Die kleine Hand (Autorin: Susan Hill)
 
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Die kleine Hand von Susan Hill

Eine Gespenstergeschichte

 

Rezension von Matthias Hofmann

 

Die kleine Hand von Susan Hill ist einer der Titel, die als erste in der feinen Reihe GATSBY Geisterhand des schweizerischen Kampa Verlags erschienen sind. Der Zürcher Kleinverlag ist noch jung. Er wurde erst 2018 gegründet, hat aber seitdem bereits ein illustres Programm vorgelegt. Unter dem Geisterhand-Label publiziert man allesamt betörend schön gestaltete kleinformatige Hardcover-Büchlein mit Prägung, die vom Umfang eher schmal sind.

 

Susan Hills »Die kleine Hand« trägt den Untertitel »Eine Gespenstergeschichte« und passt sehr gut in diese Reihe, die, neben einem absoluten Klassiker wie Oscar Wildes Das Gespenst von Canterville, auch Werke von Paul Theroux (Es muss ein Zauber sein) oder Henry James (Die Drehung der Schraube), aber auch Neues, wie Die alte Wassermühle von Diana Menschig, präsentiert.

 

»Die kleine Hand« ist nicht der erste Ausflug der Britin Susan Hill ins Genre der Schauergeschichte. Bereits in den 1980er-Jahren schrieb sie Die Frau in Schwarz, ein Roman, der 2012 mit Daniel Radcliffe in der Hauptrolle verfilmt wurde.

 

Der Geschichte handelt von Adam Snow, einem Buchhändler, der sich auf Aufträge für reiche bis ultrareiche bibliophile Klienten spezialisiert hat. Um ein bestimmtes Buch für einen Kunden zu ergattern, jettet er auch schon mal um die Welt. Nichts scheint unmöglich, nicht einmal, als es um eine sogenannte »First-Folio«-Ausgabe, ein Exemplar der ersten Sammlung mit Dramen von William Shakespeare aus dem Jahr 1623, geht. (Eine schnelle Recherche ergab, dass just im Oktober 2020 ein Exemplar dieser seltenen Edition im Auktionshaus Christie’s in New York für sagenhafte 10 Millionen US-Dollar versteigert wurde.)

 

Das Buch beginnt, als sich Snow in einer schlecht ausgeschilderten Gegend im ländlichen England mit dem Auto verfährt und bei einem völlig verwilderten Garten und einem verlassenen, verwahrlosten und maroden Haus landet. Der Tag neigt sich dem Ende, aber er verspürt eine nahezu magische Anziehungskraft, sich das mysteriöse Gelände näher anzuschauen und schließlich fühlt er, wie eine unsichtbare kleine Hand ihn berührt und weiter hineinziehen will. Da dies nur für einen kurzen Moment passiert, kann er sich von der Szenerie lösen, aber die Gedanken daran lassen ihn nicht mehr los. Er beginnt, eigene Recherchen über das geheimnisvolle Anwesen anzustellen. Was war das für ein Garten? Wer war seine Bewohnerin? Was hat es mit der kleinen Hand auf sich?

 

»Die kleine Hand« hat alle Zutaten einer traditionellen Schauer- und Gespenstergeschichte. Wirklich »gothic« im klassischen Sinne ist sie nicht, da sie in unserer heutigen Zeit spielt, aber wichtige Elemente sind da: eine Art verwunschene Parkanlage mit verlassener, baufälliger Immobilie irgendwo im nirgendwo; geheimnisvolle Erzählungen über die alte Besitzerin; und natürlich eine geisterhafte Erscheinung, die den Protagonisten ins Verderben locken will. Das ist alles gekonnt inszeniert, zwischendurch angereichert mit einer Reise zu einem entlegenen Mönchsorden im hintersten Frankreich.

 

Der Gänsehautfaktor dürfte sich während der Lektüre bei den meisten Leserinnen und Lesern im unteren Bereich befinden. Wirklich gruselig ist der Roman nicht. Vielleicht mild-schaurig. Und auch nur für die, die wirklich sehr sensibel sind.

 

Anders als viele Geistergeschichten, die am Ende vieles offen oder zweideutig und der Interpretation der Leser überlassen, geht hier Susan Hill einen anderen Weg. Am Schluss werden das Rätsel gelöst und die Ereignisse erklärt. Damit endet das Buch irgendwie doch überraschend und anders als gedacht.

 

Ich möchte »Die kleine Hand« all denen Bücherwürmern empfehlen, die zwischen dicken Wälzern gerne einen Snack verputzen, der in ein, zwei Tagen gelesen ist. All denen, die klassische Gespenstererzählungen lieben, sowie Storys mögen, die sich traditionell entfalten, aber nicht gewollt auf altmodisch machen. Vor allem aber bringt es Spaß, diese wundervoll gestaltete Reihe »GATSBY Geisterhand« zu entdecken. Sieht man so ein Exemplar in der Buchhandlung, wird man quasi von Geisterhand verleitet, es in die Finger zu nehmen.

 

Und wer bei Susan Hill auf den Geschmack gekommen ist: Just am 20.11.2020 ist noch ein weiteres Werk von der Autorin in dieser schmucken Reihe erschienen: Das Gemälde. Ein Werk, über das Jeanette Winterson (Frankissstein) in alter Stephen-King-Manier gesagt haben soll: »Ich habe den Roman in einem Rutsch durchgelesen und beim Zu-Bett-Gehen das Licht angelassen.«

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Buch:

Die kleine Hand

Eine Gespenstergeschichte

Original: The Small Hand, 2010

Autorin: Susan Hill

Kampa Verlag (Gatsby Geisterhand), 1. Oktober 2019

gebundene Ausgabe, 176 Seiten

Übersetzung: Susanne Aeckerle

Titelillustration: Peter Dyer

 

ISBN-10: 3311270010

ISBN-13: 978-3311270010

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07VD79QPR

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition


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Erstellt: 28.11.2020, zuletzt aktualisiert: 17.04.2023 20:56