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Blackvale von Elane

Rezension von Ralf und Finn Steinberg

 

Nach dem Soundtrack zum Fantasy-Brettspiel Andor, dem Album Legends of Andor, das 2019 erschien, kamen leider keine großen Festivals und Touren für Elane, sondern die Pandemie mit ihren Lockdowns und Absagen.

Trotzdem konnte man schon einige Songs des neuesten Albums Blackvale hören und so ist das fertige Album für Fans auch kaum eine besondere Überraschung, eine große Freude natürlich schon.

 

Seit über zwanzig Jahren bezaubern Joran Elane, Skaldir (Markus Skroch), Nico Steckelberg und Simon Spillner mit ihren sowohl sphärischen als auch rockigen Fantasy-Folk und durchstreifen dabei immer noch Glenvore, jene Fantasy-Welt, die ihnen sowohl Inspiration als auch Heimat zu sein scheint.

 

Als Gast am Cello ist die Britin Anna Stuart aus dem Royal Philharmonic Orchestra zu hören, Simon spielt wieder die Geige, Nico und Skaldir tummeln sich an den Keyboards, bzw. nutzt Skaldir zudem sein großes Instrumentarium von Gitarre über Bass bis zu Tin Whistle und Percussions und natürlich singt Joran in den meisten Songs die Hauptstimme.

 

Am grundsätzlichen Gefühl eines Elane-Albums hat sich wenig geändert, bereits die ersten Töne von Sternenwind sind eine Heimkehr nach Glenvore und in die musikalische Welt der Gruppe.

 

Ein Höhepunkt ist sicherlich die Interpretation von Scarborough Fair, dessen Sound wie ein genuiner Teil des Elane-Universums klingt – ein Lied, dass man in jeder Form feiern kann, aber mit Jorans Stimme möchte man sofort mitschweben.

Die Verbindungen von Soundprogramming und echt gespielten Instrumenten sind erneut eine Stärke der Produktion und harmonieren mit dem Gesang, der auch in den doppelstimmigen Parts stets der Musik folgt. Hier passt es auch, dass die Mitglieder der Band ihre eigenen Texte (bis auf »Scarborough Fair« und »Ach, bittrer Winter«) singen.

 

Neben klassisch voluminösen Arrangements gibt es auch wieder rockigere Töne und in der Mischung hält sich die im Pressetext beschriebene melancholische Stimmung dann doch in Grenzen und mag es auch wenig Licht in diesen trüben Kriegstagen geben, ein Album von Elane strahlt definitiv wärmend hinein. Und dennoch möchte man gern Jorans Geschichte zu An Angel Reappears lesen, lieferte sie doch Nico die Grundlage zu seinem magisch beklemmenden Text. Doch »Blackvale« ist kein irdisches Jammertal sondern ein schattiges Reich des Tanzes.

 

 

Elane bahnen sich im Album durch verschiedene Emotionen. Hervorstechend sind die Gefühle von Liebe, Geborgenheit und Einsamkeit. Die Lieder folgen einer Charakteristik, haben in sich jedoch starke intraindividuelle Unterschiede. Sodass beim Anhören das Gefühl entsteht, als variiere das Genre in Abhängigkeit von der Geschichte, die erzählt und der Stimmung, die den Personen widerfährt, während they die Geschichte wiedergeben. Distinguiert wird es dadurch, dass die Genres mitunter sehr stark variieren. In Keyhole, einer metaphysischen Betrachtung von their Liebesgefühlen klingen für EDM typische Drums, Snares, usw., wohingegen das fanatistische Liebeslied My Guardian of Dawn ein völlig verschiedenes Drum-Set in Kombination mit einer verzerrten Gitarre nutzt. Die starken Kontraste überraschen und begeistern zugleich.

Die Mischung aus englischer und deutscher Sprache gelingen them mühelos und passt gut in die vielseitigen Lieder.

 

Das Album begleitet der Kampf um Liebe wider den inneren unfruchtbaren Landschaften. Das erste Lied Sternenwind beschreibt die mystische Erscheinung des Liebesobjektes »You soon appeared / Adrift in space« und erinnert mich an die Beschreibung des Geliebten der Beschuldigten aus dem Stück Himmelszelt: Das Liebesobjekt erscheint wie durch Magisches Denken in seiner reinen, idealen Form; als solche kann es jedoch nicht in der Realität bestehen und ist, wie wir wissen, auch zugleich die conditio sine qua non für die Existenz der Liebe – eine Zwickmühle.

 

Durch das Paradoxon ist der spätere Weg der Liebe bereits entschieden. Jedoch wird im Album das Ende der Liebe falsch attribuiert: Immerzu werden innere Hindernisse, die sowohl situativ, als auch dispositionell sind, als Ursachen für das Ende genommen, wobei der entscheidende Paralogismus bereits in der Vorstellung der Liebe liegt: Ein Ideal kann nie Real sein und muss als dieses immer die Erwartung verletzen. Die ersten Lieder idealisieren in dem Zuge das Liebesobjekt, bis die Idealisierung durch die Konfrontation mit der Realität an sich d. h. der eigenen, objektivierten Realität (i. e. bewusster Teil der Psyche) schwindet. Die Entwertung des Objektes findet also auf keiner an sich objektiven Ebene statt. In The Great Wall wird das Liebesobjekt bereits als vergangen gesehen und Ach, bittrer Winter bietet eine externale Erklärung für den Verlust – der Winter (vermutlich eine Metapher für depressive Gefühle) sei die Ursache, auch wenn jener zuvor gemeinsam in We Walk Hand in Hand noch zu bewältigen war.

 

 

Das Album ermöglicht eine Dekonstruktion der Liebe, indem ihre Idealisierung, – eine notwendige, subjektive Verschleierung, demaskiert wird und hinter dem Schein nichts als eigene und fremde Erwartungen und Interpretationen offenbart werden – eine andere und vielleicht sogar richtige Form der Realität. Phantastisch eben.

 

Fazit:

Mit ihrem siebten Studioalbum »Blackvale« bleiben Elane sich und ihrer Musik treu und erweitern ihr Schaffen erneut um schöne Lieder, mitreißende Melodien und sehr tanzbarem Rock. In Glenvores Weiten verweilen die großen Gefühle. Die Liebe entsteht und endet in der Gedankenwelt Elanes.

 

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Elane

CD:

Blackvale

Produktion, Mix und Editing: Markus Skroch und Nico Steckelberg

Artwork: Joran Elane

Coverfoto: Birgit Burin

Aufnahme und Mastering: Markus Skroch

Musik und Texte: Elane

Elane (Alive), 2022

 

ASIN: B0BF35JDJN

 

Erhältlich bei: Amazon

Die Band:

  • Joran Elane: Gesang, Programmierung

  • Skaldir: Gitarren, Bass, Gesang, Tin Whistle, Keyboards und Perkussion

  • Nico: Keyboards, Programmierung un Gesang

  • Simon: Violine und Bratsche

  • als Gast: Anna Stuart am Cello

Tracklist:

  • Sternenwind

  • Home is Where You Are

  • Searchlight

  • Scarborough Fair

  • Keyhole

  • We Walk Hand in Hand

  • My Guardian of Dawn

  • An Angel Reappears

  • The Great Wall

  • Something Else

  • Ach, bittrer Winter


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Erstellt: 22.12.2022, zuletzt aktualisiert: 23.12.2022 06:34