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Jagd nach Paris

Reihe: Dorian Hunter 14

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Auf der Wolfshochzeit war der Dämonenkiller Dorian Hunter dem Vampir Frederic de Buer, dem letzten seiner dämonischen Brüder, begegnet, konnte ihn aber nicht stellen. De Buer hatte sich in einem Nonstop-Zug nach Paris geflüchtet. Bei der Sichtung der Aufzeichnungen der Überwachungskameras der Bahnhöfe können Hunters vergrätzter Chef Trevor Sullivan und Kollege Marvin Cohen dies gut nachvollziehen. Außerdem entdecken sie mit einiger Überraschung – und hämischer Freude im Fall Cohens – dass Hunter auf den letzten Waggon aufgesprungen und auf das Dach geklettert war. Das werde wohl eine kalte Reise werden, befindet Cohen. Da Sullivan sowohl de Buer wie auch Hunter aus dem Verkehr ziehen will, befiehlt er, den Zug anhalten zu lassen. Doch irgendetwas stimmt nicht – es gibt keine Antwort vom Lokführer. Sullivan und Cohen, die mittlerweile dem Zug via Hubschrauber folgen, entdecken, dass Hunter in den Zug eingedrungen ist. Wie lässt sich der rasende Zug stoppen? Wie der Vampir de Buer? Wie Hunter? Glücklicherweise ist ein französischer Fahrgast, der Journalist Armand Melville, online; über seinen Laptop nimmt der Secret Service Kontakt zu ihm auf.

 

Vom Plot her ist Jagd nach Paris eher unauffällig: Es handelt sich um einen Jagd-Plot, wie er am häufigsten in Thriller verwendet wird: Der Cop/Agent hetzt den Verbrecher/Terrorist, bis der Gejagte entweder den Jäger abschütteln kann oder zur Strecke gebracht wird. Hier setzt der Dämonenkiller seinem flüchtigen Dämonenbruder nach. Ungewöhnlich, wenn auch nicht wirklich neu, ist der Zug als Schauplatz, denn Thriller – insbesondere Jagd-Plots – setzen zumeist auf hohe Geschwindigkeit, die sich in hektischer Bewegung spiegelt. Nun donnert der Zug Hunters zwar mit Höchstgeschwindigkeit nach Paris, doch in den Abteilen selbst herrscht relative Ruhe. Zusätzlich werden dem Handlungsspielraum durch die Begrenztheit des Schauplatzes selbst enge Grenzen gesetzt. Um hieraus eine spannende Jagdgeschichte zu entwickeln, bedarf es eines ausgefeilten Handlungsaufbaus und perfekten Timings. Marco Göllners Skript verfügt über beide Tugenden. Da ist einerseits Hunter, der de Buer in den Zug folgt, und de Buer, der natürlich etwas gegen die Verfolgung unternimmt. Hier entsteht ganz klassisch Spannung aus der Frage, ob Hunter den Vampir in diesem Abteil stoßen wird oder ob de Buer noch ein Ass im Ärmel hat, und natürlich einigen wenigen Action-Sequenzen. Hinzukommen zahlreiche überraschende Wendungen. Dann sind da andererseits Sullivan und Cohen, die sowohl Hunter wie auch de Buer stoppen wollen. Während Hunter und de Buer sich ganz auf ihre persönlichen Fähigkeiten verlassen müssen, kann Sullivan auf einen gewaltigen Machtapparat zurückgreifen – so kann er ohne Weiteres Teile des Geschehens im Zug via Überwachungskameras verfolgen. Gerade hier ist Göllner ein hohes Lob auszusprechen: Gleich, ob der Einsatz der technischen Mittel realistisch ist oder nicht, er nutzt sie für einen spannungsreichen Handlungsaufbau.

Der dramatischen und z. T. rasanten Jagd setzt Göllner immer wieder humorvolle Szenen entgegen, die verhindern, dass der Hörer sich an das hohe Tempo gewöhnt. Ein sehr gutes Skript.

 

Die Sprecherriege ist wie in der Hunter-Reihe üblich relativ groß: Das Booklet zählt zwanzig Sprecher auf; davon haben einige natürlich nur sehr kleine Rollen. Die Anzahl der bekannten Stammsprecher ist dagegen eher gering: Thomas Schmuckert spricht natürlich wieder Dorian Hunter, Frank Gustavus ist als Marvin Cohen dabei, Hasso Zorn darf als Norbert Helnwein eine Handvoll Sätze äußern, und wenn ich mich nicht verhört habe, dann gilt dasselbe für Regina Lemnitz als Martha Pickford (die nicht im Booklet genannt wird). Eigentlich gehört Konrad Halver ebenfalls in diese Reihe – immerhin spricht er seit seinem ersten Auftritt in Das Henkersschwert zum neunten Mal den granteligen Secret Service-Boss Trevor Sullivan. Gewürdigt hatte ich seine Beiträger bisher nie explizit, da sie stets zu kurz waren. Das soll hiermit geändert werden: Halver liefert eine sehr gute Performanz. Wenig überraschend, ist er doch ein altgedienter Veteran: Er spricht die Hauptrolle in der Reihe Kommissar Dobranski, ist mehrfach in Point Whitmark zu hören und war es schon in Europas Die Originale, um nur ein paar wenige Beiträge aus seinem breiten Oeuvre zu nennen. Auch Robert Kotulla ist als Frederic de Buer schon zum dritten Mal dabei – zur Stammbesetzung will ich ihn dennoch nicht zählen. Kotulla ist kein Neuling mehr, aber auch bei Leibe nicht so präsent wie Halver. Man kann ihn in TKKG, the Satchmo Trilogy oder Peter Lundt: Blinder Detektiv hören. Oliver Kalkofe war ebenfalls schon mehrfach in der Reihe zu hören – das letzte Mal in der letzten Folge. Es ist interessant zu verfolgen, wie Kalkofe größere und wichtigere Rollen bekommt. Hier spricht er den französischen Journalisten Armand Melville, der allerdings immer noch als humoriger Sidekick angelegt ist. Mal sehen, ob sich diese Rollenausrichtung in Zukunft ändert. Die bisher genannten haben alle eine gute Performanz geliefert, was allerdings nur wenig überrascht. Anders bei Lilli Martha König, die in einer bösen Szene die kleine Lilli Martha spricht. Ich weiß nicht, wie alt die Sprecherin ist, sollte ich raten, würde ich auf vier Jahre tippen, und sie hat (meines Wissens) bisher nur an einem weiteren Hörspiel mitgewirkt, doch ihr Auftritt muss sich nicht hinter denen vieler alter Hasen verstecken. Tolle Leistung!

 

Die Inszenierung ist wie gewohnt, nur besser. Ja, noch besser. Sie ist recht modern, ohne Erzähler, Geräusche werden nie erläutert, im Gegenteil, bisweilen werden sie dramaturgisch verwendet. Die Musiken sind meist gemäßigt schnell mit dominantem, hämmerndem Grundrhythmus – passend für eine rasante Zugfahrt. Bei den Tonschichten hat Göllner sich selbst übertroffen. In einer Szene geht Hunter durch den Zug, während Cohen und Sullivan ihn per Kamera beobachten, die Geschehnisse kommentieren und vorausplanen. Es beginnt mit der stampfenden Musik und Hintergrundgeräuschen des Zuges auf der linken Seite, dann schwinden die Zuggeräusche, dafür kommen die Hintergrundgeräusche des Hubschraubers auf der rechten Seite hinzu. Dann kommen auf der linken Seite die Zuggeräusche zurück und mit ihnen beginnt Hunters Sprecherdialog. In einer Dialogpause beginnen Cohen und Sullivan einen Dialog auf der rechten Seite. Schließlich finden beide Dialoge zugleich statt – und es sind beides dramaturgisch relevante Dialoge. So gibt es quasi zwei Szenen zugleich. Das sind insgesamt fünf Tonschichten: je zweimal Hintergrundgeräusch und Dialog und dazu die Musik. Dies ist eine ganz hervorragende Szene.

 

Fazit:

Dorian Hunter folgt dem flüchtigen Vampir de Buer in den Zug nach Paris – wird er ihn stoppen, bevor Sullivan den Zug stoppt? Jagd nach Paris halte ich für das Glanzstück der ohnehin schon guten Serie – ein sehr gutes Skript, gute Sprecher und eine überragende Inszenierung. Dafür muss es Gold geben.

 

 

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Hörspiel:

Jagd nach Paris

Reihe: Dorian Hunter 14

Produzent: Dennis Ehrhardt

Regie: Marco Göllner

Label: Folgenreich

Erschienen: Mai 2011

Umfang: 1 CDs, ca. 66 min

ASIN: B004Q45P88

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher

Thomas Schmuckert

Konrad Halver

Frank Gustavus

Oliver Kalkofe

Robert Kotulla

Helmut Winkelmann

 

 

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.06.2011, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 11:36