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Kane

Reihe: Dorian Hunter 18

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Asmodi, das Oberhaupt der Schwarzen Familie, ist tot – doch was hat es genutzt? Es scheint, als seien der Schlange zahllose neue Häupter gewachsen. Jedenfalls sind die Secret-Service-Agenten der Abteilung von Trevor Sullivan alle mit Aufgaben betraut: Coco Zamis wohnt einem Exorzismus bei, Donald Chapman ist mit einer Observierung befasst, Steve Powell geht einer potenziellen Geistererscheinung bei der alten Mrs. Kane nach (und da er gerade in der Nähe vom Hayward-Anwesen ist, soll er der guten Mrs. Pickford von Sullivan gleich einen Blumenstrauß vorbeibringen), Norman Winter geht einem potenziellen Werwolfvorfall nach – und Marvin Cohen erhält den Auftrag, für den Schutz von Dorian Hunters geistesgestörter Frau Lillian während ihres Urlaubs zu sorgen. Einzig Hunter hockt im Hayward-Anwesen und ergeht sich in Selbstmitleid. Als Phillip jedoch mit Jimmy Kane, einen Jungen aus der Nachbarschaft, verschwindet, drängt Martha Pickford ihn zum Handeln – wo ist der Junge? Warum benutzt er in letzter Zeit so seltsame --- Ausdrücke? Hunter wiegelt zwar ab – so ist das eben, wenn die Kinder flügge werden – macht sich aber trotzdem auf die Suche. Unterdessen hat Olivaro einiges zu erledigen – immerhin geht es darum, ein neues Oberhaupt für die Schwarze Familie zu wählen. Als erstes ruft er Coco Zamis an, die sich allerdings ob der damaligen Entführung kategorisch weigert, mit ihm zu sprechen oder sich gar mit ihm zu treffen. Da gilt es also, etwas zu unternehmen.

 

Mit Kane beginnt in der Dorian Hunter-Reihe ein neuer Zyklus: Asmodi ist tot, die Seiten müssen sich neu formieren. Gibt es vielleicht wieder Platz bei den Anderen? Kann man vielleicht für sich einen besseren Platz auf der eigenen Seite einnehmen? Kann man in dem Chaos vielleicht die Deckung des Gegners schnell durchdringen? In dieser Hinsicht übernimmt Kane die Funktion der Einleitung: Hier wird das Einstiegsgebot gemacht – und dem Hörer sei gesagt, der Einsatz ist schon zu Beginn sehr hoch. Man darf gespannt sein, wie dieses regelmäßig gesteigert werden soll.

Die Folge selbst ist vom Plot her wohl am besten als Mystery-Thriller zu bezeichnen: Es werden eine ganze Reihe von Rätseln angerissen – Was will Olivaro? Was ist mit den Werwölfen? Was ist mit dem Kane-Geist? Was stimmt mit Phillip bzw. seinem Freund Jimmy nicht? Langsam wird das Geschehen immer bedrohlicher, bis es am Ende kurz vor einem Ausbruch explosiver Gewalt steht. Dennoch liegt der Fokus vielmehr auf dem aus kleinen Unstimmigkeiten entstehenden Gefühl der Rätselhaftigkeit als auf Action oder direkter Bedrohung.

Eine Tendenz will ich noch vermerkten: Die Reihe nimmt Züge der Soaphaftigkeit an – Sullivan lässt Pickford Blumen bringen und Dorian und Coco denken über ihre Beziehung nach (bzw. Dorian will mit Coco zusammen nicht darüber nachdenken, während Coco lieber alleine darüber nachdenken will). Besonders die Dreiecksbeziehung zwischen Dorian, Pickford und Phillip bekommt interessante Züge: Die Gespräche laufen wie in einer seltsamen Patchwork-Familie ab – Phillip bezeichnet die beiden als seine Zieheltern, Dorian und Pickford zanken wie ein Schwiegersohn und Schwiegermutter – oder wie ein altes Ehepaar. Diese Beziehungsgeschichten dienen allerdings (bisher) nie der Romantik, dafür zumeist der Komik (besonders die Geschichten um Pickford) und stets der Charakterisierung der Figuren.

Man kann Marco Göllner zum Script gratulieren: Es fließt angenehm spannend und komisch dahin, der Einstieg ist hoch, doch durchaus noch zu steigern – was gut ist, denn sonst müsste der Spannungsbogen entweder flach sein oder gar abfallen. Ein gutes, aber nicht herausragendes Script.

 

Das Booklet zählt neunzehn Sprechrollen auf – für eine Hörspieldauer von gut einer Stunde relativ viel, für die Hunter-Reihe eher durchschnittlich. Bei so vielen Rollen und so wenig Zeit müssen viele Rollen natürlich sehr klein bleiben; selbst die wichtigeren Rollen haben relativ wenig Text.

Wenig überraschend, dass auch dieses Mal Dorian Hunter (Thomas Schmuckert) eine zentrale Rolle spielt. Martha Pickford (Regina Lemnitz) und Phillip Hayward (Tim Kreuer) rücken ebenfalls mal wieder etwas mehr ins Zentrum – sie sind in dieser Folge vielleicht sogar etwas präsenter als Coco Zamis (Claudia Urbschat-Mingues). Trevor Sullivan (Konrad Halver), Donald Chapman (Frank Felicetti) und besonders Marvin Cohen (Frank Gustavus) stehen dagegen eher am Rande. Etwas mehr Sprechzeit bekommt der zurückhaltende junge Agent Steve Powell; er war schon zweimal dabei (Jagd nach Paris und Die Teufelsinsel) und scheint eine bleibende Figur zu werden. Gesprochen wird er von Marco Sand, den man schon in vielerlei Rollen gehört haben kann: In Kino & Co in Kampf der Titanen, The Firm oder Fringe –Grenzfälle des FBI, im Hörspiel besonders in PSI-Akten oder Sieben Sigel. Aber er macht auch zahlreiche Ausflüge: Die drei ??? und Faith van Helsing gehören dazu. Die Performanz ist recht unauffällig angelegt, was aber gut zur Figur passt – gerade wenn sie mehr Raum erhält, den sie nicht ausfüllt, trägt es klar zur Charakterisierung der Situation bei. Gänzlich neu sind natürlich die Figuren der Kanes: Jimmy, Liza und Opa. Jimmy wird von Michael Wiesner gesprochen, den man aus dem Fernsehen – etwa der Serie The Wire – oder aus anderen Hörspielen, wie Fünf Freunde für alle Fälle oder John Sinclair Classics kennen kann. Liza wird von Maresi Bischoff-Hanft gesprochen, die wiederum in zahllosen Serien (Star Trek, Scrubs, Desperate Housewifes) zu hören war, aber auch an einigen Hörspielen mitgewirkt hat: Point Whitmark, Gabriel Burns und John Sinclair gehören dazu. Der dritte im Bunde ist Claus-Dieter Clausnitzer, der gut aus dem Tatort oder Loriot-Sketchen bekannt sein kann, aber auch ein paar Hörspiele eingesprochen hat – am Bekanntesten dürften seine Auftritte in Point Whitmark sein, aber auch in John Sinclair oder Fred Vargas’ Der verbotene Ort ist er zu hören.

Die Performanz ist im Großen und Ganzen auf gewohnt hohem Niveau, allein zwei Ausnahmen will ich machen. Bei beiden bin ich mir nicht sicher, ob es Fehler oder verdeckte Hinweise sind: Bischoff-Hanft hat ein oder zwei Momente, in denen sie zu gekünstelt klingt, Wiesner klingt eigentlich beständig unnatürlich. Das mögen zwar Hinweise darauf sein, dass die Figuren nicht das sind, was sie zu sein scheinen, irritiert hat es mich dennoch. Das soll aber nicht mehr als eine Randnotiz sein.

 

Die Inszenierung ist gewohnt modern: Es gibt keinen Erzähler, die dichte Geräuschkulisse wird nie kommentiert und sie ist zwar meistens szenisch, punktuell aber dramatisch. Die Musik wird meistens zur Überleitung zwischen den Szenen genutzt; hierbei handelt es sich um die bekannten Industrial-Klänge. Zu dramaturgischen Höhepunkten wird zudem noch sehr schlichte Musik zur Akzentuierung verwendet – etwa ein lange gehaltener, heller Ton, der sehr langsam anschwillt. Hinsichtlich der Tonschichten hat sich ebenfalls nichts geändert: Es gibt mit Sprechertext und Geräuschkulisse zumeist zwei Tonschichten, gelegentlich kommt mit der szenischen Musik noch eine dritte Schicht hinzu. Den diesbezüglichen Höhepunkt bildet der Exorzismus, dem Coco Zamis beiwohnt: Während der Exorzist das Ritual vorbereitet, erhält sie einen Anruf von Olivaro. Zamis verlässt den Raum und telefoniert, gleichzeitig wird der Exorzismus ausgeführt. Dabei hört man auf den linken Lautsprecher den Exorzisten und den Besessenen (Sprecherdialog) und gelegentliche Geräusche und auf den rechten Lautsprecher Zamis und Olivaro (Sprecherdialog), untermalende Musik oder Geräusche – es sind also insgesamt vier Tonschichten, wobei jeweils zwei parallel verlaufen. Diese Szene erinnert natürlich sehr an die komplexe Szene aus Jagd nach Paris mit Hunter im Zug und Sullivan im Hubschrauber – dort waren es insgesamt fünf Schichten. Während aktuelle Szene formal etwas weniger anspruchsvoll ist, liegt die größere Herausforderung im inhaltlichen Bereich – bei der Jagd hingen die beiden Szenen inhaltlich eng zusammen, hier finden die beiden Szenen eigentlich nur am selben Ort statt.

Die Inszenierung ist nicht nur gewohnt modern, sondern auch auf gewohnt hohem Niveau.

 

Fazit:

Auch nach dem Tod von Asmodi ist Dorian Hunters Team vollauf beschäftigt, dann verschwindet auch noch Phillip und Olivaro hat etwas mit Coco Zamis zu klären – alles ist im Fluss und könnte sich leicht zum Nachteil für die Dämonenjäger entwickeln. Mit Kane beginnt in der Reihe Dorian Hunter ein neuer Zyklus – doch dabei bleibt einiges beim Alten: Das Script ist gut, die Performanz der Sprecherriege im Wesentlichen ebenfalls und die Inszenierung gehört – wie beinahe immer in der Reihe – zum Besten, was das kommerzielle Hörspiel zu bieten hat. Formal muss man also keinerlei Einbußen befürchten und inhaltlich darf man gespannt sein, wie es weitergeht.

 

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Eure Meinung:

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Hörspiel:

Kane

Reihe: Dorian Hunter 18

Produzent: Dennis Ehrhardt

Regie: Marco Göllner

Folgenreich, Mai 2012

Umfang: 1 CD

Laufzeit: ca. 66 Minuten

 

ASIN: B007J26IBM

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher

Thomas Schmuckert

Regina Lemnitz

Tim Kreuer

Marco Sand

Michael Wiesner

Claudia Urbschat-Mingues

Weitere Infos:

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Erstellt: 03.07.2012, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03