Tief begraben (Autor: Brian Keene)
 
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Tief begraben von Brian Keene

Rezension von Torsten Scheib

 

»You keep reading them, I keep writing them.«

Brian Keene

 

Rezension:

Nett gesagt, aber irgendwie … Hach, ich weiß nicht so recht. Wie oft gab's in Brian Keenes Romanen schon Zombies? Wie oft schrieb er Fortsetzungen dazu? Und wie viele Kurzgeschichten, Erzählungen und sogar Anthologien gibt’s mittlerweile zu besagten Fleischfressern?

Nicht falsch verstehen: Ich freue mich stets aufs Neue, wenn einer der besten neuzeitlichen Horror-Schriftsteller mit Nachschub daherkommt, bezeichne mich durchaus als Fan. ABER: Aus irgendeinem Grund haben diese »bewährten« Settings, die zumeist in den fiktiven Mikrokosmen seiner beiden großen Zombiemachwerke – Totes Meer und Auferstehung – spielen, mitunter auch ein kleines »Gschmäckle« für mich. Vielleicht, weil ihnen stets der Makel einer beiläufigen Fingerübung innewohnt; einer eventuell zu schnell runter geratterten Methode, mit der man die getreue Lesegemeinde um den einen oder anderen Dollar/Euro erleichtern kann. Quantität statt Qualität. Oder …?

Sowohl im Originaltitel (Entombed) wie auch in der Übersetzung (Tief begraben) deutet zunächst maximal wenig drauf hin, dass Keene erneut die Untoten aus ihren Gräbern steigen lässt. Vielmehr wirkt der Titel geradezu klassisch angehaucht. Hat sich der Mann eventuell von Edgar Allan Poe …?

 

Hat er nicht. Diesmal zumindest. Drei Storys beinhaltet Tief begraben, zwei mit Zombies. Und die Titelgeschichte spielt in der gleichen »Realität« wie sein Roman »Totes Meer«. Sieh mal einer an.

 

Und genau mit dieser Titelgeschichte fangen wir an – und geraten gleich ins Staunen. Denn die ist eigentlich nur an sich ein typischer Zombiekracher. Stattdessen bilden die Wandelnden Toten allenfalls eine Art Rahmengerüst, welches sich für die Ausgangslage der Pro- und Antagonisten verantwortlich zeichnet. Und bei denen beweist Keene wieder mal sein exzellentes Gespür für lebensnahe, echte Charaktere; für Menschen wie du und ich. Wobei weder du noch ich hoffentlich jemals in jene Umstände geraten werden, mit denen er in »Tief Begraben« aufwartet. Manch einer erinnert sich womöglich daran, an »Hamelns Rache«, jener Mega-Seuche, welche in »Totes Meer« nicht nur die Mitbürger, sondern schlussendlich auch jedes verfügbare Tier in kannibalisch veranlage Zombies hat werden lassen.

Die Titelstory spielt zur gleichen Zeit wie der Roman, demzufolge haben sich Keenes Helden und der Rest mit den gleichen Nöten rumzuschlagen. Das heißt, fast. Wie schon erwähnt, sind die Zombies lediglich der Antrieb, der dafür sorgt, dass sich Erzähler Pete gemeinsam mit 25 weiteren Überlebenden gerade so in einem ehemaligen Atombunker aus der Ära des Kalten Kriegs verschanzen kann, der bis vor Kurzem als Touristenattraktion gedient hat. Und dann? Aussitzen, die Chose? Wäre schön, ist aber nich'. Denn nach quälend langen Wochen und Monaten mag es zwar noch Wasservorräte geben, bloß mit der Nahrung sieht's kritisch aus. Und mit der mentalen Konstitution diverser Überlebender. Und da schlussendlich Punkt 2 mit Punkt 3 zusammentrifft, wird eines Tages auch nicht davor zurückgeschreckt, einen Mitstreiter aus den eigenen Reihen zu verspeisen – alles zum Wohle des Ganzen, natürlich. Verständlich, dass Pete – nachdem die Wahl auf seine Wenigkeit gefallen ist – nicht gerade damit einverstanden ist und sich mit Leibeskräften dagegen zur Wehr setzt, auf dem Silbertablett zu landen …

 

Was sich nach Fingerübung anhört entpuppt sich schnell als Horror-/Action-Kracher vor dem Herrn – und darüber hinaus. Denn Keene gibt seinen Darstellern ausreichend Freiraum, um sie mit Tiefe (innerhalb der Vorgaben) und Glaubwürdigkeit auszustatten, besonders was jene Hetzjagd durch den Bunker betrifft. Ebendort wird Keenes wahre Intention deutlich, und die hat bestenfalls peripher was mit strunzdummen Zombies zu tun. Vielmehr gräbt Keene tief und kompromisslos im Dreck der menschlichen Natur und offenbart Dinge, die noch verstörender sind als untote Hirnfresser. Letztlich mögen die wahren, die »authentischen« Monster draußen vor der Bunkertür lauern – doch genügt schon ein kleiner Funke, eine richtige Kombination, um aus vermeintlich zivilisierten Menschen Bestien zu machen, die jenen auf der anderen Seite in nichts nachstehen oder mitunter sogar noch schlimmer sind. Wer lange genug in den Abgrund blickt … Ganz genau. Mit dieser Novelle unterstreicht Brian Keene, was ihn zur Marke hat werden lassen; warum er zu den Besten seiner Art und Generation gehört. Höllisch rasant, ungefiltert, mit erstaunlichem Tiefgang und hinterfotzigem Humor ist »Tief Begraben« nämlich eine Achterbahnfahrt, die es in sich hat!

Tja, und nun? Theoretisch bräuchte man nach so einem Trip eine Verschnaufpause, was allerdings möglicherweise auch einen rapiden Qualitätsverlust zur Folge hätte. Also, nochmal Zombies?

 

Jein. Zuallererst zeigt Keene mit seiner ersten Weird Western-Geschichte, Im verrückten Tal der Bären, dass man nicht zwangsläufig Joe R. Lansdale heißen muss, um völlig ausgetickten Western-Irrsinn schreiben zu können. Brian Keene kann das nämlich auch. Hier gibt es per sé auch keinen »klassischen« Helden. Lediglich eine Handvoll harte, bisweilen ziemlich rabiat agierende Outlaws, die auf ihrer Flucht vor dem Gesetz mit ein paar Holzfällern aneinander geraten – und später mit riesigen, behaarten Kreaturen, auch »Bigfoots« genannt …

Auch diese Geschichte weiß zu gefallen, auf ihre ganz persönliche, wilde Art und Weise. Das Western-Setting mitsamt den diversen Wendungen und Vorstellungen (Stichwort: Belagerung!) ist erfrischend, da völlig anders, ohne aber gemächlich oder monoton zu wirken. Weit gefehlt. Darüber hinaus verpasst Keene auch den herzlosesten Mistkerlen zumindest ein paar Grautöne, lässt sie nicht zum Klischee und etwaigen Kanonenfutter verkommen. Auch dies hebt ihn klar ab von den zahllosen Imitationen und selbsternannten Horror-Aposteln.

 

Er kann es aber noch haarsträubender, wie die letzte Story, Die vergessene Schlucht der Verdammten sehr gekonnt beweist. Ja, auch hier gibt es wieder reichlich Zombies, zwar keine Gesetzlosen, dafür aber eine toughe Gruppe (noch) unbescholtener Bürger – und als Kirsche obendrauf: Dinosaurier. Jepp, richtig gelesen. Man stelle sich vor, der gute Arthur Conan Doyle hätte zu seiner Zeit schon mit dem Begriff »Splatter« etwas anzufangen gewusst und seine Verlorene Welt mit reichlich Blut, Legionen von Zombies und abgetrennten Gliedmaßen aufgebrezelt – und schon hat man eine ungefähre Vorstellung von dem Feuerwerk, welches Keene hier mit sichtlicher Freude und Fabulierkunst abgebrannt hat. Wobei: auch nicht ohne Hintergedanken, wenngleich man besagte und auch die übrigen beiden Erzählungen selbstredend auch ohne entsprechende Vorkenntnisse lesen und (hoffentlich) genießen kann. Alle anderen dürften ahnen, worauf besagte »Hintergedanken« hinauslaufen. »Die Schlucht der Verdammten« ist nämlich nicht irgendeine Schlucht mitsamt irgendeinem Zeit-/Dimensionsriss. Sie gehört zu Keenes beständig wachsendem Metaversum, welches »Auferstehung« mit Ghoul mit »Totes Meer« mit Versammlung von Krähen usw. verbindet und eines schönen Tages in der Labyrinth-Saga eine vorläufige Auflösung erhalten wird. Wer also die Referenzen (er-)kennt, dem dürfte diese Schlucht gleich doppelt so viel Spaß machen.

 

Fazit:

Wer denkt, dass Brian Keene mit »Tief Begraben« eine herzlose Cash-in-Nummer abgeliefert hat, um damit seine bekanntesten Franchises platt zu walzen, der irrt gewaltig. Diese drei Storys unterstreichen – nicht zum ersten Mal – warum der Mann so gut und erfolgreich ist. Darüber hinaus überrascht er mit zwei Weird Western, die es gehörig in sich haben. Natürlich ausnahmslos mit mörderischer Tempo und zahllosen Garstigkeiten, aber auch mit tiefschwarzem Humor, Sozialkritik und überraschender Tiefe. Eine ganz starke Sammlung. Oder anders formuliert: We'll keep reading them, please keep writing them.

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Buch:

Tief begraben

Original: Entombed, An Occurence in Crazy Bear Valley, 2012

Autor: Brian Keene

Übersetzer: Michael Krug

Titelbild: Clinton Lofthouse

Taschenbuch, 320 Seiten

Festa-Verlag, 29. September 2014

Inhalt:

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Tief begraben

Im verrückten Tal der Bären

Die vergessene Schlucht der Verdammten

</typolist>

 

ISBN-10: 3865523129

ISBN-13: 978-3865523129

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00MYNNH38

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230605164457895062fb
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Erstellt: 08.01.2015, zuletzt aktualisiert: 02.12.2021 18:51