Der Leichenkönig und die Schwarze Festung (Autor: René Hirt; Polgàra 5)
 
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Polgàra - Die Geschichte eines Todesritters Teil 5

Autor: René Hirt

 

Der Leichenkönig und die Schwarze Festung

 

Die Dunkelheit umgab Polgàra und ihr wurde bewusst, dass sie eigentlich sterben sollte. Der Tod war in ihr, dennoch verlor sie nicht ihre Gedanken oder wurde in eine andere Welt geleitet. Obwohl sie vorher mit dem Tode keine Erfahrung gemacht hatte, hörte sie von Geschichten, wie die Toten in eine andere Welt glitten. Eine Welt, in der sie Ruhe und Frieden fanden. Sie wusste noch nicht in was für eine dunkle und schwarze Welt sie glitt und das war auch gut so.

Sie spürte immer noch den Dolch, der in ihre Brust steckte und war plötzlich mit Panik erfüllt, als sie sich erinnerte, was mit ihr in den Pestländern geschehen war. In Gedanken war die scheußliche Fratze dieser übler Monströsität, der sie ermordet hatte eingebrannt. Übelkeit und Erbrechen kamen in ihr hoch und sie musste sich übergeben.

»Jetzt kotzt dieses wertloses Stück Fleisch den Boden voll, immer das gleiche mit diesen Weibchen!«

»Man wird die eh nicht fürs Kämpfen brauchen können.«

»Am besten wir zerhacken das Fleisch, es gibt nicht mal gutes und nahrhaftes Futter – Die nehmen auch alles mit rauf – Mist-Ghule!«

»Nicht mal als lebende Übungspuppe ist das Fleisch was Wert, zu schnell wird es zerstückelt.«

»Ruhe – Ihr wertlosen Flickwerke aus modrigen Leichenteilen oder ihr lernt meinen Zorn zu spüren kennen!«

Diese Worte ließen die junge und tote Draenei ihre Augen öffnen. Ja sie war Tod, das wusste sie. Doch seltsamerweise konnte sie sich bewegen und denken, als wäre sich lebendig. Dennoch war ihr Fleisch und ihre Knochen kalt und sie spürte keine Wärme mehr. Sie atmete auch nicht mehr, wozu auch, sie war ja tot. Mit ihren toten und glasigen Pupillen schaute sie umher und erkannte widerliche Monströsitäten und ekelerregende Ghule, die sich zerhacken wollten. Sie wollte fliehen, aber sie war eine Gefangene in der Schwarzen Festung. Sie erkannte die Stimme, die diese Geiseln gebannt hatten. Es war die Stimme von Baron Aurius Totenschwur, einst mächtiger Herrscher von Stratholme.

Mit draeneiischer Behändigkeit sprang Polgàra aus dem Kreise der Monströsitäten und Ghule und suchte kniend und händeringend Schutz und Hilfe bei dem Baron.

»Edler Ritter und mächtiger Streiter, so erbitte ich eure Hilfe gegen diese widerwärtiger Schar aus zusammengeflicktem Fleisch, errette mich aus ihren Klauen und vollende mein ersehntes Sterben!« erflehte die tote Draenei.

Schallendes Gelächter brach aus Baron Totenschwur heraus. Er beugte sich zu Polgàra runter und schlang seine Hand um ihre Kehle. Mit einem Ruck richtete er sich auf und zog die tote Draenei zu sich heran, so dass er sie eingehender von Auge zu Auge betrachten konnte. Polgàra verlor den Halt unter ihren Füßen und strampelte wie wild umher. Sie versuchte sich aus dem eisernen Griff des Barons zu lösen ohne jeglichen Erfolg zu haben.

Aurius Totenschwur schmunzelte »So unschuldig, so rein, so unbefleckt … eine wunderbare Dienerin der Geißel wirst du abgeben. Sei unbesorgt, Kleines«, sagte er fast zärtlich und dennoch voller Bosheit. »Ich persönlich werde dein Meister sein, ich werde dich foltern und peitschen, ich werde dich knechten und unterwerfen, ich selbst werde dir das Kämpfen einprügeln oder als Metze benutzen, ich in meiner Person selbst werde dich in den Wahnsinn treiben und kreuz und quer durch die Hölle schicken bis du mir und dem Leichenkönig die Stiefel lecken wirst und uns anflehst, unschuldige Menschen ermorden zu dürfen und uns zu dienen.«

An den folgenden Tagen, Wochen und Monate erfüllte Baron Aurius Totenschwur sein höllenartiges Versprechen. Sie erlitt alle erdenkliche und undenkliche Folter und Qualen. Sie wurde gepeitscht und geschlagen, im Kampf fast in Stücke gehauen oder dann als Gespielin Totenschwurs missbraucht. Sie wurde als Tote ertränkt und unter Wasser gehalten, was sie nie hätte töten können aber dennoch unendliche Qualen des Erwürgens hervorrief. Aber nichts desto trotz waren die Geiseln und ihr neu ernannter Meister nicht in der Lage, ihre neue Sklavin zu brechen. Sie behielt ihre unschuldige und reine Seele; bis zu diesem einen Tage …

Der Leichenkönig und Baron Aurius Totenschwur standen am Rande der Arena als Polgàra gerufen wurde.

»Wo ist diese billige Metze einer widerspenstigen Todesritterin?« fragte der Leichenkönig fordernd.

Sie sah die beiden wartend mit einem merkwürdigen boshaften Schmunzeln und fragte sich insgeheim, welche niederträchtige Qualen oder Prüfung sie wieder bestehen musste, um ihr Herz ins Reine zu halten. In der Mitte der Arena sah sie ankettet einen Menschen, den sie zuerst nicht erkannte. Zu seinen Füßen sah sie ein Schwert.

Arthas befahl: »Es soll in die Arena hinabsteigen und dieses menschliche Ding da zerstückeln!«

»Niemals«, weigerte sich Polgàra.

Da sprang Baron Totenschwur unvermutet die Draenei an und stieß sie in die Grube, dabei drückte er ihr sein Schwert in die Hand und schrie: »Töte es, töte es, töte es…!«

»Nein!« schrie sie zurück, »Eher erleide ich die Qualen der Hölle.«

»Dein Wunsch sei uns Befehl«, erwiderte daraufhin der Leichenkönig.

Trotz reines Herzen und Gewissens hatte unsere kleine Draenei nie eine Chance zu widerstehen. Zulange war sie in der Schwarzen Festung gefangen, zulange wurde sie als Metze geknechtet, zulange wurde sie gefoltert und gepeinigt. Arthas und Aurius peitschten sie solange, bis ihr totes Fleisch in Fetzen von den Knochen wegflog. Sie bekam die volle boshafte Macht der beiden zu spüren und hatte nicht mehr die Kraft ihnen zu widerstehen. Sie hörte sie selbst einen gellenden draeneiischen Kriegsschrei ausstoßen und hörte nur noch, wie ihr Stahl den dumpfen weichen Körpers des Gefangenen durchbohrte.

Mit geweiteten Augen erkannte sie nun den Gefangenen, denn er war ein getreuer Gefährte, der mit ihr in den Pestländern gefangen genommen wurde. Er war nicht getötet worden wie sie, sondern er war unversehrt, bis sie das Schwert in seinen Körper getrieben hatte. Sie war jetzt eine Mörderin und als sie sich dessen Bewusst wurde verfiel sie vollends in den Wahnsinn.

»Vollende es!« befahl Arthas dem Baron.

Dieser ließ sich nicht zweimal bitten. In den nächsten Stunden, Tagen und Wochen ließ er Polgàra nichts anderes geschehen als unschuldige Leiber hinzurichten. Lebende Gefangen wurden zu ihr hingeschleppt, die sie ermordete und schlachtete. Ob Soldaten oder Unschuldige, Männer oder Frauen, sogar Kinder wurden nicht geschont. Bei jedem Mord verfiel sie stärker und tiefer in den Wahn des Leichenkönigs. Ein neuer Todesritter war geboren worden.

Sie konnte sich im Nachhinein nur bruchstückhaft erinnern, was für Schandtaten sie vollzogen hatte. Es war wie ein immer währender Alptraum, der sie begleitete und zu stark war der Bann, in den der Leichenkönig seinen Todesrittern gezogen hatte. Sie entführte Bürger und Pferde aus Havenau und Neu-Avalon, dessen Rohmaterialen sie später wieder verwertete. Das Schreien der zerhauenen Leichen war wie zarte Musik in ihren toten Ohren und Polgàra genoss ihre Taten vollends. Sie richtete auch neue Todesritter an Seite ihres Barons Totenschwurs ab, dessen Gesellschaft sie deutlich mehr genoss als zuvor.

Sie war auch maßgeblich beteiligt gewesen an dem Großangriff der Frostbrutbezwinger gegen die Nachschub-Flotte, die eigentlich Neu-Avalon unterstützen sollte. Da ihr ehemals reines Herz nun vollständig verderbt war, wurde sie in der Hierarchie einer der obersten Todesritter und erwies großes Talent als Tötungsmaschine und als skrupellose Anführerin. Sie wurde allgemein gefürchtet. Daher war es eine Selbstverständlichkeit, dass sie die Heerscharen gegen Neu-Avalon anführte. Nur kurz schien sie ein wenig zur Besinnung zu kommen, als sie ihrem ehemaligen Gefährten Drusva ihr Schwert in die Brust stieß. Doch schnell legte sich der Wahnsinn wieder auf die Moral der Todesritterin.

Alles änderte sich ab der Schlacht an der Kapelle des Hoffnungsvollen Lichts. Der Kreis schien sich zu schließen. Als Arthas, der Leichenkönig in der Schlacht besiegt wurde und er sich schmachvoll zurückziehen musste, ließ er seine Todesritter-Diener ihrem Schicksal zurück. Nur der Gnade der geheiligten Paladine ausgeliefert, wurden sie zuerst in Gefangenschaft genommen und nach Sturmwind gebracht. Während der langen Reise wurde ihr benebelter Verstand Polgàra’s klarer und bewusster, was sie alles im Namen des Leichenkönigs angestellt hatten. Unterwegs wurden sie beschimpft und bespuckt und mit Unrat beworfen.

Besonders schlimm wurde es in Sturmwind. Vom Stadt-Tor bis hin zum Thron von Varian Wrynn verlangte man, diese widerwärtigen toten Ritter-Kreaturen dem Feuer zu übergeben oder zu vierteilen. Polgàra hätte sich nicht dagegen gewehrt, obwohl sie immer noch die Macht dazu gehabt hätte. Das einst so geliebte Volk hasste sie nun für Taten, die sie bei normalem Verstand niemals begangen hätte. Die Bürger verlangten lauthals die Köpfe der Todesritter, voll Eifer auf Rache für die blutigen Handlungen dieser Geisel-Krieger. Polgàra wollte sich verstecken um nicht den Blicken des Königs standhalten zu müssen. Doch in der Menge erkannte Varian seine einst so holde Maid.

Tränen liefen über die Wangen des Königs von Sturmwind hinab als er Polgàra in der berüchtigten Rüstung der Geisel sah.

»Auch du mein Kind, es bricht mir das Herz«, seufzte Varian. Aber er sah auch die Reue und Scham von Polgàra, die als einer der brutalsten der Todesritter galt. Er wusste genau, zu was für Gräueltaten Arthas im Stande war und wie er seine Diener quälte und opferte.

»So vernehmet meine Worte und mein Urteil über diese Ritter des Todes«, rief der König von Sturmwind aus. »Viel Leid und Schande haben diese Knechte von Arthas über unser Volk gebracht. Wir alle haben viele unserer Liebsten verloren und die Trauer wird lange dauern. Dennoch waren sie einst stolze und ehrbare Bürger im Östlichen Königreich und in Kalimdor und waren nicht Herr über ihre eigenen Taten. Arthas ist der wahre Schuldige und daher soll ihnen kein Leid und keine Bestrafung zugefügt werden nur weil sie Sklaven der Geisel waren.« Die Bürger begannen zu murren. »Doch sehe ich auch den Hass, der den Todesrittern entgegengebracht wird und viel Zeit wird vergehen müssen bis dieser Hass gestillt ist. Die Zeit wird lange dauern, bis die Wunden der Gräuel geheilt werden und die Bürger bereit sind, den Todesrittern zu vergeben. Daher verkünde ich, dass die Todesritter zehn Sommer und zehn Winter lang von Sturmwind und den Östlichen Königreichen gebannt werden. Nach dieser Zeit werden die Todesritter wieder willkommen in unseren Reihen sein und begrüßt werden wie wahre Brüder und Schwerstern von Sturmwind. Es sei gesprochen, es werde befolgt!«, schloss Varian Wrynn.

Somit verließ Polgàra wieder einmal Sturmwind, diesmal allerdings als Verstoßene und Tote.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202405270027462501728c
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Erstellt: 30.09.2012, zuletzt aktualisiert: 19.02.2016 15:42, 12767