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Interview zum Album Arcane

Redakteur: Ralf Steinberg

 

Es ist immer wieder eine Freude, wenn man als Rezensent die Entwicklung eines Künstlers über die Jahre hinweg beobachten kann. Die deutsche Darkfolk-Band ELANE steht uns nun bereits zum dritten Mal Rede und Antwort anlässlich einer Plattenveröffentlichung. Dabei ist das Album Arcane eine ganz besondere Scheibe geworden, bilden doch die phantastischen Werke von Kai Meyer die Grundlage der Songs und Kompositionen.

 

 

Fantasyguide: Euer viertes Album dreht sich um die Werke von Kai Meyer. Damit geht ihr ja schon länger schwanger - was reizte euch an dem Projekt?

 

Nico: Kai Meyers Bücher gehören zu dem Besten, was moderne Phantastik zu bieten hat. Eine Verknüpfung zwischen seinen Büchern und unserer Musik ist einfach ein großartiges Vorhaben für uns gewesen. Der Reiz bedarf da keiner großen Worte. Seitdem wir das erste Mal über das Projekt gesprochen haben, hat sich mehr und mehr ein wohliges, erwartungsvolles Kribbeln ausgebreitet. Eine Art Kreativitäts-Geist, der sich selbst mit Energie versorgt hat.

 

Fantasyguide: Im Booklet dankt ihr Kai Meyer und bezeichnet ihn als Freund. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit?

 

Joran: Anfangs haben wir nach einem einfachen Kennenlernen nur die Ideen besprochen, aber nach und nach hat sich über die Monate eine Freundschaft entwickelt.

 

Skaldir: Wir haben ihm immer mal wieder die Songs, in dem Status in dem sie gerade waren, geschickt. Er hat dann gesagt, wie es ihm gefällt und ob es auch zu seiner Vorstellung der Bücher passt.

 

Fantasyguide: Fans der Bücher loben euch für die Umsetzung der Bücher, wie zufrieden seid ihr selbst?

 

Joran: Ich bin sehr zufrieden. Es war mir sehr wichtig ganz nah an die Buchstimmungen heran zu kommen. Und es freut mich, dass die Fans es auch so empfinden.

 

Skaldir: Eigenlob stinkt zwar angeblich, aber ich bin unheimlich glücklich mit dem Ergebnis. Die langwierige Arbeit hat sich auf jeden Fall am Ende gelohnt.

 

Nico: Wenn du versuchst ein Buch zu vertonen, dann startest du ja auf Basis deiner persönlichen, sehr intimen Gefühle zum Text. Das bringst du in Melodien und Texten unter. Wenn das Ergebnis dazu führt, dass die Kai Meyer-Leser sich gleichsam darin wiederfinden können, dann ist das auch eine psychologisch interessante Konstellation: Man stellt fest, dass es Menschen gibt, die dieselben Sensoren beim Lesen hatten wie du, dass sie dasselbe empfunden haben. Ein großartiges Gefühl, das dich als Teil einer »Gemeinschaft« definiert.

 

Fantasyguide: Musikalisch habt ihr euch weiterentwickelt, die Produktion ist umfangreicher, orchestraler geworden oder ist das sogar ein wenig wieder zurück zu Lore of Nén?

 

Joran: Ob es mehr »Lore of Nén« ist, kann ich gar nicht sagen. Wir machen einfach. Etwas weniger Rock ist es auf jeden Fall.

 

Nico: Das stimmt. Alleine die kleinen cineastischen Zwischenstücke waren ja bislang ein Merkmal von »Lore of Nén« gewesen. Das in Kombination mit der atmosphärischen Getragenheit der Lieder könnte auf den ersten Blick in der Tat den Eindruck entstehen lassen, dass ELANE sich wieder »Lore of Nén« nähert. Eine bewusste Rückkehr ist es nicht.

 

Skaldir: Ich denke, alle unsere Alben unterscheiden sich. Es ist halt eine stetige Entwicklung, und man versucht auch nicht alten Alben nachzueifern. Das wäre doch auch langweilig. J

 

Fantasyguide: Aber ganz ist Progrock nicht aus eurer Musik verschwunden, so erinnerte mich Die geheime Melodie an die frühen Pink Floyd und an Mike Oldfield.

Kommt da noch mehr von euch oder wohin treibt ELANE?

 

Skaldir: Alles, was wir so hören, fließt bewusst oder unbewusst in unser Songwriting ein, würde ich mal behaupten. Aber so richtig durchgeplant ist das vorher nicht. In dieser speziellen Sache mit der Musik zu Büchern muss man halt irgendwie sehen, dass es zur Stimmung des Buchs passt. Jedenfalls in der Art, wie man das Buch selbst empfindet.

 

Joran: Momentan zieht es mich etwas mehr zur keltisch-orientalischen Musik. »Die geheime Melodie« ist einfach so passiert und erinnert mich persönlich an etwas von Cirque du Soleil. ;-)

 

Fantasyguide: Wenn wir gerade bei musikalischen Anklängen sind, neben Evanescence bin ich mir ziemlich sicher, noch einen weiteren Einfluss heraus gehört zu haben - Masken erinnert doch stark an Nick Caves Murder Ballads. Gab es da absichtliche Assoziationen?

 

Nico: Den Nick-Cave-Vergleich habe ich bereits in einigen Reviews gelesen. Das ist sehr freundlich, ich persönlich mag die »Murder Ballads« auch sehr. Aber sie dienten nicht als Inspirationsquelle. Vielmehr ging es mir um die Frage: Wie kann ein Mensch wie Felix Masken (der Protagonist des Songs) musikalisch umschrieben werden? Nihilistisch, düster, gewissenlos, zielstrebig, sich an keine Regeln haltend! Ein kalter Hauch von Neofolk sollte diese Grundstimmung einfangen. Und der Gesang, nun, die Strophe hält sich nicht an den vorgegebenen Takt, windet sich, ist nicht vollständig vorherzusagen. So wie Felix Masken selbst, der sich in seinen Grundzügen gottgleich fühlt und verhält. Offenbar weckt das Stück »Masken« Erinnerungen an Nick Caves Songwriting, was ich persönlich als große Ehre empfinde, was jedoch – das gebe ich offen zu - so nicht geplant war.

 

Joran: Evanescence hatten wir eigentlich nicht als Inspiration, aber die Bands des Genres sind ja recht ähnlich. Die meisten Lieder entstehen einfach aus dem Bauch heraus.

 

Fantasyguide: Joran, im Interview zum letzten Album hast du Dir mehr Trommeln gewünscht, gerade Samarkand lebt nun von einer Fülle an Trommeln. Bist Du nun zufrieden?

 

Joran: »Samarkand« hat mich sehr beeindruckt. Das ist für mich erst der Anfang… ein Wegweiser für die Zukunft und gleichzeitig zurück zu den Wurzeln.

 

Fantasyguide: Überhaupt ist euer Album sehr tanzbar, wie wichtig ist das gerade auch in Hinsicht auf eure Live-Auftritte?

 

Joran: Mir gefallen tanzbare Stücke, auch von anderen Künstlern, am meisten. Oder eben Balladen, aber eher nichts was sich dazwischen bewegt.

 

Fantasyguide: Wie habt ihr das Album dieses Mal produziert? Gemeinsam im Studio?

 

Joran: Wir gehen in Einzelsessions ins Studio. Skaldir ist immer da, quasi als Aufnahmeleiter.

 

Skaldir: Ich weiß nie so recht, was produzieren genau heißt. Manche meinen damit die Aufnahme, manche das Songwriting, manche das Arrangement. Wie meintest Du das denn? J

 

Fantasyguide: Schon die Aufnahmen, die diesmal ja sehr opulent ausfielen. Als Gast spielt Marina Hasselberg Cello in zwei Songs, aber auch ihr selbst schöpft erneut aus einer breiten Auswahl an Instrumenten. Gibt es noch welche, die ihr noch einbringen wollt, kann man überhaupt noch neue Wege in der Instrumentierung gehen?

 

Joran: Von mir aus könnte die Drehleier öfter auftauchen. Darauf werde ich mich in Zukunft konzentrieren und eine eher akustische Instrumentierung anpeilen. Für »Arcane« habe ich direkt orchestral komponiert, aber das ist gar nicht nötig, denke ich.

 

Skaldir: Ich fände eine Hardanger Geige oder eine Nyckelharpa mal interessant. Wer sowas spielt kann sich ja mal melden. ;)

 

Nico: Ich könnte mir den verstärkten Einsatz einer Rockorgel auch gut vorstellen. Aber das muss natürlich zum Konzept des Albums passen. Wir hatten sie bereits stellenweise im Arrangement (Paperboat & Silverkite). Ich finde, sie bringt Druck auf eine angenehme Weise, und ich würde sie auch irgendwann gern bei ELANE wieder hören.

 

Fantasyguide: Es gibt auch eine ganze Menge »PlingPling« - habt ihr immer noch keine Angst vor Kitsch?

 

Joran: Mut zum Kitsch! Sag ich immer. ;-) Ich weiß auch nicht genau, was du mit »PlingPling« meinst, aber ich stehe zu meiner Filigranität. Es gehört viel Mut dazu, in einer sonst so »harten« Musikszene genau das zu machen, was man mag und damit auch Gefühle zu zeigen.

 

Nico: Vielleicht meint »PlingPling« ja auch die hier und da eingesetzten Glöckchen? Ich bin ein großer Freund von Glockenklängen, weil sie eine unschuldige Ebene in die Lieder mit einbringen. Speziell bei Masken oder Goddess of the Night sorgt das für einen verstörenden Kontrast, weil beide Lieder eine an sich recht düstere Grundstimmung haben. Durch die Glocken wird eine kindliche Vertrautheit vorgetäuscht, so dass man gar nicht weiß, ob man sich wohl fühlen soll, ob man Vertrauen aufbauen soll.

Kitsch an sich hängt aus meiner Sicht immer von persönlichem Empfinden ab. ELANE – und auch »Arcane« - ist nicht quietschbunt, sondern folgt einem klaren künstlerischen Konzept. Für mich sind winkende Katzen (Maneki Neko) in Asia-Läden Kitsch. Sie sind enorm populär in Japan, weil sie Reichtum und Glück bringen sollen.

 

Fantasyguide: Skaldir muss doch langsam so ziemlich jede Aufnahmetechnik aus dem FF beherrschen, so wie das Album klingt, da steckt doch eine Menge Arbeit hinter dem Sound?

 

Skaldir: Unsere Songs sind auf jeden Fall ziemlich dicht instrumentiert. Aber nach einer Weile fügt sich im Mix dann meistens alles schön zusammen. Es ist schon mehr Arbeit als für »normalere« Bandbesetzungen, aber das macht uns ja auch irgendwie aus.

 

Fantasyguide: Fängt man irgendwann an, Songs ganz explizit für die Fans zu schreiben?

 

Joran: Eigentlich nicht, und es ist ganz wichtig diese Einstellung nicht zu verlieren.

 

Fantasyguide: Musik zu Büchern - ist das nicht nur ein kurzer Schritt zum Musical oder Soundtrack? Oder gar eine Darkfolk-Oper?

 

Joran: Am ehesten Soundtrack. Das wäre schon eine sehr interessante Aufgabe! Wobei ich mich andererseits auch wieder auf die 100%ig von ELANE inspirierten Songs freue.

 

Nico: Man sollte das bewährte Genre nicht zu stark verlassen. ELANE hatte immer schon Score-Ansätze in der Komposition, daher könnte ich mir das auch gut vorstellen. Wenn wir uns einem Genre wie dem Musical oder gar der Oper widmen würden – nein, das wäre nicht in Ordnung. Wer ein Genre nicht gut beherrscht, kann kein gutes Ergebnis darin abliefern.

 

Fantasyguide: Darkfolk. Riecht das nicht auch nach Vampir? Was haltet ihr von den Blutsaugern und ihr massives Auftreten zur Zeit?

 

Joran: Darkfolk hat für mich nicht mit Vampiren zu tun. Ich habe darüber aber auch noch nie nachgedacht, bestimmt auch weil dieser ganze Hype an mir vorbei zieht. Elben und schwarze Reiter sehe ich dann wohl schon eher ;-).

 

Skaldir: Kennt noch jemand die Originalfassung von Der kleine Vampir? Das hatte für mich wirklich immer so ein Grufti-Flair. Letztens Zwerge, dann Piraten, jetzt Vampire. Gibt Schlimmeres im Leben. J

 

Nico: Hypes gibt es immer. Wer das schnelle Geld machen möchte, hängt sich an den Hype dran. Uns geht es nicht primär um das Geld. Uns geht es um gute Musik. Was nicht heißt, dass es nicht auch gute Vampir-Sachen gibt. Ich kenne mich da zu wenig aus, aber bestimmt gibt es die.

 

Fantasyguide: Bestimmt seid ihr neben ELANE weiterhin mit anderen Projekten beschäftigt - wo kann man euch sonst noch so antreffen, womit verdient ihr euer Geld?

 

Joran: Ich bin Grafikdesignerin, Illustratorin und Künstlerin oder wie man es auch sonst nennen will. Einige Beispiele gibt es auf glenvore-art zu sehen.

 

Skaldir: Ich spiele noch in ein paar anderen Bands, unter anderem bei Hel, und bin sonst als Toningenieur in meinem Studio kalthallen tätig.

 

Nico: Ich habe in meinem Berufsleben jede Menge mit Zahlen und Fakten zu tun. Die Musik ist da ein schöner Ausgleich. Zudem betreibe ich zusammen mit einem starken Redaktions-Team den Hörspiegel. Unser Motto ist: »Lesen, was hörenswert ist.«

 

Fantasyguide: Was macht Glenvore eigentlich? Kehrt ihr mit dem nächsten Album dorthin zurück?

 

Joran: Es ist noch ein zweites Kai-Meyer-Album geplant, weil es so viele Ideen gab. Aber wir sammeln auch schon länger Ideen fürs nächste Glenvore-Album.

 

Fantasyguide: Welche Festivals können sich dies Jahr mit eurem Auftritt schmücken, gibt es eine Tour?

 

Joran: Einige Live-Ideen sind in Planung. Versprechen können wir momentan aber noch nichts.

 

Fantasyguide: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin!

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Skaldir

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Erstellt: 19.04.2011, zuletzt aktualisiert: 29.03.2017 20:59