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J. G. Ballard – Science Fiction als Paradoxon von Hans Frey

Reihe: SF Personality 25

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

 

Verlagsinfo:

J. G. Ballard gilt als Erfinder der New Wave, mit der er in den 1960er Jahren neue Ausdrucksformen in die Science Fiction einbrachte. An seiner stilistischen Brillanz besteht kein Zweifel, doch an seinen Inhalten scheiden sich die Geister. Ballard schreibt »Anti-SF«, die die Genreprämissen auf den Kopf stellt, sich aber dennoch als SF versteht. So wird der Brite zu einem literarischen Grenzgänger. Seine Negation der SF bereichert diese in wunderbar-paradoxer Weise.

 

Rezension:

Der erste Band der Reihe SF Personality, der im Golkonda-Imprint Memoranda von Hardy Kettlitz erscheint, trägt die Nummer 25 und ist einem Schwergewicht der Science Fiction gewidmet: J. G. Ballard.

 

Das Buch ist in zwei große Teile getrennt. Zunächst stellt Hans Frey Autor und Werk vor. Gemäß des Titels, J. G. Ballard – Science Fiction als Paradoxon, legt Frey großen Wert darauf, das Paradoxe sowohl in Ballards Biographie und seiner Persönlichkeit aufzudecken, als auch in seinem Schaffen.

Er untersucht intensiv die Art des Schreibens, die Einordnung in die vor allem britische SF und geht der Frage nach, welche Bedeutung Ballard für die SF und für die New Wave im Besonderen hatte und hat.

 

Das Thema »New Wave« selbst wird nur angerissen, wie in vielen anderen Aspekten der sehr wissenschaftlich geschriebenen Sachkapitel, wird ein gewisses Grundwissen vorausgesetzt. Stilistische Beispiele gibt es ganz wenige, vielmehr wird hier auf die ausführlichen Texte im zweiten Teil des Bandes verwiesen, der sich mit den Geschichten und Romanen befasst.

 

Frey verarbeitete eine ganze Reihe Quellen, vor allem das im Anhang zu findende Interview mit Ballard von Werner Fuchs und Joachim Körber aus dem Jahr 1982 floß stark in den Text ein. Das sehr ausführliche Interview enthält auch Fotos, darunter ein sehr amüsantes vom jungen Werner Fuchs.

 

Man muss Frey in der Einschätzung nicht unbedingt folgen, dass Ballard vergessen sei, er stellt auf jeden Fall sehr deutlich heraus, welche Gründe er dafür vermutet. Die Widersprüche und das bereits erwähnte Paradoxe in Ballards Werk kann man nach der Lektüre durchaus nachvollziehen.

 

Man sollte aber bedenken, dass die Analysen Freys nicht unbedingt darauf abzielen, einen ersten Kontakt mit Ballard herzustellen. Gerade weil das Problematische recht objektiv beleuchtet wird, sollte man vorab ein paar Werke Ballards kennen, um mit eigener Meinung und Wertschätzung an eine Untersuchung von Werk und Schöpfer zu gehen.

Dass Ballard unbedingt lesenswert ist, daran lässt Frey jedoch keine Zweifel.

 

Mit unglaublichem Fleiß bündelt die zweite Hälfte des Bandes, unterteilt in Storys und Romane, Einzelbetrachtungen zu allen Werken Ballards. Je nach Bedeutung mit unterschiedlichem Umfang, aber von lexikalischer Qualität. Hier liegt ein fast abschließend zu nennender Fundus an Kurz-Essays zu Ballards Schaffen vor, geeignet, vor oder nach einer eigenen Lektüre zur Rate gezogen zu werden, da Ballard durchaus Rätsel aufzugeben liebte.

 

Neben dem oben genannten Interview glänzt der Anhang durch eine ausführliche Bibliographie von Joachim Körber und einem Namensregister, während das Quellenverzeichnis bereits Eingang in das Vorwort fand, um mit sinnvollen Abkürzungen die Lesbarkeit der Sachkapitel zu erhöhen.

 

Auch optisch ist die Nummer 25 der »SF Personality« ein Genuss. Die grafische Klasse von s.BENeš veredelt mit minimalistischer Eleganz dieses wahrhaft umfassende Buch.

 

Fazit:

»J. G. Ballard – Science Fiction als Paradoxon« von Hans Frey ist fast schon eine eigene Enzyklopädie zum Thema Ballard und weist neben einer ausführlichen Betrachtung der literarischen Leistungen Ballards, eine umfassende Auseinandersetzung mit all seinen Werken auf. Ein atemberaubender Neustart der »SF Personality« bei Memoranda und ein kanonenschlaglauter Tribut an einen Großmeister der SF.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

J. G. Ballard – Science Fiction als Paradoxon

Reihe: SF Personality 25

Autor: Hans Frey

Taschenbuch, 417 Seiten

Memoranda (Golkonda Verlag), 15. Oktober 2016

Ballard-Interview: Werner Fuchs und Joachim Körber

Ballard-Bibliographie: Joachim Körber

Cover: s.BENeš

 

ISBN-10: 3944720792

ISBN-13: 978-3944720791

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B01M8MNSOW

 

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Erstellt: 03.11.2016, zuletzt aktualisiert: 31.05.2017 20:09