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Interview mit Barbara Jung:

Michael Schmidt: Hallo Barbara, stell Dich doch unseren Lesern kurz vor. Wer ist der Mensch hinter dem Namen Barbara Jung? Welches seine besonderen Merkmale?

 

Barbara Jung: Hallo zusammen. Ich bin Autorin, heiße Barbara Jung aka BeJot und lebe in Frankfurt a. Main. Geboren bin ich in Gießen, und dies schon vor etlicher Zeit, genau: in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Was für ein Mensch bin ich? Hm. Eigentlich ein sehr friedliebender. Wenn ich dies sage, werde ich immer darauf aufmerksam gemacht: ”Und doch beschreiben deine Texte meist alles andere als die heile Welt!” Der Widerspruch ist mir wohl bewusst, und ich denke mir, dass AutorInnen mit Geschichten wie meinen den eigenen Ängsten zu begegnen versuchen. Außer Schreiben habe ich natürlich noch andere Hobbies, als da zu allererst – wie könnte es anders sein? - das Lesen zu nennen wäre. Ich liebe meine Familie, liebe Tiere und Pflanzen. Und ich koche gerne. Nicht für mich allein. Da bin ich eher nachlässig und vergesse auch schon mal das Essen, wenn ich so richtig mitten drin bin in der Arbeit. Aber für Freunde, so als Auftakt eines netten Abends etwa, stelle ich mich gerne an den Herd.

 

 

Michael Schmidt: Dein neuestes Buch heißt ”Marco Mars”. Worum geht es in dem Auftaktband?

 

Barbara Jung: ”Die Entführung”, so heißt der erste Band der ”Marco Mars”-Trilogie, einer Mischung aus SF und Fantasy. Hier wird der zu dieser Zeit 12-jährige Protagonist vorgestellt. Ich erzähle, wie der Junge seine Neugier nicht beherrschen kann, als ein fremdes Raumschiff auf dem heimatlichen Mars-Raumbahnhof landet, und er sich ihm verbotenerweise nähert, so wie Kids in dem Alter sind. Und wie sich dann herausstellt, dass dieses Raumschiff allein seinetwegen von einer weit entlegenen Welt gekommen ist und seine Besatzung eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat. Wie der Titel des Buchs schon sagt, sind sie gekommen, um Marco Mars zu holen.

 

 

Michael Schmidt: : Marco Mars ist SF für Kinder. Was brachte dich auf die Idee, für eine jugendliche Zielgruppe zu schreiben?

 

Barbara Jung: Bei der Suche nach entsprechender Literatur für Kinder ist mir aufgefallen, dass hier das Angebot leider recht überschaubar ist. Früher habe ich selbst immer lange nach SF-Romanen suchen müssen, die nicht so wissenschaftlich angelegt, also für Kinder und junge Jugendliche nicht zu trocken und unverständlich waren. Als ich jetzt für unsere Enkelin ein SF-Buch ”für Einsteiger” suchte, hatte ich gerade die Idee eines Jungen in etwa dem entsprechenden Alter im Kopf. Da bot es sich mir direkt an, den Text nicht für Erwachsene, sondern für Kinder zu schreiben, zumal mir dies auch großen Spaß macht. Das konnte ich bei meinem ersten Kinderbuch feststellen, ”Geschichten von Emily”, die allerdings für die ganz Kleinen gedacht sind. Ich habe gern mit Kindern zu tun und habe auch genügend Gelegenheit dazu innerhalb der Familie, so dass ich weiß, was ihnen gefällt und was sie nicht so mögen. Marco Mars kommt sehr gut bei ihnen an, auch bei meinem 13-jährigen Neffen.

 

 

Michael Schmidt: Wo genau liegt der Unterschied zu ”normaler” SF-Literatur?

 

Barbara Jung: Es gibt hier eigentlich mehrere Unterschiede: Man muss die Sprache, die Formulierungen dem kindlichen Verständnis anpassen. Man sollte einfache, aussagekräftige und nicht zu trockene Sätze bilden, ruhig ein bisschen flapsig sein. Heutzutage ist das zum Glück erlaubt, ja, teils erwünscht. Man darf Begriffe und Vorgänge, wie sie in der SF vorkommen, in Kinderbüchern ruhig verwenden, doch sollte man dies mit einfachen Worten tun und Erklärungen auf das Wesentliche beschränken. Man muss auch nicht unbedingt alles bis in die Einzelheiten klar zu stellen versuchen. Wer von den Kids sich für Einzelheiten interessiert, der macht sich schon selbst auf die Suche nach weiterführender Literatur oder jemandem, der es in einfachen Worten erklären kann. Und es schadet einem jungen Leser auch nicht, manches einfach erst einmal hinzunehmen, es sich im Gedächtnis zu behalten und bei passender Gelegenheit zur Klärung wieder hervorzuholen.

 

 

Michael Schmidt: Dein Hauptwerk ist der SF-Zyklus ”Lost Planets”. Vier umfangreiche Bände. Von was handelt dieser Zyklus?

 

Barbara Jung: ”Lost Planets” beginnt mit der Besiedelung des Mars und endet weit weg von der Erde irgendwo weit draußen im All. Hier ist für alle Interessenten eine etwas ausführlichere Zusammenfassung:

Ein Jahrhundert in der Zukunft: Die Erde steht vor dem Aus – katastrophale Umweltbedingungen zwingen die Menschheit dazu, den Mars zu besiedeln. Die Bewohner einer deutschen Biosphäre gehören zu den ersten Pionieren. Aber es gibt einen, dem globale Interessen gleichgültig sind. Er will das Marsprojekt an sich reißen. Schließlich finden die Pioniere ihren Platz in der Siedlung Sakota’s Paradise auf dem Mars.

Doch bald schon hebt ein bis dahin unvorstellbares Ereignis ihre friedliche Welt aus den Angeln: Fremde Wesen aus einer fernen Galaxis bitten sie um ihre Hilfe. Sie stehen vor der Herausforderung ihres Lebens. Hilfsbereitschaft, Abenteuerlust und ... die Liebe machen sie zu Außenseitern und Gejagten der Erde. Auch die junge Marsregierung hat eine schwere Entscheidung zu fällen: Verrat oder Krieg? Nach gnadenloser Verfolgung fliehen die Protagonisten vor dem Unverständnis und der Fremdenfeindlichkeit ihrer Mitmenschen mit den Außerirdischen zu ihrer fernen Heimat.

Die Flüchtlinge sehen sich vor einer schwierigen Aufgabe: Sie wollen helfen, das Volk ihrer außerirdischen Freunde vor der Machtwillkür und Kriegstreiberei ihrer Herrscherinnen zu beschützen. Die Zeit zerrinnt ihnen indessen zwischen den Händen, denn bei einem Zwischenstopp auf einem von freundlichen Intelligenzen bewohnten Planeten kommt es zu einer blutigen Konfrontation mit einem irdischen Verfolger, der aus der Begegnung mit den Außerirdischen Nutzen ziehen will, ferner werden sie in einen gnadenlosen Kampf mit martialischen Raumpiraten verwickelt.

Die Rebellen erreichen den fernen Planeten, wo die aggressiven Königinnen in der Zwischenzeit unbeschreibliche Verbrechen an ihrem unterjochten Volk begangen haben. Weitere Wahnsinnstaten drohen, und auch ein Kriegszug gegen einen schutzlosen Nachbarplaneten steht unmittelbar bevor. Die Rebellen sind verzweifelt. Sie müssen die Königinnen stürzen. Zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen und den Tod vor Augen, wagen sie Unmögliches.

Das ist in etwa die Zusammenfassung der vier einzelnen Lost-Planets-Bände.

 

 

Michael Schmidt: Ist eine Fortsetzung geplant?

 

Barbara Jung: Die Protagonisten der ”Lost Planets” gehen mir tatsächlich immer wieder mal durch den Kopf. Und nicht nur sie, sondern auch ihre besondere Lage nach Beendigung des vierten Bandes. Ich bin selber neugierig, wie sie ihr neues Leben auf die Reihe kriegen, und irgendwann werden sie mir das auch verraten. Es gibt leider wenig Resonanz auf die Bücher (diese Klage hört man allgemein von unbekannten AutorInnen), aber wenn sich einmal jemand zu den Lost Planets äußert, dann endet er unweigerlich mit der Frage: Wie geht es denn mit Dennis und seinen Freunden weiter? Doch, ja, ich will es auch gern wissen.

 

 

Michael Schmidt: Welche Romane von Dir gibt es noch?

 

Barbara Jung: Als jeweils etwa 300 Seiten starke, also ”richtige” Buchausgaben gibt es drei weitere Romane. Wie meisten meiner Texte, sind auch die Bücher Vertretern von Minderheiten gewidmet, wie etwa der Thriller “Trauermarsch” den Schwarzen nicht nur im amerikanischen Spießbürgermilieu. In “Tattoos” geht es um die italienischen Einwanderer im “Gelobten Land” der Neuzeit und damit auch um unsere ausländischen Mitbürger. Und den “Kreuzzug des Hasses” habe ich den Schwulen und den Obdachlosen überall auf der Welt gewidmet, die hier durch einen kleinen Kreis in einer deutschen Großstadt vertreten sind.

 

 

Michael Schmidt: Du vertreibst deine Romane im Selbstverlag. Fluch oder Segen?

 

Barbara Jung: Ein Selbstverlag bedeutet beides: Fluch und Segen. Das Book-on-Demand-Verfahren verbessert die Lage der Selbstverleger insofern, als dieser seine Bücher nun nicht mehr stapelweise im Keller lagern muss, sondern sie beim Hersteller digital abrufbereit halten kann. Und auch die Kosten halten sich in Grenzen. Unerwünschter Nebeneffekt ist hierbei, dass der Versand eines Buches, das entweder in einer Buchhandlung oder in einem Online-Shop bestellt wurde, recht lange dauert, was viele Leser abschreckt, und andererseits können die Titel nicht vor dem Kauf angesehen/durchgeblättert werden. Das finde auch ich sehr bedauerlich. Die Buchhandlungen nehmen Books on Demand nicht in ihr Sortiment auf, weil sie nicht verkaufte Exemplare später nicht wieder zurückgeben können. Wenn hier einmal eine Lösung gefunden werden könnte, wäre das eine feine Sache. Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit diesem Verfahren, auch weil es ganz allein bei mir liegt, wie lange ich mein Buch auf dem Markt belasse. Bei Kleinstverlagen besteht die Gefahr, dass ein Buchvom Markt verschwindet, wenn seine kleine Auflage verkauft ist, da eine erneute Auflage zu teuer wird. Ich stelle fest, dass von allen meinen Büchern, auch den älteren, immer wieder mal ein Exemplar gekauft wird, auch über den ersten Erscheinungszeitraum hinaus. Es lohnt sich also, wenn sie nicht nur ein oder zwei Jahre erhältlich sind.

 

 

Michael Schmidt: Unzählige Anthologien beinhalten Geschichten von dir. Ist die Kurzgeschichte ein Steckenpferd von dir?

 

Barbara Jung: Kurzgeschichten von mir sind in ”einige” Anthologien aufgenommen worden, nicht in ”unzählige” - das muss ich nun aber doch berichtigen! Tja, mit den Kurzgeschichten ist das so eine Sache. Nachdem ich anfangs immer behauptet hatte, ich könne keine Kurzgeschichten schreiben, habe ich es dann doch probiert. Ich bin ja immer neugierig und will alles einmal versuchen. So hat mich etwa zwischendurch sogar das Dichten von Sonetten und Balladen fasziniert. Aber zurück zu den Kurzgeschichten: Ich habe immer so viele Ideen im Kopf, die man durchaus zu Büchern verarbeiten könnte. Da aber zu meinem Leidwesen mein Tag nur 24 Stunden hat (wobei ich mir nicht so sicher bin, ob da nicht irgendwo jemand sitzt und mir heimlich jeweils mehrere Stunden stiehlt), kann ich gar nicht so viele Bücher schreiben, wie ich gern möchte. Also begnüge ich mich oft mit Kurzgeschichten, wobei ich bitte, das Wort ”begnügen” nicht falsch zu verstehen, denn eine richtige Kurzgeschichte ist ein überaus anspruchsvolles Konstrukt, das ein Autor durchaus nicht einfach nebenher aus dem Ärmel schüttelt.

 

 

Michael Schmidt: Was ist in Zukunf von der Autorin Barbara Jung zu erwarten? Ist ein neues Buch in Aussicht? Wenn ja, kannst du uns einen Ausblick geben, worüber es handelt?

 

Barbara Jung: Im Moment bin ich mit einer Reihe Vampiren in den Wäldern des Taunus und in Frankfurt unterwegs. Sie gestalten gerade eine, wie soll ich es nennen?, eine ”morbid-makabre Story für Erwachsene”, ja, das wäre ein passender Ausdruck. Es handelt sich um Vampire der etwas anderen Art. Aber mehr möchte ich hier nicht verraten. Das Manuskript ist zu etwa drei Vierteln fertig. Wann das Buch auf den Markt kommt, kann ich nicht genau sagen. Es hängt davon ab, wie viel Zeit mir meine übrigen Verpflichtungen lassen, etwa die Herausgabe der Gewinnergeschichten des Corona-Storywettbewerbs. Und Marco Mars Band 2 wartet ebenfalls auf seine Fertigstellung.

 

 

Michael Schmidt: Du arbeitest als Lektorin beim Blitz-Verlag. Wie beurteilst du die Situation in der deutschen Phantastikszene?

 

Barbara Jung: Es freut mich, sagen zu können, dass das Genre entgegen allen Unkenrufen nicht im Aussterben begriffen ist. Da können die ewigen Schwarzmaler behaupten, was sie wollen. Es gibt genügend AutorInnen, die gerne und gut fantastische Texte schreiben. Was geschehen müsste, wäre, ein gutes Rezept zu finden, das all die vielen, meist nicht so bekannten VerfasserInnen ein wenig mehr ins Rampenlicht rückt, hin zu den etablierten AutorInnen fantastischer Literatur.

 

 

Michael Schmidt: Als letzte Frage, was wünschst du Dir als Mensch und als Autor für die Zukunft?

 

Barbara Jung: Ein bisschen mehr Besinnung. Besinnung auf sich selbst und auf andere. Und darauf, dass unsere Welt eigentlich schön ist, wenn wir nur die Augen öffnen und bereit dafür sind. Wir müssen uns erinnern, dass wir unser Leben mit unseren Mitmenschen teilen, dass keiner des Anderen Feind sein sollte. Gesunde Konkurrenz ja, Egoismus und Feindschaft nein. Es ist für alle Platz, für jeden gibt es eine Ecke, im realen und im übertragenen Sinn. Als Autorin möchte ich einfach so weitermachen wie bisher, wenigstens was meinen Wunsch betrifft, mit meinen Texten auf die Anliegen von Minderheiten aufmerksam zu machen und möglichst viele Menschen damit zu erreichen, kleine Anstöße geben, mehr soll es ja gar nicht sein. Aber ich will auch nicht mahnen. Nur unterhalten. Und es soll sich an meinen Texten auch keiner die Zähne ausbeißen müssen. Meine Leser sollen einfach nur Unterhaltung finden.

 

 

Michael Schmidt: Ich bedanke mich für das informative und unterhaltsame Gespräch und wünsche Dir viel Erfolg für die Zukunft.

 

Barbara Jung: Und ich bedanke mich bei dir, Michael – Und Danke auch an alle, die Interesse an der Autorin Barbara Jung und ihren Gedanken und Ideen haben.

 

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Erstellt: 24.05.2005, zuletzt aktualisiert: 03.02.2015 15:09