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Fantasy Film Fest 2012

Redakteur: Markus Mäurer

 

Unser Redakteur Markus Mäurer unterbrach extra seine Semesterferien, um dem Fantasy Film Fest in Berlin seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen.

 

Folgt ihm in die Welten der cineastischen Phantastik ...


Seit 1987 spukt das Fantasy Filmfest durch deutsche Lichtspielhäuser und verbreitet unter der Bevölkerung Angst und Schrecken. Was damals in München mit einigen Horrorfilmen begann, sucht inzwischen sieben deutsche Städte mit über 70 Filmen aus den unterschiedlichsten Genres heim. Eine Woche lang laufen in jeweils 2 Kinosälen parallel von 13.00 Uhr bis weit nach Mitternacht Filme des abseitigen Geschmacks.

Auch wenn sich das Festival inzwischen ein wenig von seinen Horrorfilmwurzeln entfernt hat und immer mehr »mainstreamlastige« Filme laufen, ist immer noch genug für jeden Geschmack dabei, und die unglaubliche Vielfalt der Filme sorgt auch für ordentliche Abwechslung. Frankreich ist meist mit starken Thrillern und gelegentlich extrem harten Schockern vertreten. Aus Asien kommt erstklassige Thrillerware, aber auch schräge Experimente, Schwertkampffilme und Grusel. Spanien weiß meist, wie man den Zuschauern das fürchten lehrt und überzeugt mit hochwertigen Produktionen. In diesem Jahr sind die Briten und die Iren besonders stark vertreten. Dabei reicht die Bandbreite von Gangsterdramen über Tentakel-Schleim-Alien-Horror über Zombiekomödien bis zur bitterbösen Beziehungssatire. Aus Skandinavien kommen immer wieder richtig gute Beiträge. Am stärksten sind aber natürlich die USA vertreten. Wobei sich hier zeigt, dass abseits der stromlinienförmigen Hollywood-Blockbuster eine extrem kreative und experimentierfreudige Filmszene existiert. Der beste Film des Festivals ist zum Beispiel das Independent-Südstaaten-Fantasy-Drama Beasts of the Southern Wild.

Nur ein Land glänzt wie fast immer durch Abwesenheit: Deutschland. Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Hell, Gewinner des Publikumspreises im letzten Jahr) sind deutsche Filmemacher nicht in der Lage vernünftige, gute (oder zumindest halbwegs erträgliche) Genrebeiträge zu liefern. Das mag zum einen an der Unfähigkeit derer zu liegen, die gewillt sind, solche Genrefilme zu drehen, zum anderen aber auch an der fehlenden Filmförderung solcher Werke. Während eine spanische Werwolfkomödie wie Game of Werevolves oder ein irischer Tentakelalienfilm wie Grabbers eine staatliche Filmförderung bekommt und dann auch mit ausgezeichneten Effekten aufwarten kann, bekommt man in Deutschland momentan wohl nur für sperrige DDR-Dramen eine Förderung. Kein Wunder, dass deutsche Filme dementsprechend international kaum Beachtung finden und die richtig guten Filmemacher ins Ausland gehen.

Aber zurück zum Filmfest. Ich selbst besuche es erst seit 2003, damals noch in Köln heute in Berlin. In Frankfurt bin ich auch schon gewesen. Und egal, in welcher dieser Städte ich war, es herrschte immer diese besondere Festivalatmosphäre, die vor allem dem besonderen Publikum geschuldet ist. Da sitzt man tatsächlich mit einer Horde Filmverrückter im Kino, die den Filmen und ihren Mitzuschauern den nötigen Respekt entgegenbringen, der dafür sorgt, dass man die Filme auch ohne hässliche Störungen genießen kann.

Jetzt aber genug geschwafelt und zu den Filmen des diesjährigen Jahrgangs. Ich hatte das Vergnügen 17 Filme zu sehen. Darunter ist dieses Mal glücklicherweise keine richtige Gurke gewesen. Noobz, Crawl und A Chinese Ghost Story waren teilweise etwas lahm und nur durchschnittlich inszeniert, aber lange noch keine schlechten Filme. Obwohl dieses Jahr bis auf Beasts of the Southern Wild kein Film dabei war, den ich schon im Vorfeld unbedingt sehen wollte, war das Niveau der Filme insgesamt überraschend hoch, auch wenn kein absoluter Kracher dabei war (vielleicht Excisision).

 

Die Filme:

Hier meine Kurzmeinungen zu den Filmen, die ich ursprünglich zeitnah nach Sichtung bei SF-Fan.de im Forum geposted habe:

 

 

  • <link 12694>Lobos de Arga</link>
  • <link 12695>Grabbers</link>
  • <link 12697>Killer Joe</link>
  • <link 12698>Noobz</link>
  • <link 12699>Girls Against Boys</link>
  • <link 12700>Excision</link>
  • <link 12701>A Chinese Ghost Story</link>
  • <link 12702>Violet and Daisy</link>
  • <link 12703>Eden</link>
  • <link 12704>The Tall Man</link>
  • <link 12705>Doomsday Book</link>
  • <link 12706>Crawl</link>
  • <link 12707>Beasts of the Southern Wild</link>
  • <link 12708>The Flying Swords of the Dragon Gate</link>
  • <link 12709>After</link>
  • <link 12710>Compliance</link>
  • <link 12711>The Possession</link>

 

 

Fazit:

Trotz der anfänglichen Ernüchterung bezüglich des unspektakulären Programms hat sich der Besuch des Festivals wirklich gelohnt. Ein Jahr ohne Gurke ist mir bisher noch nicht passiert. Allerdings hat auch der richtige Kracher gefehlt. Solche Extrem-Experimente wie Rubber, Ex-Drummer, Martyrs oder Amer suchte man vergeblich. Die Ausschläge nach oben hielten sich also ebenso in Grenzen wie die Ausschläge nach unten. Wobei mir ja noch einige Filme entgangen sind. Baytown Outlaws, Cockneys vs. Zombies und Blackout hätte ich noch gerne gesehen. Und vor echten Gurken wie Morituris und Black Rock sind mir dank einschlägiger Vorauswarnungen im Internet erspart geblieben.

 

Ganz zum Schluss noch eine kleine Trendanalyse bezüglich des Horrorfilms, denn dies ist ja eigentlich das Kerngenre des Festivals. Und hier muss ich dem Genre leider ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Es waren zwar einige ordentliche Genrebeiträge dabei, aber keine wirklichen Kracher oder Überraschungen. Das Genre scheint sich nur noch selbst zu wiederholen und kopieren, ohne den Hauch von Innovation präsentieren zu können. In diesem Jahr waren es vor allem Haunted House Filme, Found Footage –Billigproduktionen, die obligatorischen Zombiefilme, die üblichen Backwood/Slasher-Survivalfilme, ein Exorzismusklon ohne auch nur eine einzige eigene Idee und die üblichen Komödien in verschiedensten Genrevariationen (Zombies, Werwölfe, Tentakelaliens, Inzucht-Rednecks usw.), die aber eigentlich alle nach dem gleichen Schema ablaufen.

Innovation war Mangelware, aber es gibt Hoffnung. Während des Festivals ging ich nämlich fremd und habe mir die Pressevorführung von The Cabin in the Woods angeschaut, der tatsächlich das Potenzial hat, das Genre neu zu beleben.

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Eure Meinung:

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Die Filme:

Weitere Infos:

Das FFF im Web


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Erstellt: 02.09.2012, zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 11:17