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Zurück nach Mittelerde – Eine lang erwartete Reise (Teil 2)

Ein Reisebericht nach Neuseeland … Aotearoa … Mittelerde

von Holger M. Pohl

 

5. November 2019:

Concerning Hobbits

»In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit.«

So beginnt Der Hobbit von J. R. R. Tolkien. Und diese Höhle befindet sich in Neuseeland. Glaubt mir! Ich war dort!

 

Mein erster Besuch im Hobbiton Movie Set war 2011. Damals war alles noch irgendwie beschaulich und recht übersichtlich. Ein kleiner, älterer Bus brachte unsere Gesellschaft mit dem Guide zum Set und in einer etwa eineinhalb Stunden dauernden Führung erfuhren wir allerlei über die Geschichte des Sets, bekamen interessante Anekdoten von den Dreharbeiten zu Der Herr der Ringe erzählt und genossen das Auenland-Ambiente. Ich hatte mir vor diesem Besuch nicht träumen lassen, diesen Ort einmal zu sehen.

 

Und nun kam ich schon zum dritten Mal dort hin! Die Veränderungen seit 2011 und auch seit 2016 waren ganz offensichtlich. Die zahlreichen Busse groß und modern; im Shop hätte ich eine gewaltige Summe liegen lassen können; das Ganze war zu einem touristischen Magneten ausgebaut. Dennoch fühlte ich mich nicht unwohl, trotz all der Menschen, die da waren. Es hat sich eine gewisse Heimeligkeit bewahrt. Und was ich besonders gut finde: Das Set darf immer noch nur in Begleitung von Guides betreten werden! Ansonsten wäre es wohl überlaufen und vermutlich auch nicht mehr so gepflegt, wie es ist. Touristen in Scharen hinterlassen nun einmal ihre Spuren.

 

Zum Set als solchem an dieser Stelle zwei Anmerkungen:

Zum einen ist sicher bekannt, dass Hobbiton – oder Hobbingen – noch das einzige erkennbare Überbleibsel der Verfilmungen der beiden Trilogien ist. Alle anderen Drehorte – ob für die Ring- oder die Hobbit-Trilogie – mussten so wieder verlassen werden, wie das Drehteam sie vorfand. Der Inhaber der Farm, ein gewisser Mr. Alexander, hat daraus ein sehr einträgliches Geschäft gemacht. Ich gebe zu: Das hätte ich an seiner Stelle auch getan! Bei so verrückten Fans wie mir konnte das nur gutgehen!

Zum anderen wäre das Set nicht das, was es ist, hätte es die Hobbit-Trilogie nicht gegeben. Wir erinnern uns: Als die Gemeinschaft des Ringes nach Gandalfs vermeintlichem Tod in den Minen von Moria Lothlorien erreicht, schaut Frodo in Galadriels Spiegel. Er sieht das Auenland brennen. Damals gingen die (reinen) Kulissen des Grünen Drachen und der anderen Gebäude in Flammen auf. Nichts stand mehr. Für die Hobbit-Trilogie wurde alles neu aufgebaut, einschließlich zusätzlicher Hobbit-Höhlen um den See herum. Und dieses Mal aus wetterbeständigem Material. Daher ist der Grüne Drache heute ein echtes, funktionierendes Gasthaus. Und das durften wir 2016 zum ersten Mal genießen. Und nun erneut …

 

Die Evening Banquet Tour findet fast jeden Tag statt … und ist schon auf Wochen hinaus im Voraus ausgebucht. Ich habe unsere Tickets etwa sieben Monate vorher bestellt. Wer also vorhat, Hobbiton zu besuchen und an dieser Tour teilzunehmen, der sollte sich rechtzeitig darum kümmern. Kurzfristig ist kaum etwas machbar.

 

Start ist gegen 18.00 Uhr am Eingang, dem zum Hobbiton Movie Set gehörenden Shop und Café, das den sinnigen Namen The Shire trägt. Im Shop kann man, wie schon gesagt, eine Menge Geld ausgeben. Für Nonsens, aber auch für schöne Dinge. Ich gönnte mir neben einer Umhängetasche (mit Der Hobbit-Motiv) und einem Schlüsselanhänger noch einen Kalender mit Illustrationen von Alan Lee (zusammen mit John Howe und Tad Nasmith einer der bedeutendsten Illustratoren von Tolkiens Welt), die er für »Der Hobbit« erschaffen hat. Klasse Bilder, kann ich nur sagen!

Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir den Zugang zum eigentlichen Set. Wir gingen durch die Gasse, durch die Gandalf in »Die Gefährten« nach Hobbingen kommt und Bilbo in »Eine unerwartete Reise« mit dem unterschriebenen Vertrag den Zwergen hinterherrennt. Wir durchschritten den kleinen Hohlweg und dann …

 

… lag Hobbingen vor uns. Im sonnigen Licht eines wunderschönen Spätnachmittags. Ich genoss das Bild zunächst einfach einmal. Und als nächstes wurden Bilder geschossen. Jede Menge Bilder! Sehr viel mehr, als ich hier zeigen kann.

 

Ich versichere Euch, es ist ein eigenartiges, aber sehr schönes Gefühl durch Hobbingen zu gehen und dabei – natürlich völlig irrational – damit zu rechnen, dass sich gleich eine der kleinen, runden Türen öffnen wird und eine vertraute Gestalt herauskommt. Vielleicht Pippin, vielleicht Meriadoc. Oder der Bürgermeister mit dem runden Gesicht und seiner mürrischen Frau. Ein Bolger, ein Pausbacken, ein Stolzfuß …

 

Unser Weg führte zunächst einmal durch die unteren Bereiche des Ortes. Vorbei am Tümpel, über den freien Platz mit dem Partybaum, dann langsam nach oben. Der Blick hinunter wurde dabei immer phantastischer. Mr. Alexander hat sich wirklich viel Mühe gegeben, das Set so zu erhalten, wie es von den Dreharbeiten zurückgelassen wurde. Man sieht Wäscheleinen voller Wäsche. Tische, auf denen Brotlaibe liegen. Oder Käse. Schubkarren, die Holzscheite oder anderes vor einer Höhle abladen. Gartenwerkzeuge, Spielzeuge. Fertig gedeckte Tische, die darauf warten, dass gleich ein Hobbit mit seiner Familie herauskommt, um einen ersten kleinen Snack vor dem Abendessen einzunehmen. Wir kamen an Sams Höhle vorbei, dort wo er zum Ende der Ring-Trilogie von seiner Frau Rosie und den Kindern empfangen wird. Alleine, Sam war nicht da.

 

Es ging immer höher hinauf und unsere Guides erzählten uns allerlei Anekdoten aus der Geschichte Hobbingens und der Dreharbeiten. Gut, jung wie die Führer waren, konnten sie allenfalls als Kids bei der Ring-Trilogie dabei gewesen sein. Natürlich war ihnen dieses Wissen beigebracht worden, doch das tat der Sache keinen Abbruch. Und wir hörten es ja nicht zum ersten Mal. Zudem waren wir ja nicht da, um das zu hören. Wir waren in Hobbingen um Hobbingen zu sehen und zu erleben. Schließlich war es dann auch soweit. Ich stand zum dritten Mal vor der wohl bekanntesten aller Hobbit-Höhlen in Mittelerde: Ich stand vor Beutelsend!

 

Die grüne Tür, halboffen, mit einem Blick hinein. Beutelsend ist die einzige Hobbit-Höhle hinter der sich ein wenig mehr verbirgt als ein Erdloch. Das liegt daran, dass es Szenen gibt, in denen Bilbo vor der Tür steht um etwa Gandalf zu begrüßen, und man ein wenig von dem sieht, was hinter der Tür liegt. Doch viel mehr liegt nicht dahinter. Die Szenen im Inneren von Beutelsend wurden samt und sonders im Studio in Wellington gedreht. Doch nichtsdestotrotz, ich stand da und wartete auf Bilbo. Oder Frodo. Oder dass ein Zwerg an mir vorbeimarschierte, um an die Tür zu klopfen: »Guten Abend. Mein Name ist Balin. Stets zu Diensten!«

 

Natürlich war das Schild noch da: »no admittance – except on party business«. Natürlich stand da die Bank mit einem Buch und einer Pfeife. Natürlich war kein Hobbit da. Alles nur Illusion … aber egal!

 

Nach einer gefühlt viel zu kurzen Zeitspanne mussten wir uns aber von Beutelsend lösen. Es ging den Beutelhaldenweg hinunter in Richtung des eigentlichen Highlights des Besuches: dem Bankett im Grünen Drachen!

Über die Brücke, vorbei an der Mühle, auf den Marktplatz vor dem Gasthaus. Es war immer noch schön warm und so genossen wir ein süffiges Bier nach Hobbit-Art im Freien. Ich fühlte mich wie … ein Hobbit in Hobbingen, im Westviertel des Auenlands. Nach dem Bier ging es dann zum Bankett. Und ich kann Euch sagen: Es wurde eines Hobbits würdig aufgetischt! Fleisch, Gemüse, Beilagen … alles da und zwar in Mengen. Wer nicht satt wurde, der war selbst schuld. Vom leckeren Nachtisch konnte ich nur ein wenig kosten, so satt war ich. Wie es eben sein muss …

 

Leider ging die Zeit im Grünen Drachen allzu schnell vorbei. Es war mittlerweile dunkel geworden und so ging es im Schein von Elbenlichtern durch das erleuchtete Hobbingen zurück. Unterwegs versammelten wir uns noch einmal auf dem Feld vor dem Partybaum und die touristische Gemeinschaft des Ringes feierte Abschied. Irgendwer ließ die Melodie Concerning Hobbits aus dem Soundtrack zu »Der Hobbit« oder »Der Herr der Ringe« über sein Handy abspielen. Es passte einfach zu der Stimmung, in der wir waren. Dann aber hieß es endgültig …

 

… Abschied nehmen vom Auenland. Nach fünf Stunden mussten wir es wieder verlassen, doch ich bin sicher: Ich komme wieder! Und wenn es klappt, dann nehme ich einmal einen der anderen Events mit, die inzwischen dort veranstaltet werden. Vielleicht das Summer Harvest Festival

 

Zurück in unserer Unterkunft, dem Tower Road Motel, schlief ich ein mit Gedanken an Hobbits, das Auenland, überraschend vorbeischauende, hungrige Zwerge …

 

Zum Teil 3 des Berichtes

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Eure Meinung:

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Bilder aus Neuseeland und Mittelerde

Eindrücke einer neuen Reise

Wir betreten Hobbingen ... Auenland ... Westviertel ...
Die grünen Hügel der Heimat der Hobbits.
Und noch mehr von Hobbingen ...
Ein allererster Blick auf den "Grünen Drachen".
Bilbo ist gerade unterwegs, kommt aber gleich wieder!
OK, wir wissen Bescheid! Und passt auf die Sackheim-Beutlins auf!
Beutelsend ... Beutelhaldenweg ... Hobbingen. Ich war da, aber Bilbo ist wohl auf einem Abenteuer!
Sam war auch nicht da.
Hier geht es lang!
Muss ich noch etwas sagen?
Ein heimeliges Haus ...
Was darf es sein?
Ein Hobbit-Bierchen in Ehren darf kein Nazgul verwehren!
Es ist aufgetischt! Bitte zugreifen!
Und es wurde zugegriffen!
Ein letzter Blick auf Beutelsend.
Es heißt Abschied nehmen ... leider! Aber wir kommen wieder!

Die ganze Reise


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Erstellt: 06.01.2020, zuletzt aktualisiert: 17.01.2020 17:25