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Gargoyle von Susanne Wilhelm

Reihe: Larry Brent – Neue Fälle Band 4

 

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Gargoyles. Wasserspeier. Trotz der zweifellos vorhandenen Faszination für jene, zumeist steinerne Kreaturen – der richtige Durchbruch wollte der häufig geflügelten und größtenteils mit diabolischen Fratzen versehenen Subspezies innerhalb des unheimlichen Kosmos bislang einfach nicht gelingen; zu groß und übermächtig waren die Konkurrenten vom Schlage Werwolf, Vampire, Zombies und Konsorten. Dass hinter den Gargoyles durchaus verwertbares Potenzial schlummert, sollte jedoch keinesfalls angezweifelt werden. Als Musterbeispiele seien hier nur die exzellente Folge Teacher’s Aide aus The New Twilight Zone (1985) erwähnt, in der Adrianne Barbeaus Alter Ego von einer unheimlichen Groteske in Beschlag genommen wird oder die exzellente Anthologie Geisterhafte Grotesken, die 2010 im ambitionierten Kleinverlag Torsten Low publiziert wurde.

Das besagte Grotesken nun also auch zu den Opponenten des vierten, neuen Larry Brent-Abenteuers erkoren wurden, kann wohl durchaus als Glücksfall bezeichnet werden; als erfrischende Alternative nach den Legionen haariger, blutdurstiger und untoter Gesellen, die man anderswo zuhauf antrifft.

Dabei begeht die Brent-Debütantin Susanne Wilhelm (ein Pseudonym für die 1985 in Karlsruhe geborene Andrea Bottlinger) keinesfalls den Kardinalsfehler, sich auf eine schleppende Einführung einzulassen. Ganz im Stile der besten Dan Shocker-Originale, eröffnet sie ihren Roman mit einem kolossalen Knall, der den Leser augenblicklich am Kragen packt und durchrüttelt.

Unheimliche Geräusche aus dem Kinderzimmer beenden jäh den entspannten Abend der allein erziehenden Mutter Louise Beaumont. Ein Einbrecher? Ein Unfall? Nichts davon erwartet die Nachtclubtänzerin, als die Tür aufreißt, die ins Zimmer ihres kleinen Sohnes führt. Stattdessen: ein Ding. Ein … Monster. Krallenbewehrt und begierig auf ihr neuestes Opfer.

 

Der bizarr-unheimliche Vorfall ruft schließlich auch die Psychoanalytische Spezial-Abteilung (PSA) auf den Plan. Unverzüglich sendet der Leiter der geheimen Organisation, David Gallun, zwei seiner besten Leute aus, um der Sache auf den Grund zu gehen: den Russen Iwan Kunaritschew sowie Galluns Landsmann Larry Brent, dem die neue Mission ausgerechnet bei einem amourösen Abenteuer in die Quere kommt. Gemeinsam startet das Duo gen Frankreich, genauer gesagt zur Hafenstadt Rouen. Ebendort sollen die geflügelten Ungetüme die Nächte unsicher machen. Davon ist ihr nüchtern-rationaler Kontaktmann, Commissaire Gaspard, alles andere als überzeugt. In seinen Augen kann es für die unerklärlichen Ereignisse nur eine logische Antwort geben. Viel Hilfe werden die beiden PSA-Agenten also von seiner Seite nicht erwarten dürfen, doch ist dies auch weniger vonnöten –Gevatter Zufall sei Dank. Zur richtigen Zeit am richtigen Moment werden Larry und Iwan Zeuge, wie sich eines der geflügelten Geschöpfe in die Lüfte schwingt. Unverzüglich nehmen die beiden PSA-Agenten die Verfolgung auf und staunen nicht schlecht, als sie feststellen müssen, dass bereits eine zweite Fraktion die Gargoyles-Jagd eröffnet hat. Doch geht es der federführenden Jägerin, der jungen Französin Claire Romain nur vordergründig darum, den unheimlichen Kreaturen ein für allemal den Garaus zu machen. Vielmehr stellen die geflügelten Ungetüme die Spitze einer sehr alten Familienschande dar, die es nun endgültig aus der Welt zu schaffen gilt – mit oder ohne fremde Hilfe …

 

Respekt! Besser hätte Susanne Wilhelms Einstand in den Brent’schen Serienkosmos kaum ausfallen können. Gargoyle ist flott geschrieben, wunderbar kurzweilig und schafft es erfolgreich, das eine oder andere Klischee erfolgreich zu umschiffen. Auch wenn dem Werk ein wenig mehr Garstigkeit nicht geschadet hätte und eine weitere, übernatürliche Ingredienz gegen Ende des Romans eindeutig zu viel des Guten ist, beziehungsweise nur haarscharf an der Lächerlichkeit vorbeischrammt, so stellen besagte Makel nur kleinere Makulaturen dar, welche das ansonsten sehr positive Gesamtbild nicht trüben können.

 

Sicher, so mancher mag eine gewisse Eindimensionalität innerhalb der dargestellten Dramatis personae bemängeln, doch sollte man keinesfalls außer Acht lassen, dass »Gargoyle« einerseits den Hauch der (besten) Heftromane einatmet und andererseits eben auch deren komprimierte Länge; ein Kritikpunkt, der in den beiden, mehr als doppelt so langen Vorgängerromanen, Das Kennedy-Rätsel (Band 1 der neuen Abenteuer) und Die Davinci-Loge (Band 2) immer wieder mal den eigentlich sehr flüssigen Verlauf hier und da etwas ins Stocken gebracht hat. Insofern geht Susanne Wilhelm daher auch etwas geschickter vor und streut innerhalb ihrer rasanten Hetzjagd zwar genügend Hinweise auf den Hintergrund der einzelnen Personen aus aber sorgt gleichermaßen dafür, dass der Motor der Monsterjagd stets am Brummen bleibt – fehlenden Info-Overkills sei Dank. Sehr erfreulich ist auch ihr bemerkenswertes Gespür für kleine humoristische Einlagen, welche den Roman ein wenig auflockern. Besonders der ständige Unmut seitens Larry Brent zusammen mit dem Rest der Bevölkerung gegen Iwan Kunaritschews berühmt-berüchtigte »Selbstgedrehte« (die nicht zu unrecht den Titel »Vampirkiller« tragen) sorgen für angenehmes Schmunzeln und lassen den Leser kurzzeitig etwas aufatmen, bevor es danach wieder zurück in die Schlacht geht. Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich auch diesmal das prächtige Titelbild von <en>Rudolf Sieber-Lonati, welches erwartungsgemäß die Atmosphäre von »Gargoyle« sehr stimmig einfängt sowie die bemerkenswerte Innenillustration von Mark Freyer, die eins der titelgebenden Ungetüme in angriffbereiter Pose präsentiert.

 

Fazit:

Mit »Gargoyle« hat Susanne Wilhelm einen Einstand nach Maß vorgelegt, der sich mühelos mit den Klassikern aus Dan Shockers Feder messen kann. Temporeich, originell und kurzweilig ist ihr ein knackiges Abenteuer gelungen, das alle Fans begeistern sollte. Bitte mehr davon!

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Eure Meinung:

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Buch:

Gargoyle

Reihe: Larry Brent – Neue Fälle Band 4

Autorin: Susanne Wilhelm

Gebunden, 160 Seiten

Blitz-Verlag, März 2011

 

ISBN-10: 3898403173

ISBN-13: 978-3898403177

 

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:

Die Serie:

Serienguide zu Larry Brent

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Erstellt: 30.06.2011, zuletzt aktualisiert: 03.04.2021 13:26