Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Wolfshochzeit

Reihe: Dorian Hunter 13

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Kichern und Gläserklirren: Die feine Gesellschaft wartet erheitert auf das, was Jörg Eklund und die exzentrische Wolfsbändigerin Jennifer Jennings ihr mitzuteilen haben. Selbstverliebt verkündet Eklund seine baldige Hochzeit mit Jennifer und ergänzt auf ihren ärgerlichen Druck hin, dass die Gesellschaft für seinen lieben Bruder Dorian eine Überraschung bereiten könne. Wie? – Sie können sterben. Der Werwolf Eklund zerreißt seine Gäste. Einige Zeit später erwacht Dämonenkiller Dorian Hunter inmitten der Leichen. Was war geschehen? Der ihn weckende Secret Service Chief Trevor Sullivan hat eine Idee: Hunter nimmt es mit dem Killen nicht mehr so genau und ermordet jetzt auch normale Menschen aus persönlichen Gründen. Nach all den Einzelgängen in der letzten Zeit – von Borneo über die Eskapade im Irrenhaus hin zum gerade abgeschlossenen Besuch in Wien – bei dem übrigens zufälligerweise Ms. Zamis' ganze Familie ermordet wurde – scheint Hunter immer unkontrollierbarer. Es reicht Sullivan: Hunter soll dem Scotland Yard übergeben werden. Hastig flüchtet Hunter. Doch an wen kann er sich noch wenden, wer wird ihm noch vertrauen?

 

"Leck' mich, du Tier!" - *schlapp, schlapp, schlapp.* Nach der Blutverlobung gibt es Sex. Bei der Darstellung fragt mach sich, ob das nun Porno oder doch eher Parodie sei.

Wolfshochzeit ist vom Plot her ein klassischer Thriller: Die Dödel von der Polizei können die Indizien nicht richtig deuten und verfolgen fälschlicherweise den Streiter für das Gute. Dieser muss nun das Heft in die eigene Hand nehmen und herausfinden, was eigentlich gespielt wird – nur so kann er sich von den Verdachtsmomenten reinwaschen. Es gilt also, sich der Polizei zu entziehen, währenddessen gegen die währen Täter zu ermitteln und sich später deren Attacken zu erwehren. Da alle Parteien nicht zimperlich sind, gibt es mehr Action als Rätsel. Der Plotfluss ist hoch, aber nicht rasant, sodass Wolfshochzeit in dieser Hinsicht im Großen und Ganzen ein ordentliches Skript hat, wenngleich es m. E. zu viele dumme Figuren gibt – Hunter lässt sich völlig problemlos übertölpeln und kann die Polizei selbst auch ohne Plan jedes Mal übertölpeln; letztlich stellt Eklund sich die Frage, ob er nicht doch besser Hunter einfach getötet hätte – wie sein Bruder de Buer ihm riet. Ja, warum eigentlich nicht?

Kommen wir wieder auf das Lecken zurück. Wie die meisten Folgen von Dorian Hunter so ist auch diese mit einer kräftigen Prise Humor gewürzt. Dieser ist bisweilen reichlich zotig geraten, was beim Werwolf-Thema naheliegen mag. Dann gibt es aber auch großartige groteske Gespräche und Ereignisse um Martha Pickford, besonders in Kombination mit Hunter und Phillip Hayward: Als geklärt wird, was Mrs. Pickford alles Wichtiges in ihrer Handtasche hat – und was nicht – habe ich mich köstlich amüsiert (wenn auch weniger ob der Originalität dieser Frauen & Handtaschen-Variation, als vielmehr der Nonchalance, mit der die Szene gespielt wird). In Sachen Humor ist diese Folge sehr durchwachsen.

Die beiden Aspekte – Thriller-Plot & Humor – werden nun recht verschachtelt, mit einigen von verschiedenen Figuren erzählten Rückblenden verknüpft – schön ist eine Art Antithese am Ende: Via Rückblick ins 17. Jh. wird ein Ausblick auf die kommenden Folgen gewährt. Alles in allem dennoch ein eher mittelmäßiges Skript.

 

Die Sprecherriege ist wieder einmal relativ lang: Es werden neunundzwanzig Namen genannt, wobei zahlreiche Rollen nur sehr kurze Einsätze haben. Selbst die Mehrheit der relevanten Rollen hat nur wenig Sprechzeit – bei seiner Flucht wendet sich Dorian halt an einige alte Bekannte. Entsprechend hört man auch einige alte Bekannte: natürlich Thomas Schmuckert (Dorian Hunter), Frank Felicetti (Donald Chapman), Frank Gustavus (Marvin Cohen), Regina Lemnitz (Martha Pickford), Tim Kreuer (Phillip Hayward) und andere. An deren Performanz gibt es nichts auszusetzen, im Gegenteil, einige Dia- bzw. Trialoge zwischen Schmuckert, Kreuer und Lemnitz sind sehr schön geworden.

Auch Michael Prelle (Jörg Eklund) und Robert Kotulla (Frederic de Buer) sind wieder als Dorians Brüder dabei – vorher hatte man sie kurz in Im Labyrinth des Todes hören können. Beide sind in puncto Hörspiel keine Neulinge mehr, aber auch nicht sonderlich präsent: Prelle ist vor allem in Lausch-Produktionen wie Drizzt – Die Saga vom Dunkelelfen oder Hellboy zu hören, Kotulla hatte dagegen Auftritte in TKKG und the Satchmo Trilogy. Eklunds Braut Jennifer Jennings, eine harsche und streitbare Frau, ist mit Kerstin Draeger gut besetzt. Draeger hat im Medium Hörspiel nun wieder einige Präsenz: Piraten der Meere, Barbie, Die drei Fragezeichen-Freundin Lys oder auch Larry Brent und Macabros – man kann ihr überall begegnen. Oliver Kalkofe spricht den Freak Sheldon Young. Kalkofe ist wohl mehr als Satiriker bekannt und hat neben … und nebenbei Liebe nur an wenigen Hörspielen mitgewirkt – mit seinem zweiten Auftritt bei Dorian Hunter und kleinen Rollen in John Sinclair Classics und der Edition 2000 scheint er aber ein weiteres Wirkungsfeld erschließen zu wollen. Und noch eine kleine Nebenbemerkung: In einer Kleinstrolle – leicht zu überhören – ist Martin "Suko" May dabei; bahnt sich da etwas an?

Man kann festhalten, dass die Sprecherriege eine gute bis sehr gute Performanz bietet.

 

An der Inszenierung hat sich im Wesentlichen nichts geändert – warum auch? Sie ist recht modern, es gibt keinen Erzähler, auch wenn gelegentlich dessen Funktion von verschiedenen Figuren übernommen wird. Die Geräusche stehen für sich selbst, werden aber relativ zurückhaltend eingesetzt – andauernde Hintergrundgeräusche gibt es nur in wenigen Szenen. Die Musik ist schwer zu beschreiben. Insgesamt erinnert sie an gemäßigte Angelo Badalamenti-Stücke für David Lynch-Filme: Die ungewöhnlichen Klänge erzeugen eine mysteriöse, verstörende Atmosphäre. Dabei werden die Stücke sehr von verschiedenen Schlaginstrumenten dominiert, Streicher und E-Gitarre spielen auch hinein.

 

Fazit:

Der Werwolf Jörg Eklund nützt das gespannte Verhältnis zwischen Secret Service und Dorian Hunter, um dem Dämonenkiller eine Falle zu stellen – sollen sich die Feinde der schwarzen Familie gegenseitig bekriegen! Wolfshochzeit gehört nicht zu den Glanzstücken der Reihe; zwar sind Sprecherriege und Inszenierung auf gewohnt hohem Niveau, doch das Skript schwächelt – das mag an der Vorlage liegen, macht die Folge aber nicht besser.

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Hörspiel:

Wolfshochzeit

Reihe: Dorian Hunter 13

Produzent: Dennis Ehrhardt

Regie: Marco Göllner

Label: Folgenreich

Erschienen: Februar 2011

Umfang: 1 CDs, ca. 80 min

ASIN: B004IXJEOS

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher

Thomas Schmuckert

Michael Prelle

Frank Felicetti

Frank Gustavus

Regina Lemnitz

Tim Kreuer

 

 

Weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 15.03.2011, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03