Seiten Heft für 25 Pfennig waren Innenillustrationen.

Angela Steinmüller: Die Verlage hatten ihre Illustratoren und die haben die immer schön beschäftigt.

Karlheinz Steinmüller: Ja, wenn ich heute schaue - wir erleben es ja auch über den Kurd Lasswitz Prei. Da werden dann Titelcover und mal Innenillustrationen als Preisträger vorgeschlagen und bei manchen sträuben uns einfach die Haare.

Angela Steinmüller: Aber es muss ja nicht sein. Es ist eben eine ästhetische Frage, dem einen gefällts und dem anderen eben nicht.

 

Regine Schulz und Burckhard Labowski: Innenillustration zu Pulaster

Karlheinz Steinmüller: Und wir haben selbst ja natürlich bestimmte Vorstellungen davon, wie was aussieht. Also jetzt haben wir im Internet Illustrationen oder Innenansichten des Schiffes von Andymon gefunden. Es ist natürlich ganz nett, wenn sich da wer mit befasst. Aber wenn wir uns die anschauen, so haben wir es uns nicht vorgestellt. das sieht alles sehr nach Star Trek aus. Das ginge noch, aber wenn der dann noch Leute reingemalt hätte... Oder wenn’s schon darum geht, den Gleiter zu malen, da haben wir eine bestimmte Vorstellung davon, und dann kommen die Illustratoren entweder mit zu klobigen Produkten oder zu postmodern geschwungenen Vorstellungen. Es ist echt schwierig. Bei einem Menschen ist es dann noch mal schwieriger, sich damit anzufreunden. Wir haben ein bestimmtes Bild von unseren Helden, auch wenn wir sie nicht malen könnten. Wahrscheinlich würde das nie jemand treffen. Selbst wenn wir beide jeder für sich anfangen würden, kämen ganz unterschiedliche Gestalten heraus.

Angela Steinmüller: Ich kann gar nicht malen.

Karlheinz Steinmüller: Das ist aber auch das Glück, sonst würden wir uns dabei streiten.

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Verfilmung

Korallen des Alls (1984)

FantasyGuide: Also würde auch eine Verfilmung Schwierigkeiten bereiten?

Karlheinz Steinmüller: Ja das ist ja wieder ein völlig anderes Metier. Da mischt man sich am besten gar nicht ein und schliesst die Augen, wenn man zur Premiere geht und die Ohren gleich mit.

FantasyGuide: Aber Projekte gibt es da nicht?

Karlheinz Steinmüller: Nein.

FantasyGuide: Es ist aber erstaunlich, dass so große Stoffe nicht verfilmt werden.

Angela Steinmüller: Da gibt’s bestimmt noch mehr gute Stoffe,

Karlheinz Steinmüller: Nicht genug Action.

Angela Steinmüller: Von Andymon hat damals irgendein Rezensent geschrieben, dass es ein ideales buch, ein Filmbuch, weil es in Szenen aufgebaut ist, da könnte man gut einen Teil so abfilmen. Da hat sich aber leider niemand für interessiert. Die DEFA hat sich nicht gemeldet.

Karlheinz Steinmüller: Beim Traummeister hat uns übrigens der gute Wolf Giessen mal an die Warner Brothers vermittelt, als Die Unendliche Geschichte 2 uraufgeführt wurde oder so eine Gelegenheit war, dass man einen kurzen Wortwechsel führen und das Buch rüberschieben konnte, aber passiert ist natürlich nichts.

 

 

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Der Kurd Laßwitz Preis

FantasyGuide: Sie sind ja Juroren beim Kurd Laßwitz Preis und haben ihn selber schon erhalten, zuletzt für „Vor der Zeitreise“ 2004. Wie ist das, wenn Sie selbst in der Preisliste stehen?

 

Karlheinz Steinmüller: Da haben wir dann immer einen Gewissenskonflikt, sollen wir für uns abstimmen oder uns lieber enthalten? Dann verlassen wir uns in der Regel auf die anderen oder unsere Freunde und Juroren. Wir sind halt zwei und das ist ein bisschen viel Gewicht. Wir müssen uns bei uns selbst also etwas zurücknehmen.

Angela Steinmüller: Dann haben wir auch nicht mit abgestimmt.

Karlheinz Steinmüller:Ja.

 

FantasyGuide: Verändert sich dadurch eigentlich ihr Stimmgewicht, da sie ja nun Preisträger sind?

 

Karlheinz Steinmüller: Nein. Man könnte ja taktisch abstimmen. Also sagen: Heute geben wir all unsere Punkte der Geschichte, die wir für die schlechteste halten. Machen wir aber nicht.

Angela Steinmüller: Wir haben dann einfach in der Kategorie nicht mitabgestimmt, in der wir selbst vorgeschlagen waren.

 

FantasyGuide: Muss man sich eigentlich in sämtlichen Rubriken auskennen?

 

Angela Steinmüller: Bei dem Preis nicht, nein. Die Übersetzer zum Beispiel haben eine ganz eigene Truppe, die das macht. Die Hörspiele …

Karlheinz Steinmüller: Das können wir auch überhaupt nicht einschätzen.

Angela Steinmüller: Wir müssen auch nicht alle Punkte vergeben. Also bei den Cover stimmen wir ab, aber da sehen wir uns auch alle Cover an, die da vorgeschlagen sind. Und dann sagen wir: Zweie könnte man, na gut. Dann geben wir dem eine drei und dem anderen zwei Punkte. Wir machen dass auch unterschiedlich, je nachdem, wie man möchte.

Karlheinz Steinmüller: Sie haben ja doch meist etwas unterschiedliche Meinungen. Obwohl wir drüber diskutieren.

Angela Steinmüller: Wir geben halt nicht eins, zwei, drei, vier und fünf Punkte. Sondern wir vergeben mal fünf Punkte, weil wir es einfach toll finden, und lassen die andern weg, weil sich die anderen dann nicht lohnen. Das kann man so ganz locker halten. Bis jetzt haben wir uns da jedenfalls immer angestrengt.

Karlheinz Steinmüller: Ja das ist immer so eine Zeit im Frühjahr …

Angela Steinmüller: Ende Mai.

Karlheinz Steinmüller: … wo wir dann in Lesestress geraten, weil es heran ist.

Angela Steinmüller: Wobei wir uns das eben auch einteilen. Das heißt, der eine liest die eine Hälfte und der andere die andere Hälfte an - oder auch mehr, wenn er will. Dann kommen wir zusammen und dann wird darüber diskutiert. Dann stellt man das Buch, das man gelesen hat, vor, wie es so ist, was man denkt. So dass wir nicht jeder alles lesen.

 

FantasyGuide: Wie bekommt man denn den Überblick über das Jahr? Woher weiß man, welches Buch im letzten Jahr herauskam?

 

Karlheinz Steinmüller: Es läuft ja beim Kurd Laßwitz Preis so, dass die Bücher erst nominiert werden. Das heißt jetzt das ganze Jahr über können wir dann Nominierungen einschicken, beispielsweise liegt da hinten irgendwo ein neuer Herbert Franke und den werd’ ich jetzt irgendwann mal lesen und sehen, ob ich den nominiere. Der Franke steht für eine solide, gute Qualität - ist also auf jeden Fall nominierungswürdig, ob preiswürdig, ist dann eine andere Frage. Da muss ich mal gucken, ob sich das lohnt. Oder wenn eine Kurzerzählung auffällt, oder auch ein fremdsprachiges Werk, das ist ohnehin eine Schwäche beim Kurd Laßwitz Preis: Die fremdsprachigen Bücher, die da erwähnt werden - dass sind halt doch zu über 95 Prozent Übersetzungen aus dem Englischen oder aus dem Amerikanischen und wenn’s der Zufall so will, dass ich mal eine Übersetzung aus dem Russischen oder aus dem Französischen in die Hände kriege, was selten genug ist, überlege ich’s mir natürlich, ob es sich lohnt, das vorzuschlagen. Dann bekommen wir irgendwann die Gesamtliste der Nominierungen.

Angela Steinmüller: Im Januar, wenn das Jahr zu ende ist.

Karlheinz Steinmüller: Genau. Bis 31.12. läuft die Nominierung und der Udo Klotz arbeitet dann hart daran, zu überprüfen, ob es auch alles Erstausgaben sind und ob da nicht irgendwas in die falsche Kategorie kommt. Ob es nicht Fantasy ist und so was alles. Bis er das konsolidiert hat, dauert’s ne Weile und dann schickt er die Nominierungsliste rum. Und dann fangen wir an, bei den Verlagen die Sachen zu bestellen, die wir nicht da haben. Früher, danke Heyne, hatte man einen Großteil dann immer schon, aber jetzt funktioniert der Heyne Verlag nicht mehr so, ist das ein bisschen schwieriger, aber der große Vorteil ist, dass man da doch, nicht den richtigen Überblick über die deutsche Szene bekommt, aber doch wenigsten so einen Einblick in gewisse Spitzen. Also ich bin mir sicher, das auch gute Bücher oder auch gute Erzählungen nicht wahrgenommen werden und durch die Maschen schlüpfen, aber bei den Romanen sollte schon ein Großteil der besseren drin sein. Insofern ist das eine nützliche Sache, um auf Stand zu bleiben.

 

 

Kleinverlag

Der Traum vom Großen Roten Fleck (1985)

FantasyGuide: Weil Sie Heyne erwähnen: Sie haben ja seit den Ausgaben zu BRD-Zeiten keine großen Verlage für ihre Bücher erwärmen können.

Angela Steinmüller: Wir haben ja auch nichts gemacht.

Karlheinz Steinmüller: Wir haben nichts geschrieben.

FantasyGuide: Aber früher erschienen ihre Werke bei Suhrkamp...

Karlheinz Steinmüller: Ach Suhrkamp ist auch so eine traurige Geschichte.

Angela Steinmüller: Ja da ist alles von uns erschienen, was im Westen rauskam, da ist sogar Pulaster erschienen.

FantasyGuide: Aber die sind nicht mehr lieferbar und werden auch nicht neu aufgelegt.

Karlheinz Steinmüller: Also die Reihe geht sowieso nicht so toll (Phantastische Bibliothek suhrkamp Taschenbuch - Anmerkung der Red.). Das ist der Franzl Rottensteiner, der hat da schon seit Altwestzeiten drüber geklagt. Wenn man hinschaut, das ist auch nur ein relativ kleiner Autorenstamm, der da bedient wird.

Also: Stört uns nicht. Wir leben ja nicht von der Science Fiction. Insofern ist es uns fast gleichgültig, ob’s ein großer Verlag ist oder ein engagierter Kleinverlag. Ein engagierter Kleinverlag wie Shayol ist uns da sogar noch lieber, weil man mit denen direkter zusammenarbeiten kann, auch leger ist in mancher Beziehung und man da nicht untergeht im Programm.

FantasyGuide: Die Qualität der Bücher von Shayol ist in letzter Zeit für einen Kleinverlag sehr gut, besonders was das Lektorat betrifft. Ist Ihnen das auch aufgefallen?

Karlheinz Steinmüller: Wir arbeiten ja mit keinem anderen Verlag zusammen. Angela Steinmüller: Außer bei den anderen Büchern. (die futurologischen Werke - Anmerkung der Red.) Da muss man natürlich sagen: Da ist der Erik Simon als Lektor einsame Spitze.

Karlheinz Steinmüller: Ja. Er macht einem richtig Arbeit und das ist das Beste, was einem passieren kann. Er ist ein scharfer Lektor. Scharfsinnig und scharfzüngig.

FantasyGuide: Alte Schule?

Karlheinz Steinmüller: Ja. Noch Vor-DDR-Schule muss man dazu sagen. Wilhelminisch - nein. Königlich-sächsisch.

Angela Steinmüller: Er ist sehr genau und macht sich auch Gedanken. Er findet auch Widersprüche da, wo wir sie nicht sehen.

Karlheinz Steinmüller: „Wenn ihr an der Szene nichts ändert, lohnt sich die ganze Überarbeitung des Buches nicht!“

Angela Steinmüller: Wenn er irgendetwas anmerkt, lohnt es sich immer, drüber nachzudenken. Wenn man jetzt nicht alles macht, was er sagt. Meistens hat es irgendeinen wirklich tieferen Grund, wenn er da was anmerkt.

Karlheinz Steinmüller: Und das hat man ja sonst praktisch nicht. Es gibt zwar auch bei anderen Kleinverlagen Lektoren, es gibt auch gute Lektoren. Aber häufig ist es so, dass dann Lektor, Herausgeber oder Verlagsleiter ein und dieselbe Person sind. Dass nicht nach scharfen Kriterien, sondern nach Geschmack beurteilt wird. Und da sind wir so sehr gut aufgehoben.

Angela Steinmüller: Das werden wir nie wieder kriegen.

Karlheinz Steinmüller: Na ja erstmal müssen wir durch und dann gibt’s anderes. Das dauert noch ein bisschen. Da hat uns ja der Hannes Riffel am Anfang etwas geschockt oder war’s der Ronni als es um die Gesamtausgabe ging und wir haben darüber geredet. Und dann haben wir irgendwo im Internet gelesen, dass die Aktion auf zehn Bände angelegt ist. Dann haben wir unsere Bücher durchgezählt und sind so auf bestenfalls acht gekommen. Das war natürlich schon ein Schreck.

FantasyGuide: Das hat er ja in der letzten phantastisch! korrigiert und geschrieben: Es werden nur acht.

Karlheinz Steinmüller: Ja aber vielleicht werden es ja zehn...

FantasyGuide: Das wäre schön.

Karlheinz Steinmüller: Je länger es dauert, umso mehr werden es. Keine Frage!

Angela Steinmüller: Na irgendwann schreiben wir wieder mal was. Wenn wir eben nicht so mit dem Geldverdienen beschäftigt sind.

Karlheinz Steinmüller: Wir haben ne Menge, nicht nur Ideen und auch schon kleine Skizzen Also relativ komplette, unrealisierte Ideen. Es fehlt die Zeit, oder besser gesagt, die Muße.

 

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Das Geldverdienen

FantasyGuide: Womit verdienen Sie denn hauptsächlich ihr Geld?

Karlheinz Steinmüller: Mit der großen Klappe, äh...

Angela Steinmüller: Ich bin ja schon Rentnerin. Ich brauch das nicht mehr. Das heißt, ich mach nur noch etwas aus Spaß. Und Karlheinz ist ja als Zukunftsforscher beschäftigt.

Karlheinz Steinmüller: Genau! Einerseits habe ich meine Stelle und arbeite in Projekten großer Unternehmen hauptsächlich und andererseits halte ich noch Vorträge. Zusammen ist das ein gutes Auskommen.

Angela Steinmüller: Dann schreiben wir auch noch Zukunftsforschungsbücher, die semifiktional sind. Also wie dieses Visionsbuch. So ein bisschen hin und her.

Karlheinz Steinmüller: Wobei die Bücher auch da kein Geld bringen. Sondern nur Renommee. Also ich denke es ist schon ein Unterscheidungsmerkmal, wenn man dann einige Bücher hinlegen kann.

Technikoptimismus

Chronos - Innenillustration von Peter Nagengast zu Leman/Taubert: Chronos, 1973

FantasyGuide: In Ihrer Analyse der DDR-SF „Vorgriff auf das Lichte Morgen“ arbeiteten Sie die Bedeutung des Technikoptimismus heraus. Der DDR-SF wird dieser Hang zur positiven Utopie vorgeworfen, das „Loch“ der 80ziger Jahre im Westen fehlt.

Karlheinz Steinmüller: Das stimmt beides nicht richtig. Es gab nicht nur positive optimistische DDR Science Fiction. Es gab auch eine ganze kritische Traditionslinie ab 1972 vielleicht. Man müsste da die Erzählungen von Leman/Taubert nehmen oder den Heiner Hanke und dann natürlich die Brauns. Das ist überhaupt keine sozialismusverherrlichende positive utopische Literatur. Und zum zweiten gab’s in dem Zusammenhang natürlich auch eine technisch-kritische Strömung, wobei Technik-Kritik ja nicht gleich totale Ablehnung heißen muss. Das wurde auch von vielen thematisiert, so Technisierung und was geschieht mit dem Menschen, also unterschiedlich stark ausgedrückt. Es ist natürlich im statistischen Querschnitt ein ganz bedeutsamer Unterschied zur altbundesdeutschen Science Fiction, das muss man schon sagen, in der es ja für eine bestimmte Zeit, also sagen wir seit Mitte der siebziger oder so eigentlich nur noch düsterste Technikablehnung und schlimmste Visionen und antiutopische Dinge gab.

Angela Steinmüller: Wobei in diesem Buch sind die Untersuchungen ja nur bis etwa 1970 durchgeführt worden, nur der Beginn. In der Anfangszeit gab es eben auch im Westen diese technikverherrlichende Science Fiction. Die sind dann irgendwann umgeschlagen. Aber auch in der DDR, das ist in dem Buch nur nicht drin.

Karlheinz Steinmüller: Wobei die im Westen nicht so dominant war, wie in den fünfziger, sechziger Jahren in der DDR Science Fiction. Es gab da immer schon kritische Sachen unterschiedlichster Machart. Man kann es vielleicht von der Masse her mit Perry Rhodan vergleichen, das ist ja eigentlich auch ein sehr positives Technikbild, was da drin steckt. Bis, sagen wir um 1980 herum, wo da andere Töne einzogen. Die DDR Science Fiction musste eben sozusagen in einem Block alles abdecken, vom Heftroman bis zur gestochenen Selbstverständigung von Intellektuellen. Was in der alten Bundesrepublik völlig unterschiedliche Welten waren. Und was für uns auch ein ganz großer Unterschied war, wir haben nicht nur sämtliche DDR Science Fiction gelesen, wir haben praktisch auch alle Autoren persönlich gekannt. Und da waren wir nicht die Einzigen. Also viele von unseren Kollegen haben auch fast den gesamten Korpius der DDR Science Fiction überschaut. Es gab immer so einige Außenseiter, Waldschrate, die das nicht gemacht haben, Luthardt und so, aber in der Regel wusste man, was die anderen geschrieben haben. Das ist ja bei der westdeutschen Science Fiction überhaupt nicht der Fall gewesen. Die Perry Rhodan schreiber mussten wissen, was es da schon an Perry Rhodan gab - und selbst kannte man vielleicht seine Freunde, also wenn ich so an die Ruhrgebiet- und Rheinschieneautoren denke, das ist auch so ein Klüngel, der sich gegenseitig wahrnimmt. Aber die haben sich wenig darum geschert, was da in Bayern geschieht.

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Quo vadis

FantasyGuide: Es ist ja nicht viel übrig geblieben, an aktiven Schriftstellern aus der DDR-Zeit. Man hört was von Alexander Kröger, trotz des Alters, von Erik Simon, von Ihnen - und das wars...

Angela Steinmüller: Wir sind eigentlich kaum aktiv.

Karlheinz Steinmüller: Wir sind sehr effizient inaktiv.

Angela Steinmüller: Ich weiß nicht, ob die wirklich nicht aktiv sind, aber sie werden nicht mehr gedruckt.

Karlheinz Steinmüller: Wenn man sich den Rolf Krohn nimmt...

Angela Steinmüller: Ja, der Junge schreibt unentwegt

Karlheinz Steinmüller: ...unentwegt, und ab und zu hat er es geschafft, dass ein Verlag irgendwo eine staatliche Förderung abgegriffen hat und damit seinen neuesten Erzählungsband publiziert. Für viele fehlt dann einfach der Zugang zu den Verlagen. Wenn ich an Wolfgang Kellner denke...

 

Der Ausbruch oder der Fall Gengelstedt (1987)

Angela Steinmüller: Der hat immer versucht, etwas unterzubringen.

Karlheinz Steinmüller: Der hat’s versucht und ist regelmäßig gescheitert.

FantasyGuide: Kellner?

Karlheinz Steinmüller: Der Ausbruch oder Der Fall Gengelstedt.

Angela Steinmüller: Der Kellner hat ja mehr geschrieben.

Karlheinz Steinmüller: Ein netter Mensch.

FantasyGuide: Es ist mir beim Lesen des „Lichten Morgens“ aufgefallen, dass ich von den ganz alten Werken und Autoren gar nichts kenne...

Karlheinz Steinmüller: Ja richtig. Kellner ist nicht für jeden die richtige Literatur. Er schreibt gediegen, aber etwas breit. Große Reserve, wir haben alle Witze dann gerissen, weil es eine Schnapsmarke gab - Grande Reserve. Es eben einer der Erzählungen von 250 Seiten schreibt. Oder hier Rolf Krohn „Auf den anderen Ufern der Nacht“. Das ist schon zu Westzeiten erschienen beim Verlag JUCO GmbH.

FantasyGuide: Es gibt so viele Kleinverlage...

Karlheinz Steinmüller: Er hat eben geguckt, wo er Fördermittel herbekam. Der Alexander Kröger sieht eben zu wie er das produziert bekommt und seine Frau vermarktet das. Dann erschrickt man sich fast, wenn man in Köln in die Bahnhofsbuchhandlung reingeht und dann liegt so ein riesiger Stapel Krögers da. Da fragen wir uns ja fast: Was haben wir falsch gemacht?

FantasyGuide: Die Werke von Klaus Frühauf werden im Internet als Book on Demand vertrieben...

Karlheinz Steinmüller: Das ist eine ganz große Veränderung mit den Books on Demand, dass plötzlich Mindestauflagen möglich werden und zwar keinen richtigen Gewinn abwerfen, aber praktisch Einzelexemplare an den Mann gebracht werden können. Es gibt natürlich immer Leute, das hier ist ein Westdeutscher, Reinhard Köhrer - Als die Gletscher schmolzen - Book on Demand . War zum Kurd Lasswitz Preis nominiert, da hat jemand aufgepasst. Wahrscheinlich nicht mal er selbst., sondern jemand anders. Das heißt, dass eigentlich viel mehr am Markt ist, als man mitbekommt und das die Literatur noch weiter fragmentiert.

Angela Steinmüller: Und in Erfurt haben sie doch auch so etwas gemacht, der Peter Lorenz. Der hat auch Bücher übers Internet versucht zu vertreiben.

FantasyGuide: Wir danken Ihnen für dieses ausführliche Interview

 

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Eure Meinung:

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Erstellt: 11.07.2005, zuletzt aktualisiert: 08.11.2018 18:41