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Spezial zur Hörspielreihe Gabriel Burns

Redakteurinnen: Chris Schlicht und Tanja Elskamp

 

“Es existiert. Existiert in euren Träumen, lebt von der Nacht und eurer Furcht. Ihr wisst, wovon ich spreche. Ihr meidet diese Orte, macht “psst“ und seht euch verstohlen um, wenn es jemand wagt, darüber zu sprechen, würdet um nichts in der Welt um jene Ecke blicken, hinter der es so eigenartig geraschelt hat. War da nicht sogar ... ein Atmen?“

 

 

Gabriel Burns - über die Serie

Redakteurin: Tanja Elskamp

 

Mit der Stimme eines bekannten Sprechers für Märchen, unterlegt mit einer leichten, freundlichen Melodie und vorgenanntem Text beginnt praktisch jedes Hörspiel der Reihe “Gabriel Burns“. Doch wie sich auch im Verlauf der Serie herausstellt, trügt der Schein - so auch bei dieser Einleitung, wie ein genaues Zuhören schon verrät. “Gabriel Burns“ ist eine Horror-Hörspielreihe und richtet sich an erwachsene Hörer. Märchenhaft ist sie dabei wirklich nicht.

 

Helden in Hörspielserien

 

James Bond war einer der ersten: eierlegenden Wollmilchsau-Helden. Bevorzugt im actionorientierten Bereich zu finden, macht dieser Heldentyp jedoch in allen erdenklichen Genres von sich reden, ob Krimi und Thriller, Science-Fiction oder Horror.

Auch die Horrorhörspiele aus den 80ern orientierten sich ein wenig am Typus des strahlenden Helden, dessen tägliche Aufgabe nicht mehr oder weniger ist, als die Welt zu retten. Wohl am bekanntesten ist John Sinclair, der Sohn des Lichts und tätig bei Scottland Yard, der ausgestattet mit ein paar besonderen Gegenständen wie einem silbernen Kreuz und Silberkugeln schon so manches Gefecht überstanden hat - zur Not sogar durch die Hilfe der Erzengel.

Auch Larry Brent vermag als PSA-Agent (Psychoanalytische Spezialabteilung) so einiges zu regeln, denn neben einer Laserwaffe von Smith & Wesson steht er über einen Satelliten durch seinen Ring permanent in Kontakt mit der Zentrale, kann Informationen von Supercomputern abrufen lassen, und sogar die Vitalzeichen überwacht der Ring an seinem Finger.

Björn Hellmark alias Macabros hingegen hat das Schlimmste schon hinter sich, denn im Grunde ist der ehemalige Rennfahrer bereits tot. Jedoch bekämpft er das Übernatürliche fortan nicht nur als reinkarnierte Version seiner selbst, sondern kann Macabros, er selbst in zweiter Version sozusagen, erscheinen lassen, um etwa eine Tür zu öffnen, wenn er eingesperrt wurde - eine praktische Option.

 

Das sind sie, die bekanntesten Helden der Horrorhörspiele, und seit November 2003 gesellt sich nun eine neue Serie hinzu, die ganz anders, ganz neu, absolut innovativ und schlichtweg ganz toll ist: Gabriel Burns. Doch ... stimmt das auch?

 

Wer ist Gabriel Burns?

 

Der Protagonist der Serie stellt sich dem Hörer nicht direkt als Gabriel Burns vor, um sogleich hübsche Jungfrauen vor der Hölle zu retten. Tatsächlich fangen schon beim Titel die Spekulationen an, denn die Hauptfigur heißt mitnichten Gabriel, sondern Steven. Steven Burns, erfolgloser Schriftsteller und daher als Taxifahrer in Vancouver für seinen Lebensunterhalt sorgend - das klingt nicht nach einem Helden. Und tatsächlich hat Steven Burns zwar eine Menge Sorgen, aber keinerlei Interesse daran, irgendwelchen übernatürlichen Vorgängen, an die er ohnehin nicht glaubt, auf die Schliche zu kommen oder irgendwen zu bekämpfen.

Der geheimnisvolle glatzköpfige Mr. Bakerman jedoch sieht ein ungeheures Potenzial in Steven und versucht, diesen auf seine Seite zu ziehen. Natürlich hält Steven schlichtweg gar nichts von solchen Angeboten, doch wie jeder Mensch, so hat auch Steven Burns sozusagen Leichen im Keller. Unverarbeitete Schuldgefühle plagen den Taxifahrer, und genau an diesem Punkt setzt Mr. Bakerman an.

Steven Burns verfügt - da haben wir es - über eine besondere Fähigkeit. Er kann Dinge verschwinden lassen. Unglücklicherweise jedoch will er diese Fähigkeit weder besitzen noch nutzen, denn er kann sie nicht kontrollieren und weiß auch nicht, wohin die Dinge verschwinden oder wie er sie wieder zurückholen kann. Diese Tatsache endete schon in seiner Kindheit in einem Fiasko, denn bei einer Zauberaufführung ließ Steven seinen Bruder Daniel an dessen Geburtstag verschwinden. Der Junge war ab da wie vom Erdboden verschluckt und wurde nie wieder gefunden.

Mr. Bakerman verspricht Steven, ihm bei der Suche nach seinem Bruder zu helfen, wenn Steven Burns umgekehrt Bakerman hilft, bestimmte ungeklärte Vorkommnisse zu klären. Bei diesem Angebot - was bleibt Steven Burns übrig?

Und so erhält Steven Burns fortan Aufträge von Mr. Bakerman, arbeitet mit der geheimnisvollen und kompromisslosen Joyce Kramer zusammen, bekommt mit Larry Newman Verstärkung, nachdem der Forstbeamte selbst Zeuge unerklärlicher Dinge wurde, und schlittert immer tiefer in eine scheinbar nicht aufzuhaltende Bedrohung ...

 

Gegner und Geheimnisse

 

Im Vergleich zu anderen Horrorhörspielen gibt es keine klar bezeichneten Gegner und keine klar erkennbaren Lösungen. Vielmehr sind alle Folgen - und das in zunehmender Weise - ein zusammenhängendes großes Etwas, das auch nach aktuellem Stand der Serie bei Folge 24 nicht annähernd geklärt wurde.

Natürlich gibt es einen klaren Gegner, doch dieser ist nicht wirklich greifbar. Da gibt es die so genannten “Grauen Engel“, den immer wieder auftretenden Luther Niles, nach und nach kristallisieren sich bestimmte Orte der Welt als besonders wichtig für die gegnerischen Aktivitäten heraus, die so bezeichneten “Fahlen Orte“, doch jede Konfrontation endet - wenn überhaupt - nur mit einem Teilsieg von Bakerman und seinen Leuten.

Im Grunde handelt es sich um die Geschichte eines riesigen Komplotts, um eine typisch konspirative Serie - nur, dass die Gegner definitiv übersinnlich sind.

 

Doch nicht nur die Gegner verbergen Geheimnisse, sondern auch die Leute auf Seiten Bakermans.

Von Steven Burns selbst war schon die Rede, allerdings handelt es sich beim Titel “Gabriel Burns“ nicht um einen Fehler, sondern Steven hat Visionen, in denen er mit diesem Namen angesprochen wird, und auch seine Geburt, wenn man so sagen kann, ist ein besonders denkwürdiges Ereignis gewesen.

Bakerman hingegen altert nicht. Es gibt Fotos, die vor Jahrzehnten aufgenommen wurden und auf denen der kahlköpfige Mann genauso aussieht wie jetzt.

Und Joyce Kramer? Sie ist mit vollem Herzblut bei der Sache, steht hinter Bakerman wie keine andere Figur der Reihe - aber warum eigentlich? Und zuletzt sieht auch die Argumentation der Gegenseite ganz anders aus als die Version Bakermans - reine Korrumpierungsversuche?

Einige dieser Fragen wurden bereits beantwortet, die meisten nur im Ansatz, auf die anderen und weiteren Antworten gilt es nach wie vor zu warten.

 

Die Umsetzung der Serie

 

Doch nicht nur das Konzept der Geschichte, die die Reihe erzählt, sondern auch die Umsetzung eben dieses Konzepts ist bemerkenswert. Mit Volker Sassenberg als Produzent und “Decision Products“ (“Point Whitmark“) als Hersteller schöpft die Serie aus dem Vollen. Komplettiert wird das Ganze durch ein innovatives Sounddesign und einen eigens für das Hörspiel komponierten und von einem großen Orchester opulent eingespielten Soundtrack, den man auch zusammen mit Folge zwölf in limitierter Edition kaufen kann.

Selbst für alte Hasen im Bereich des Horrorgenres hält die Reihe zahlreiche Schock- und Gänsehautmomente bereit und garantiert somit jedem ein einzigartiges Erlebnis. Eine Rolle spielt neben der modernen Technik dabei sicherlich auch der Einsatz von Humor, der im Vergleich zu Reihen wie John Sinclair oder Larry Brent mehr als sparsam eingesetzt wird. Dadurch schwinden die entspannenden Momente und die Spannung bleibt über die ganze Laufzeit einer CD hinweg bestehen.

Im Vergleich zu anderen Reihen nimmt diese Serie sich ziemlich ernst - und das bislang erfolgreich.

 

Sprecher und Stargäste

 

Auch die eingesetzten Sprecher unterstützen das Cineastische der Reihe, da sich Synchronstimmen bekannter Hollywoodschauspieler unter ihnen tummeln.

Jürgen Kluckert, der Erzähler, ist als Stimme von Morgan Freeman bekannt, Bernd Vollbrecht als Steven Burns hat der Hörer schon einmal als Antonio Banderas erlebt und Ernst Meincke als Bakerman ist dem Hörer als Stimme von Patrick Stewart bekannt (zum Beispiel als Jean-Luc Picard aus “Star Trek“). Joyce Kramer alias Bianca Krahl hat schon Angelina Jolie und Rene Zellweger ihre Stimme geliehen und Simon Jäger, in der Serie Luther Niles, ist unter anderem Synchronstimme von Josh Hartnett.

Tatsächlich ließe sich diese Liste noch erweitern um die Synchronstimmen von Arnold Schwarzenegger, Samuel L. Jackson, Christopher Walken, Kate Winslet, Sharon Stone und anderen, doch selbst dieser etwas verkürzte Einblick an dieser Stelle zeigt: die Besetzung ist wahrhaft hollywoodmäßig.

 

Als sei auch das nicht schon genug, wird im Rahmen der Serie hin und wieder ein Stargast eingesetzt. Hierbei handelt es sich um Schauspieler, Musiker und andere, die in der Regel nicht als Sprecher, jedoch als Persönlichkeiten dem Publikum bekannt sind. Bislang traten Jasmin Wagner, Sven Plate (die deutsche Bugs Bunny-Stimme), Bela B. von “Die Ärzte“, Patrice vom Sender “MTV“, Flo von “Sportfreunde Stiller“, Smudo von “Die Fantastischen Vier“, Alexander Beyer („Good Bye, Lenin“), Jimmy Pop von “Bloodhound Gang“, Tatwaffe von “Die Firma“ und andere in der Serie auf.

 

Auszeichnungen

 

Wer soviel Mühe aufwendet, um eine einzigartige Serie zu kreieren, die sich durchsetzen kann, bekommt als Lohn für seine Mühen auch Preise. “Gabriel Burns“ ist mehrfacher Gewinner des Hörspiel-Awards und konnte neben Gold auch etliche Male Silber und Bronze einstecken.

Allein 2004 gewann die Serie Gold in den Bereichen “Beste Serie“, “Beste Regie“, “Beste Musik“, mit vier Folgen “Beste Serienfolge“ (insgesamt die Plätze Eins, Drei, Vier und Fünf), “Beste Nebenrolle“ (Bela B.), “Cover des Jahres“ für die achte Folge “Nebelsee“ und mehr.

 

Webseite zur Serie und Marketing

 

Auch die Webseite und das weiterführende Angebot für Fans ist mehr als erwähnenswert. Auf der Webseite erhält der Besucher nicht nur die gängigen Informationen in Bezug auf die einzelnen Folgen, sondern kann dort auch diverse TV- und Kinospots, Hintergrundbilder (Wallpaper), Bildschirmschoner (Screensaver), Handy-Klingeltöne und Mailbox-Sprüche downloaden.

Kaufen kann man von dort aus nicht nur die Folgen der Serie, sondern auch Shirts, Pullover oder Tassen zur Serie, und im Pressebereich finden sich neben einigen Meinungen auch Videos zu TV-Beiträgen rund um “Gabriel Burns“, darunter auch ein fast neunminütiges Video, das in der Sendung “Rent-a-Pocher“ ausgestrahlt wurde, weil man sich zu Halloween etwas Besonderes für die Zuschauer und -hörer ausgedacht hat ...

 

Doch es sind nicht allein die „Offiziellen“, die den Erfolg und Bekanntheitsgrad der Serie unterstützen, sondern gerade auch die Fans, die der Serie zusätzlich Gehör verschaffen. So findet der Interessierte unter Experiment Stille eine wirklich beispielhafte Webseite rund um die Serie Gabriel Burns – was man dort nicht findet, findet man wohl auch nirgendwo sonst. Eine Listung und Beschreibung der fahlen Orte, Schauplätze, Charaktere, Sprecher, Terminlisten und sogar Hörspielscripte der einzelnen Folgen sind dort zu finden, und natürlich bietet die Webseite auch jede Menge Interaktives – vom Quiz und anderen Spielereien bis hin zum Forum der Fan-Community … Hut ab – gezogen hat ihn auch hier schon die Jury des Hörspiel-Awards, denn diese Webseite wurde – wie die Serie selbst – schon mehrfach ausgezeichnet.

 

Negative Aspekte

 

Bei all diesen lobenden Worten ... gibt es denn da überhaupt auch Negatives zur Serie zu sagen? Nichts ist perfekt, daher lautet die Antwort: ja, durchaus.

Zum einen ist die Serie ganz klar so konzipiert worden, dass man sie wirklich von der ersten bis zur letzten Folge hören sollte. Bei einigen Folgen fällt es nicht ins Gewicht, ob man mit den vorherigen Geschehnissen vertraut ist oder nicht, aber generell handelt es sich um eine fortlaufende Geschichte. In diesem Zusammenhang werden die zu merkenden Ereignisse natürlich immer zahlreicher, umso weiter man hört, und das ist nicht immer so ganz einfach zu behalten. Diese Bezüge sorgen zwar auf der anderen Seite auch dafür, dass immer wieder neue Details geklärt werden, wenn auch vielleicht viele Folgen später beziehungsweise häppchenweise über mehrere Folgen, aber diese Belohnung ändert wenig an der Tatsache, dass man bei “Gabriel Burns“ am Ball bleiben sollte.

Obwohl es nur zwei als Zweiteiler deklarierte Teile gibt, bekommt die Serie zunehmend einen Cliffhanger-Charakter, der auch nicht jedem zusagt.

Zu guter Letzt handelt es sich um eine Serie mit offenem Ende. Bis jetzt sind die Folgen bis Nummer 24 veröffentlicht (Stand: Mai 2007). Es besteht natürlich die Gefahr, dass sich die Serie im weiteren Verlauf verrennt, einige Fäden aus den Augen verliert und irgendwann in einem riesigen Wollknäuel endet, doch dies gilt es abzuwarten.

 

Bald geht es weiter ...

 

Fest steht, dass die Folgen 25 und 26 im Juli 2007, die Folgen 27 und 28 im Oktober 2007 veröffentlicht werden. Das freut die Fans und wer Lust bekommen hat, sich die Serie mal selbst anzuhören, der sollte am besten alles bisher Erschienene kaufen, um nicht wie vorbeschrieben mittendrin in einer teils für Neueinsteiger nicht nachvollziehbaren Serie zu stecken.

Aber Vorsicht: Diese Serie macht wirklich Spaß und gibt ein gruseliges Gefühl, aber wer einmal angebissen hat, für den wird die Zeit bis zur nächsten Veröffentlichung schnell lang. Man will doch wissen, wie es weitergeht und „es ist Zeit, dass wir die Wahrheit erfahren“.

Aber wer es gar nicht erwarten kann: Seit April 2007 gibt es „Gabriel Burns“ auch in Buchform, verlegt von Ullstein.

 

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Das Gabriel Burns Spezial:


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Erstellt: 15.05.2007, zuletzt aktualisiert: 03.09.2015 19:58