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Das Henkersschwert

Reihe: Dorian Hunter - Dämonen-Killer, Folge 2

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Dorian Hunter trifft die letzten Vorbereitungen für einen Flug nach Wien. Er will seine verwirrte Frau Lilian, die seit Dorians Eskapaden in Österreich in einer Wiener Psychiatrie verwahrt wird, zurück nach London holen, wobei ihm der Psychiater Dr. Barrett helfen will. Dorian sucht gerade nach der Geburtsurkunde seiner Frau, als er einen Eindringling bemerkt – Schüsse fallen, er kann jedoch nur eines parfümierten Schleiers habhaft werden. Nach einem nervigen Flug mit dem überbesorgten Dr. Barrett setzt sich der übernächtigte Dorian in eine Bar ab um ein Glas zu trinken. Da riecht er etwas – der Schleier! Der Barkeeper erklärt ihm, dass eben Coco Zamis da gewesen sei. Dorian sucht sie auf um mehr über sie herauszufinden. Es scheint, als wenn Familie Zamis enge Kontakte zu den Dämonen der Schwarzen Familie unterhalte. Dann legt die Hexe Coco Zamis einen Bann auf Dorian – hat sie ihn in eine Falle gelockt?

 

Diese Folge wirkt viel mehr wie eine Auftaktsfolge als die vorige, was in erster Linie am Einstieg liegt: In Im Zeichen des Bösen begann die Geschichte als Rückblende, Das Henkersschwert beginnt dagegen scheinbar in der normalen Erzählebene. Dieses ist allerdings eine Täuschung – schon bald stellt der Hörer fest, dass die Geschichte nahtlos an der ersten Folge anknüpft und Dorian den Antiquar Norbert Helnwein immer noch von den bisherigen Ereignissen berichtet. Diese Täuschung (darum löse ich sie hier auf) erweckt aber den richtigen Eindruck, denn Dorian ist zu Helnwein gegangen um Beistand im Kampf gegen die Schwarze Familie zu erbitten und eben dieser Kampf geht in die erste Runde. Doch zunächst ist die andere Seite am Drücker und setzt Dorian mit mysteriösen Ereignissen und mythischen Zauberbann gehörig unter Druck.

Entsprechend sind auch die Spannungsquellen verteilt: Wie in der ersten Folge, sind die Beschreibungen des Settings minimal und auch die Figuren werden nur knapp charakterisiert, sind aber nicht flach: Dr. Barrett ist beispielsweise sehr besorgt um Dorian. Er versucht ihn mit stetigem Geplapper aufzumuntern und zu informieren; Dorians Unhöflichkeit gegenüber ist er sehr nachsichtig, doch alles hat Grenzen und der tolerante Doktor wird zunehmend ungehalten. Aus der ersten Folge reicht noch der Handlungsstrang um die Charakterbildung Dorians herüber. Nach den Ereignissen in Asmoda ist ein selbstmörderischer Hass auf die Schwarze Familie entflammt – ungezügelt würde er Dorian alsbald verzehren. Weiterhin erfährt der Hörer etwas über die Vergangenheit von Dorians Familie und seinen Beruf: Er ist Journalist. In Horror-Thrillern ist die Bildung eines Teams für das Gute zumeist wichtiger als die Bildung der Charaktere der Guten – auch hier wird der Grundstein für diese Gruppe gelegt: Dorian erhält einen wichtigen Mitstreiter und Waffen die gegen Dämonen wirken. Aus weiteren Gründen neigt sich die Geschichte dieses Mal deutlich zum Horror-Thriller: Die finstere Bedrohung zieht schneller auf und auch Actionszenen ergeben sich sehr schnell. Die beiden Handlungsstränge – Charakterbildung und Kampf gegen das Böse – sowie die eigenwillige Inszenierung führen leider auch dazu, dass der Spannungsbogen etwas seltsam verläuft und der Hörer den Eindruck erhält, dass die Geschichte keinen richtigen Höhepunkt hat.

 

Wie schon in der vorigen Folge erleichtert die Inszenierung den Zugang nicht, da sie zwischen drei Zeitebenen – der fernen Vergangenheit, der nahen Vergangenheit und der Gegenwart – springt und zudem noch kurze Perspektivwechsel und einen Ausblick auf kommende Ereignisse bietet, deren Anbindung teilweise nur schwer ersichtlich ist: Wer mag wohl die Frau sein, der zu Beginn unschöne Dinge widerfahren? Ist es Lilian, Coco oder doch eine Unbekannte? Und was hat die Szene mit der Geschichte zu tun? Mit einigem Nachdenken kann der Hörer darauf kommen, aber was Baron Nicholas de Conde (dessen Name übrigens im Hörspiel nicht fällt – er ist der Sprecherliste zu entnehmen) geht allein aus dieser Folge nicht hervor.

Bei den Sprechern hat sich wenig geändert. Thomas Schmuckert (Dorian Hunter) und Hasso Zorn (Norbert Helnwein) machen ihre Sache gewohnt gut, Iris Artajo (Lilian Hunter), Marco Göllner (Bruno Guozzi) und Martin Semmelrogge (dies Mal: der Folterknecht Equinus) erhalten deutlich kleinere Rollen. Den nervigen Sidekick Dr. Barrett spricht Michael Pan fein nuanciert; dessen Stimme wird der Hörer vielleicht als die von Data aus Star Trek oder aus Geisterjäger John Sinclair-Hörspielen wieder erkennen. Kleine Trivia-Anmerkung: Michael Pan ist der Vater von David Nathan (Baron Nicholas de Conde), der vielfach Johnny Depp synchronisierte sowie in Hörspielen der Reihen John Sinclair, Faith u. a. mitwirkte – mit der Wahl Nathans kann ein Hörspiel-Produzent nicht viel falsch machen. Neu ist auch Claudia Urbschat-Mingues (Coco Zamis), die als Synchronsprecherin von Angelina Jolie und aus Hörspiel-Serien wie Caine, Gabriel Burns oder auch den schon oft genannten Sinclair-Hörspielen bekannt ist. Bei keinen von denen gibt es Grund zur Klage, einzig Till Hagen, Veteran unzähliger Benjamin Blümchen-Hörspiele, aber auch – wie kann es anders sein? – Sprecher in der Sinclair-Reihe, kann nicht immer als Michael Zamis, immerhin der harsche Patriarch einer schwarzmagischen Familie, überzeugen – er wirkt bisweilen etwas hysterisch.

Sowohl die musikalische Untermalung von Gene Hunt und Marcel Schweder wie auch die Tonproduktion, für die sich Marco Göllner verantwortlich zeigt, streichen wiederum unaufdringlich die Atmosphäre der Szene heraus.

 

Fazit:

Noch als Dorian Hunter die ersten Schritte bezüglich seines Rachefeldzuges gegen die Schwarze Familie plant, schlägt diese wieder mit Hilfe der verbündeten Familie Zamis zu – nur wo steht die bezaubernde Hexe Coco? Mit der zweiten Folge verschiebt sich der Fokus von der Charakterbildung weiter zum Horror-Thriller – und in dieser Hinsicht kann Dämonen-Killer Dorian Hunter zweifellos mit den 'Großen' wie Geisterjäger John Sinclair oder Faith – The Van Helsing Chronicles konkurrieren, auch wenn der Handlungsaufbau nicht immer leicht zu durchschauen ist.

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Hörspiel:

Das Henkersschwert

Reihe: Dorian Hunter – Dämonen-Killer 2

Regie: Marco Göllner

Zaubermond (ALIVE), August 2008

1 CD

Spieldauer ca. 70 Minuten

 

ASIN: B001D0RSQK

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher:

Thomas Schmuckert

Hasso Zorn

Claudia Urbschat-Mingues

Michael Pan

Marco Göllner

Till, Hagen

Iris Artajo

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.09.2008, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03