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Am Ende der Reise hrsg. von Alisha Bionda

Gedenkanthologie für Crossvalley Smith

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Am »Ende der Reise« eines Künstlers, der viel zu früh gegangen ist, steht diese Gedenkanthologie für Crossvalley Smith.

Sein Leitsatz war Nihil fit sine causa – nichts geschieht ohne Grund. So bleibt zu hoffen, dass auch seine verfrühte, letzte Reise nicht ohne diesen erfolgt ist.

Hinterlassen hat Crossvalley Smith viele wundervolle grafische Werke, zu denen nun Autorinnen und Autoren phantastische Texte verfassten, um an ihn zu erinnern.

 

Rezension:

In der kleinen Welt der deutschsprachigen Phantastikszene ist jeder Verlust schmerzlich. Doch nur selten hat man das Gefühl intensiver Verbundenheit mit dem Werk eines Künstlers und fallen einem spontan so viele Buchcover ein wie bei Crossvalley Smith.

 

Etliche dieser Cover finden sich auf Büchern, die von Alisha Bionda herausgegeben wurden. In ihrer Reihe Ars Literrae versammelte sie darum Erinnerungen, Kurzgeschichten und natürlich Bilder für die Gedenkanthologie Am Ende der Reise.

 

Die vielen persönlichen Texte von Familie, Freunden und vor allem jener Autorinnen und Autoren, für deren Texte Martin Schmidt, so Crossvalleys bürgerlicher Name, seine phantastischen Illustrationen schuf, sind berührend und ergeben das Bild eines zurückhaltenden und vor allem freundlichen Mannes, der in seiner Kunst ein Mittel sah, anderen Menschen eine Freude zu bereiten.

Dabei sind seine Motive eher dunkle Schattenseiten, jedoch erkennt man aus den Äußerungen der Beschenkten, dass Crossvalley es verstand, darin die Essenz ihrer Geschichten abzubilden. Im Gegenzug entstand auch eine Reihe von Geschichten, die von diesen eher düsteren Bildwelten inspiriert wurden. Einige davon finden sich in diesem Gedenkband.

 

Arthur Gordon Wolf baut aus dem Motiv eines Totenschädels über einem aufgeschlagenen Buch mit Die Adepten des Großen Bro eine zynische Postapokalypse, deren Ende zwar vorhersehbar ist, jedoch mit einem augenzwinkernden Twist aufwartet.

 

Barbara Büchner verbindet in Black Mill – Die Knochenmühle einen Sagenstoff mit einer genretypischen Geistergeschichte, die sich sehr dicht an die bildliche Vorlage von Crossvalley hält.

 

Lange Zeit im Unklaren lässt uns Marc-Alastor E.-E. in Helle Welt in Pastell und beschert mit seiner fein inszenierten Noir-Story einen ersten Höhepunkt des Bandes.

Die Geschichte um den Mord an einem Prokuristen und die Verwicklungen des Familienunternehmens bietet einige überraschende Wendungen und zwingt mehrmals dazu, sich Crossvalleys Bild ganz genau anzusehen.

 

Erik Hauser liefert mit Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Häßlichste im ganzen Land? eine kurze Vignette, der etwas mehr Handlung gut getan hätte, so bleibt eine doch recht bekannte Idee ohne größere inhaltliche Prägnanz zurück.

 

Tanja Bern verzaubert mit einer poetischen Liebesgeschichte und obwohl auch Des Teufels Haus wenig Überraschung liefert, überzeugt der melancholische Stil.

 

Aus dem angsteinflößenden Bild einer Schlange erschafft Florian Hilleberg Erkenntnis eine klischeegesättigte Missbrauchsgeschichte, die man in ähnlicher Art schon zu oft kredenzt bekam.

 

Als Verlegerin konnte Uschi Zietsch etliche Arbeiten von Crossvalley für das Fabylon-Verlagsprogramm gewinnen. Ihre düstere Fantasy-Story Am Ende der Reise knüpft an britische Gothic-Novels an und haucht dem Bild des zerborstenen Zweisitzers ein ganz besonderes Leben ein.

 

Auch in Sophie Olivers Geschichte Das Auge des Betrachters geht es um ein veränderliches Aussehen. Der Urlaubstag eines Unterwelttorwächters fällt auf Halloween und obwohl er für jeden Sterblichen je nach Religion und Sündenregister anders aussieht, überrascht ihn eine davon ganz besonders.

Auch diese romantische Geschichte spielt mit bekannten Themen, überzeugt dabei mit einer sorgfältigen Erzählweise.

 

An Ray Bradburys Das Böse kommt auf leisen Sohlen erinnert Tanya Carpenter mit ihrer Horror-Geschichte Das Karussell. Dass der Hang kleiner Mädchen zu Einhörnern eine bedenkliche Sache ist, unterstreicht diese bitterböse Story auf wenigen Seiten.

 

Wesentlich amüsanter geht es dann in Gabrielle Ketterls Geschichte zu. Auch Der Höllenjob befasst sich mit der Arbeit eines Unterweltbediensteten, allerdings hat dieser deutliche Kompetenzschwächen.

Die Autorin ist nicht ganz pointensicher, sodass die Story leider nicht wirklich zündet.

 

Von ganz anderem Kaliber ist die knallharte Horror-Story Die Baumeister des Schöpfers von Lothar Nietsch. In seiner Not geht ein Sterbender einen seltsamen Pakt ein. Großartige Story.

 

Ihre zweite Geschichte in dieser Gedenkanthologie schrieb Barbara Büchner vor einiger Zeit in der Absicht, eine reine Storysammlung zu Crossvalleys Bildern zu verfassen. Daraus wurde nun leider nichts mehr. Doch Der Kastellan von Huttenbrunn lässt erahnen, in welche phantastische Richtung die Reise gegangen wäre.

Zwei Beauftragte eines Verbandes für Krankenanstalten prüfen, ob die Erbschaft eines uralten Schlosses anzutreten, sich für ihren Verband lohnt oder nicht. Doch was hat es wirklich mit diesem Schloss auf sich?

Barbara Büchner spielt in ihrer Story geschickt mit Erwartungshaltungen und baut sowohl romantische als auch Horrorelemente ein.

 

Das Bild zu Erik Hausers zweiter Geschichte Die gerissene Saite heißt Burning Violoin und hat selbst darin einen Auftritt.

Während ein BWL-Student für die Zwischenprüfung lernen will, zieht in das Zimmer des Studentenwohnheims neben ihm eine geheimnisvolle Violinistin. Bald verzahnen sich Prüfungsangst und realer Horror.

 

Desirée und Frank Hoese liefern die letzte Kurzgeschichte des Bandes. Auch sie lernten Crossvalley über Illustrationen zu ihren Storys kennen.

Ketten aus Blut ist eine rasante Dämonenjagdgeschichte, die einmal mehr beweist, über welch Gespür für Timing und Dramaturgie das Paar verfügt.

 

Zum Abschluss kommt Crossvalley selbst zu Wort. Der Bericht seines Besuches des FeenCons 2014 hinterlässt uns schwermütig. Seine Freude auf den nächsten Con offenbart, wie plötzlich er das Ende seiner Reise erreichte.

 

Die Bilder im Buch wurden vom Atelier Bonzai für den Druck aufbereitet, da sie nicht in entsprechender Druckqualität vorlagen. Crossvalleys Homepage ist offline, einige seiner Arbeiten sind über verschiedene Internetseiten und Verlage verteilt jedoch noch zugänglich. Etliche seiner Cover und Bilder stehen in den Bücherregalen der Phantastikfans und er selbst bleibt in unserer Erinnerung lebendig.

 

Fazit:

Mit »Am Ende der Reise« würdigt Herausgeberin Alisha Bionda den Grafikkünstler Crossvalley Smith, der im Mai 2015 verstarb. Mit ihr erinnern sin unzählige Freunde, Bekannte und Familienmitglieder an einen warmherzigen Menschen. 14 Kurzgeschichten beweisen zudem, welche Kraft Crossvalleys Illustrationen ausstrahlten und mit welcher Fantasie sie Autorinnen und Autoren zu beflügeln wussten.

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Eure Meinung:

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Buch:

Am Ende der Reise

Gedenkanthologie für Crossvalley Smith

Herausgeberin: Alisha Bionda

Taschenbuch, 244 Seiten

Fabylon, 19. Juli 2017

Cover und Illustrationen: Crossvalley Smith

 

ISBN-10: 3943570894

ISBN-13: 978-3943570892

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B073RLJZ89

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Inhalt:

Arthur Gordon Wolf: Die Adepten des Großen Bro

Barbara Büchner: Black Mill – Die Knochenmühle

Marc-Alastor E.-E.: Helle Welt in Pastell

Erik Hauser: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Häßlichste im ganzen Land?

Tanja Bern: Des Teufels Haus

Florian Hilleberg: Erkenntnis

Uschi Zietsch: Am Ende der Reise

Sophie Oliver: Das Auge des Betrachters

Tanya Carpenter: Das Karussell

Gabrielle Ketterl: Der Höllenjob

Lothar Nietsch: Die Baumeister des Schöpfers

Barbara Büchner: Der Kastellan von Huttenbrunn

Erik Hauser: Die gerissene Saite

Desirée und Frank Hoese: Ketten aus Blut

Weitere Infos:

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Erstellt: 15.08.2017, zuletzt aktualisiert: 14.09.2018 13:51