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Spezial zur Hörspielreihe Dorian Hunter

Redakteur: Oliver Kotowski


Seit Neuem tummelt sich ein weiterer Hörspiel-Held auf dem Markt: Dorian Hunter der Dämonen-Killer. Während eines ungeplanten Urlaubs mit seiner Frau in Österreich erfährt der ahnungslose, aber neugierige Journalist, dass er ein Sohn Asmodis ist. Doch angewidert von der Bosheit seiner Brüder wendet er sich von der Schwarzen Familie ab; eine Tat, die ihm teuer zu stehen kommt, denn er verliert nicht nur seine naive Unschuld. Voller brennenden Hass startet er einen Rachefeldzug gegen die Kreaturen der Nacht.

Es scheint als würde er nicht nur mit einigem Erfolg Dämonen und Anverwandte zur Strecke bringen, sondern auch bei der Jagd nach der Aufmerksamkeit der Hörer triumphieren. So haben die ersten drei im August erschienen Folgen der Reihe (das sind: Im Zeichen des Bösen, Das Henkersschwert und Der Puppenmacher) gleich zwei Auszeichnungen erhalten – den Hörspiel-Award gab es für Das Henkersschwert und den Hör:Tipp für Der Puppenmacher, jeweils für den Monat August – und obere Plätze des Downloadportals Soforthören belegt.

Die Rahmenbedingungen sind gar nicht mal auffällig, sieht man von einer Kleinigkeit ab: Die neueste vom Zaubermond (ALIVE)-Label vertonte Fassung ist bereits die dritte. Das Label EUROPA hatte 1984 einen ersten Anlauf gewagt, die Serie jedoch schon nach fünf Folgen wieder eingestellt. Im Jahr 2000 gab es eine Neuauflage – dieses Mal auf CD – im Zuge Der Rückkehr der Klassiker; eine darüber hinaus gehende Fortführung gab es allerdings nicht. Sieben Jahre später versuchte sich das Label Noctura-Audio an der Serie, aber hier kam man nicht über die erste Folge hinaus.

 

Dieses Hin und Her spricht dafür, dass es ein guter, aber schwieriger Stoff ist, der verarbeitet werden will. Das findet sich schon in der Vorlage. Wie so viele deutsche Horror-Hörspiel-Helden – man denke an John Sinclair, Tony Ballard oder Professor Zamorra – wurde auch Dorian Hunter in den Groschenheftchen 'geboren': 1973 trat Dorian Hunter Im Zeichen des Bösen die schicksalhafte Reise nach Österreich an, damals im Rahmen der bei Pabel erscheinenden Vampir-Reihe. Autor ist der mittlerweile verstorbene Ernst Vlcek. Doch er war nicht alleiniger Verfasser, schon der zweite Roman der Serie stammte aus Neal Davenports (Kurt Luif) Feder; zusammen mit Earl Warren (Walter Appel) verfassten die beiden allerdings etwa 66 Prozent der Geschichten.

Zunächst wurden in sich geschlossene Einzelfolgen veröffentlicht, doch mit der 18. Folge – Das Fest auf dem Teufelshügel – erhielt Dorian Hunter eine Dämonenkiller betitelte eigene Reihe, die sich auch längeren Zyklen zu wendete. Doch schon mit Folge 143 – Rächer aus dem Totenreich – wurde die Reihe trotz bisher ansehnlicher Verkaufszahlen eingestellt: Innerhalb eines Jahres waren drei Ausgaben auf den Index für jugendgefährdende Schriften gesetzt worden. 1983 wurde eine zweite Auflage herausgebracht, bei der die indizierten Romane ausgelassen oder stark überarbeitet wurden. Nicht allzu lange Zeit später mit Folge 175 wurde die Reihe wiederum eingestellt, dieses Mal waren die schlechten Verkaufszahlen die Ursache. Seit 2000 wird die erste Auflage vom Zaubermond-Verlag neu aufgelegt, außerdem führt der Verlag die Geschichten um Dorian Hunter in einer eigenen Serie weiter.

 

Zaubermond bringt nun in Eigenregie die Reihe als Hörspiel heraus und wählt dabei einen Kurs zwischen Publikumsgeschmack und Erneuerung. So werden die Hauptrollen mit gut und zumeist auch bekannten Sprechern besetzt: Thomas Schmuckert (Dorian Hunter), Claudia Urbschat-Mingues (Coco Zamis) und Hasso Zorn (Norbert Helnwein) kann man regelmäßig in tragenden Rollen hören, aber auch Namen wie Jürgen Thormann, Udo Schenk, David Nathan oder Martin Semmelrogge kann man in den Covern lesen. Daneben wird immer wieder Neulingen eine Chance geboten – Tim Kreuer wird wohl nur wenigen Hörern ein Begriff sein, doch er macht seine Sache nicht schlechter als die bisher genannten.

In Punkto Tonproduktion schlug Oliver Döring einen neuen Weg ein: Der hatte für die John Sinclair-Folgen ausschließlich auf die Tonbibliotheken Hollywoods zurückgegriffen, was einen sehr sauberen und professionellen Eindruck erzeugte. Regisseur Marco Göllner schließt sich ihm hier an. Doch während bei den meisten modernen Horror-Thrillern Heavy Metal-Klänge überwiegen, wählt Göllner Stücke, die eher dem Industrial zu zurechen sind – die hervorragend dazu passende Titelmusik stammt vom Goldenen Reiter Joachim Witt, der mittlerweile von der 'schwarzen Szene' goutiert wird. Damit geht man eigene Wege ohne die Fans, die sich offenbar an Carsten Bohns Retro-Mix von der ersten Professor Zamorra-Folge störten, vor dem Kopf zu stoßen. Gleiches gilt für den Handlungsaufbau, der bei beiden Reihen mehrere Erzählebenen umfasst, aber bei den Einzelfolgen Dorian Hunters sich leichter erfassen lässt.

 

Dieser Kurs findet sich auch im Inhaltlichen wieder. So besitzt – und verwendet – der Journalist Hunter eine Reihe von Waffen, die gegen übernatürliche Wesen wirken, darunter eine Pistole mit Silberkugeln, aber die bewaffnete Auseinandersetzung spielt eine wesentlich geringere Rolle bei der Auflösung der Folgen als etwa bei den John Sinclair-Geschichten. Dorian Hunter legt den Fokus deutlich mehr auf die Mystery- und Grusel-Elemente; es ist viel mehr ein Horror-Thriller als andere ähnliche Hörspiele, die eher Action-Thriller mit – zumindest theoretisch – unheimlichen Untoten und Dämonen sind. In dieser Hinsicht erinnern die Geschichten um den Dämonen-Killer mehr an Larry Brent als an John Sinclair; der Stellenwert des Rätselhaften ist allerdings wesentlich geringer als bei den Gabriel Burns-Folgen. Auch die eigentliche Charakterentwicklung wird hier betrieben; in aller Regel gibt es eine erste Folge, in der der Horror-Held mit dem Übernatürlichen konfrontiert wird und den Kampf gegen das Böse aufnimmt, doch einen Charakterwandel im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Dorian Hunters Charakterwandel wird dagegen über mindestens drei Folgen betrieben.

Sex sells, heißt es und so verwundert es nur wenig, dass in vielen Horror-Thrillern ein sexueller Unterton mitschwingt. Meistenteils vertritt die Geschichte eine orthodoxe Sexualhaltung, macht aber voyeuristische Andeutungen ob der 'Perversionen'. In der Dorian Hunter-Reihe spielt Sexualität eine noch größere Rolle als üblich; zum Ausgleich werden diese Freizügigkeiten jedoch weniger orthodox bewertet – so ist beispielsweise die Hunter-Analogie zum geschlechtslosen Engel ein doppeltgeschlechtlicher Hermaphrodit.

 

Die Auszeichnungen zeigen, dass die Interpretation der Dorian Hunter-Serie bei den Kritikern ankommen, die Anzahl der Downloads, dass das Publikum ebenfalls überzeugt ist. Die Hörspiele sind handwerklich wie inhaltlich gelungen, sauber werden die Stärken des Mainstreams aufgegriffen und um eine eigene Note bereichert. Wenn es Herrn Göllner gelingt den eingeschlagenen Kurs bei den für den November dieses bzw. den Februar des nächsten Jahres angekündigten Folgen Das Wachsfigurenkabinett und Der Griff aus dem Nichts und darüber hinaus geplanten zu halten, dann wage ich zu behaupten, dass John Sinclair & Co. mit Dorian Hunter eine ernsthafte Konkurrenz erwächst.

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 2 von 2.

profi
Samstag, 24. Dezember 2011 23:32 Uhr
Hunter stellt die Referenz des modernen Hörspiels dar.

B.Mc Lean
Freitag, 19. Februar 2010 21:03 Uhr
ich bin von Hunter beeindruckt
er kommt kuehl und spaeter sehr profesionell rueber, mehr davon ist spannend Emoticon

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Erstellt: 19.10.2008, zuletzt aktualisiert: 03.09.2015 19:58