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Lasst die Toten ruhen hrsg. von Oliver Kotowski

Deutsche Vampirgeschichten aus dem 19. Jahrhundert

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts eroberte der Vampir die europäische Literatur im Sturm, doch in Erinnerung geblieben sind zumeist die britischen Geschichten. »Lasst die Toten ruhen« zeigt auf, dass auch die deutschsprachigen Schriftsteller etwas zum Mythos beizusteuern hatten, und präsentiert einen kleinen Überblick über die verwendeten Themen und Stile: So finden sich den Tod überwindende Liebende, vom Leben Anderer zehrende untote Monstren – und Vampire, deren Wesen sich nicht ganz so leicht charakterisieren lässt.

 

Rezension:

Oliver Kotowski bewies bereits in unzähligen Essays und Artikeln zur Phantastik seinen weitgefassten Einblick in die Motive und Gegenstände, wie sie für Schauer- und Horrorgeschichten typisch sind. Immer wieder verfolgte er dabei auch Spuren in ferne Länder und andere Zeiten, wie sein Mammutprojekt zur Bibliothek von Babel eindrucksvoll bewies.

 

Der Atlantis Verlag gab dem versierten Phantastik-Experten nun die Gelegenheit, in einer Themen-Anthologie zur deutschen Vampirgeschichte des 19. Jahrhunderts, ein weiteres kaum bekanntes Kapitel vor dem interessierten Leser aufzuschlagen.

Lasst die Toten ruhen verwundert zunächst durch die Namen der vertretenen Autoren. E. T. A. Hoffmann und Paul Heyse neben Karl May und Hermann Löns? Allein das verspricht schon eine interessante und abwechslungsreiche Lektüre.

 

In seinem Vorwort erklärt der Herausgeber zunächst seine Motivation für die Sammlung. Entgegen landläufiger Meinung ist der Vampir-Mythos auch in der deutschsprachigen Literatur bereits vor Bram Stoker bearbeitet worden und auch zeitlich spätere Werke gehen eigenständige Wege. Kotowski benennt die Gründe für die Werkauswahl, stellt sie in einen geschichtlichen und auch mythologischen Kontext und bereitet den Leser sanft, aber eindringlich auf das Folgende vor.

Die Geschichten sind an die neue deutschen Rechtschreibung angepasst worden, es gibt schlüssige Kommata und auch sonst wurde die Grammatik modernisiert, außer bei der wörtlichen Rede um die zeitliche Authentizität zu bewahren. Einen besonderen Bonus stellt die von Kotowski selbst aus dem Englischen rückübersetzte Geschichte The Mysterious Stranger dar, deren deutsches Original als verschollen gilt.

 

Jede Geschichte beginnt zunächst mit wenigen Worten zum Autor. Hier wird es für viele Leser einige Überraschungen geben. Besonders erstaunlich ist die Tatsache, dass viele der Autoren zu ihrer Zeit berühmt und erfolgreich waren, heute jedoch nahezu in Vergessenheit geraten sind. Aber auch andere Hintergründe helfen bei der Lektüre, so ist die Homosexualität Karl Heinrich Ulrichs ebenso wichtig, wie einige Worte zu Hermann Löns, um eventuelle Vorurteile auszuräumen. So erhält man für jede Geschichte eine Vorstellung vom Autor und kann sie entsprechend einordnen. Nach den Texten bietet Kotowski sehr kurze Kommentare, in denen er auf die jeweilige Variante des Vampirs eingeht, Unterschiede und Besonderheiten hervorhebt und auch Verbindungen zu anderen herstellt. Diese literaturwissenschaftlichen Betrachten bleiben jedoch in verständlicher Sprache und dienen weniger der Darstellung einer Forschungsarbeit, als den Anreiz, das Werk nachklingen zu lassen und Interessantes zu entdecken, dass man selbst vielleicht beim Lesen übersah.

 

Gleich die erste Geschichte, Gottfried Peter Rauschnik: Die Totenbraut bietet eine typisch anmutende Vampir-Story. Dabei stammt sie aus dem Jahr 1820!

Zunächst wird eine gruselige Atmosphäre geschaffen. Die wartende adlige Familie, es ist Winter, Abends, ein Gewitter naht, der einzige Sohn sollte nun endlich aus der Ferne zurückkehren. Er kommt denn auch, berichtet aber von einer unheimlichen Episode seiner Reise. Doch die düstere Erzählung kann das Wiedersehensglück der Familie nicht trüben, wartet doch neben Mutter und Vater auch die liebliche Braut Eugenie. Es könnte so perfekt sein, doch kurz darauf erscheint auf dem Schloss eine seltsame und schöne Fremde …

Der tragische Ausgang der Geschichte mag nicht überraschen. Vielmehr gibt es für den heutigen Leser typische Momente der Verfehlung, des Leidens, aber auch die dem Bösen entgegentretende kirchliche Macht. Wenn man sich aber das Alter der Geschichte ins Gedächtnis zurückruft, kann die Modernität nur erstaunen. Ein gut gewählter einstieg in die Sammlung.

 

Die zweite Erzählung könnte durchaus bekannt sein. E. T. A. Hoffmann ist in vielerlei Hinsicht auch heute noch berühmt, wird gelesen und veröffentlicht. Cyprians Erzählung stammt aus dem vierten Band der Serapionsbrüder.

Wieder steht ein Graf im Mittelpunkt der an eine Vampirin gerät. Jedoch merkt er dies erst spät, der er Aurelie von ganzem Herzen liebt und ihm ihre Leidensgeschichte dauert. Dieser ungewöhnliche Wechsel der Sympathien, dem sich der Leser stellen muss, ersetzt hier den Horror als Grundlage der Tragik. Im Nachwort zur Geschichte weist der Herausgeber daraufhin, dass im Prinzip auch die böse Mutter und der gierige Urian eine art des Vampirismus betreiben, wenn auch weltlich und ohne Blut zu trinken.

 

Die Titelgeschichte Lasst die Toten ruhen von Ernst Benjamin Raupach ist in ihrem Stil sehr ungewöhnlich geschrieben, sodass man schnell versteht, warum sie für ein Märchen gehalten wird. Dabei ist der zentrale Konflikt eine gar nicht so seltene menschliche Eigenart, sich nach dem zurückzusehnen, was man verlor ohne zu genießen, was man gewann.

Im Nachwort setzt sich Kotowski mit der Behauptung auseinander, Raupach sei ein Nachahmer der Geschichte Der Vampir von John Polidori und beweist das Gegenteil sehr stimmig. Was aber natürlich nicht bedeutet, dass Polidori Raupachs Nachahmer war, vielmehr verdeutlicht es erneut die Mannigfaltigkeit des Sujets.

Interessant ist auf jeden Fall, das Brunhilde ihre Vampirwerdung einem Zauber verdankt, den ein Sterblicher fordert. Auch ist sie nicht in der Lage, ihren eigenen Untergang abzuwenden. Zu offensichtlich ernährt sie sich von den Kindern der Umgebung und bedenkt nicht, dass irgendwann ihre Lebensquelle versiegen muss.

 

Auch wenn Karl Spindler von Arno Schmidt gewürdigt wurde, ist der Vielschreiber, auch Romanfabrik zu seiner Zeit genannt, heute vergessen.

Der Vampir und seine Braut erschien 1826 und ist eine umfangreiche Novelle voller Intrigen, Klatsch und jeder Menge Salongerede. Kotowski zählt sie zu den Texten mit Pseudovampiren, da die eindeutige Zuweisung der Vampireigenschaft durch den Autor fehlt. Vielmehr liebte Spindler das Spiel mit den Erwartungen der Leser und erlaubt so dem Herausgeber indirekt Schlussfolgerungen auf den Vampir-Kontext, über den die Leser der damaligen Zeit verfügen mussten.

Stil, Spannungsaufbau und sprachliches Vermögen lassen die gewieften Routinier erkennen. Vielleicht ist es wieder Zeit, sich weiteren Werken des Autors zu widmen.

 

Der Name des nächsten Autors sagte mir zunächst nichts, obwohl er wirkungstechnisch kein Unbekannter ist. Leopold Ritter von Sacher-Masoch ist Namensgeber des Masochismus und die ausgewählte Geschichte Die Toten sind unersättlich bezeugt deutlich, warum. Natürlich wird jeder Kenner von Vampirgeschichten die Verbindung von Macht, Erotik und Hingabe als logisch empfinden. Man gibt sich dem schönen Vampir hin, egal in welcher Geschlechterkonstellation, empfindet Lust darin, Opfer zu sein.

Auch hier ist die Geschichte in der Geschichte Ausgangspunkt der Handlung. Sacher-Masoch lässt vor unseren Augen eine reiche galizische Gesellschaft erstehen, die sich in ihren Vergnügungen auch der Leidenschaft nach Rätseln hingibt. Dem fällt der junge Bräutigam Manwed zum Opfer, der sich in einem rätselhaften Schloss in der Nachbarschaft, in eine Frauenstatue verliebt. Oder ist sie mehr als das? Verwandelt sie sich im Mondlicht zu einer hungrigen Geliebten, die ihr Opfer in den Untergang treibt?

Ohne Zweifel sind die Passagen über diese erotische Beziehung schärfer und heißer als alles was sonst noch an Beziehungskram in dieser Anthologie vorkommt und bestimmt auch besser geschrieben als vieles, das thematisch dieser Erzählung nachkam.

Dabei geht es tatsächlich weniger um einen Akt, als um das Verständnis dafür, wie sehr solch eine emotionelle Abhängigkeit das Leben verändert, oder wie es Manwed ausdrückt: »verzaubert, verloren, vermaledeit«.

Das Kennenlernen von Sacher-Masoch stellt eine weitere Bereicherung dieser Anthologie dar.

 

Ein ähnlich ambivalentes Thema bildet Karl Heinrich Ulrichs Manor ab.

Es geht um Homosexualität und weiter noch um die Liebe zwischen einem Mann und einem Jungen. Eingebettet in eine märchenhafte Geschichte um einen Wiedergänger, offenbart der Autor tiefes Verständnis für das Problem. Trotz der tödlichen Wirkung der Umarmungen des Toten erlischt die Liebe nicht, vielmehr ist sie Antrieb der Wiederkehr und führt zu einem konsequenten Ende.

Interessante Erkenntnisse gewinnt Kotowski im Nachwort aus der Einbettung in verschiedene Sagenkreise. So erfährt man nicht nur, wie tief Ulrichs den mythologischen Stoff in die Liebesgeschichte einfließen ließ, sondern auch, dass er sich der verschiedenen Interpretationen durchaus bewusst gewesen sein muss, um sie gezielt zu lenken.

Eine seltsame Geschichte, die genau darum aber der Sammlung gut zu Gesichte steht.

 

Karl May ist vielleicht der bekannteste Autor der Anthologie, auch wenn man ihn wohl nicht hier erwartet hätte. Ein Vampir von 1885/1886 ist eine Episode aus dem vierten Band des Orient-Zyklus In den Schluchten des Balkan.

In gewohnt selbstherrlicher Manier löst Kara Ben Nemsi hier das Rätsel um ein Gespenst, das ein armes Ehepaar belästigt und vorgibt die vampirgewordene tote Tochter zu sein.

Mit dem von May gewohnten Oberlehrer-Duktus bietet die Geschichte erneut eine komplett andere Fassette innerhalb der verschiedenen Vampir-Bearbeitungen der Anthologie. Da May Vampire komplett dem Aberglauben zuschreibt, kann er mit den ihm bekannten Klischees beliebig umgehen. Die Tatsache, dass May den Vampirmythos mit der Fledermaus verknüpft, elf Jahre vor Stoker, lässt Kotowski ein wesentlich älteres Auftreten dieser Idee vermuten, ohne bisher entsprechende Texte gefunden zu haben. Ein Ansatzpunkt für weitere literaturarchäologische Grabungen.

 

Paul Heyse ist der erste deutsche Literaturnobelpreisträger und eher durch seine theoretischen Arbeiten zur Novelle im Gedächtnis geblieben, wie eine ganze Reihe jener Ausgezeichneten inzwischen dem Vergessen anheim fielen.

Dabei beweist Die schöne Abigail eindrucksvoll, dass Heyse ein großer Erzähler ist.

Als ob er Todorov kennen würde, konstruiert er die Handlung so raffiniert, dass man nie genau weiß, ob das Geschehen real sein soll oder nur in der Fantasie des Erzählenden geschieht. Diese Mehrdeutigkeit umfasst gleich mehrere Bereiche. Von der Rahmenhandlung, über die Binnenerzählung bis hin zur eigentlichen Vampirin.

Ungewöhnlich ist auch die Art der Verführung. Kotowski beschreibt Abigail im Nachwort als femme fatale, deren Wirkung der Oberst von allein nicht entgehen kann, obwohl Abigail ihm nie direkt Gefühle offenbart. Und erst, als sie offenbar untot ist oder in einem ähnlichen Zustand, verspricht sie ihm mehr. Es bleibt völlig offen, ob Abigail Wunschtraum oder Einbildung des schlechten Gewissens ist, oder nicht doch ein Vampir.

 

Und noch ein vergessener Literat, mit großer Bedeutung. Stanislaw Przybyszewski, so erklärt es Kotowski, inspirierte etwa Edvard Munch zu dessen Bild Der Schrei – und der Herausgeber weist auch gleich darauf hin, dass es verlagstechnisch noch einen Wunsch des Autoren zu erfüllen gäbe, vielleicht ein zukünftiges Projekt?

De profundis ist ein manischer Text. Wir erleben einen zunehmend fiebrigen Geist eines Künstlers, der fern von der Ehefrau mit den Angriffen eines Psychovampirs zu kämpfen hat. Sie ist seine Schwester. Das bedrückende daran ist, dass wir alle Stadien der Zerfalls einer Persönlichkeit miterleben und dabei den Bruchstücken der bürgerlichen Existenz begegnen. Immer mehr dringen wir in die Abgründe der Geschwisterliebe ein, die mal von Verlangen und Begierde, mal von Gewalt und Macht beherrscht wird. Agaj lebt dafür, ihren Bruder zu quälen, ihn mit dieser verfemten Liebe zu bestrafen, der er nicht ausweichen kann. Fieber oder Wahnsinn sind die Reaktion seines Körpers auf diesen Konflikt, dem er auch gar nicht entkommen will.

Die Anlage des Psychokabinettstückchens mutet mehr als modern an und es ist kaum zu glauben, dass die Erzählung aus dem Jahr 1895 stammt.

 

Der Vampir von Viktor von Andrejanof ist die Nacherzählung eines lettischen Märchens und ist kaum zwei Seiten lang. Eingang in die Sammlung fand das Märchen, weil es hier bereits 1896 den Biss in den Hals zum Blutsaugen gibt. Auch hier hofft man, dass es gelingen mag, das Original aufzutreiben.

 

Hermann Löns dürfte als Heidedichter bekannt sein und genau aus dem Grund einen eingeschränkten Leserkreis haben. Außerdem wurde wohl keines seiner Werke so zum Symbol für Fremdenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung wie Der Wehrwolf. Laut dem Herausgeber berührt die kleine Erzählung Der Vampir keines der beiden Themen Löns.

Dafür erleben wir eine lyrisch dichte Begegnung eines Medizinstudenten mit einer Erscheinung, die jenes von ihm zurückgewiesene Mädchen zu sein scheint und ihn quält, nach der ersten Nacht immer wieder, bis er sicher ist, ihr auch im Tode nicht mehr zu entkommen.

Man kann den Dichter in den Worten erkennen, so plastisch und bilderreich beschreibt er die zunehmend an Substanz gewinnende Erscheinung.

Löns schafft keine Vampir-Figur, die wir heute als klassisch empfinden würden, vielmehr würden wir diese Nachzehrerin als Gespenst oder Poltergeist sehen.

 

Extra in den Anhang gestellt wurde die letzte Geschichte der Anthologie: Der geheimnisvolle Fremde, deren Verfasser unbekannt ist. Das Besondere daran ist jedoch, dass sie uns nur in Englisch überkommen ist, obwohl sie ein deutsches Original besessen haben muss. The Mysterious Stranger ist im englischsprachigen Raum sehr bekannt und wird auch heute noch regelmäßig veröffentlicht. Der Herausgeber weist daraufhin, dass er sie in die Sammlung aufnahm, weil sie Einfluss auf »Dracula« hatte. Die von ihm gefertigte Übersetzung ist jedoch keine Restaurierung, sondern eine betont neutrale Übertragung.

Und schon bald erkennt man, welche Motive Stoker inspiriert haben könnten.

Ein Kutsche im eisigen Wald, schöne Frauen auf beschwerlicher Reise, beschützt von ihren Rittern. Hungrige Wölfe jagen die Gesellschaft, fast ist ihr Ende sicher, da rettet sie vor einer halb zerstörten Burg ein geheimnisvoller Mann. die Wölfe scheinen ihn zu fürchten und nehmen Reißaus, die Gejagten können entkommen.

Bald reizt es die jungen Adligen näheres über ihren Retter zu erfahren, dem Herren von Klatka. Man lädt ihn ein, er kommt und gibt den seltsamen, aber hochvornehmen Aristokrat.

Eine der jungen Frauen verfällt der Aura von Macht und Stärke. Doch die Zeit des Umgangs mit dem fremden Ritter schwächt ihre Gesundheit, von Tag zu Tag wird sie kränker. Gleichzeitig wird das auftreten des Fremden immer unverschämter, bis es zu einem dramatischen Höhepunkt kommt …

Ja, man erkennt tatsächlich eine ganze Menge Ingredienzien von »Dracula« wieder und fraglos steht der Geschichte der Platz in dieser Anthologie zu Recht zu.

 

Mit einem kurzen Essay zu Tendenzen der deutschen Vampirliteratur des 19. Jahrhunderts schließt der Herausgeber seine Arbeit ab. Eine Auflistung weiterführender Literatur lädt den Leser dazu ein, selber weiterzuforschen.

Genau das ist die große Leistung der Anthologie. Es werden zum Teil vergessene Texte vergessener Autoren ins rechte Licht gerückt und so liebevoll zu einem Gesamtwerk verbunden, dass man sich selbst als Archäologe fühlt, als Entdecker in einer uralten und verstaubten Bibliothek voller Bücher, die noch nie ein Mensch zuvor las – zumindest bekommt man dieses Gefühl.

Es gibt keine Geschichte die schlecht oder der Abklatsch einer anderen wäre. Jede von ihnen hat ihren ganz eigenen Vampir, ihren eigenen Stil und ihre eigene Werkgeschichte. Oliver Kotovski ist hier eine besondere Anthologie gelungen. Ein Meisterstück, dass anderen Herausgebern zur Lehre gereichen sollte.

 

Nicht unerwähnt bleiben sollen die Illustrationen von Timo Kümmel. Der Stammzeichner des Atlantis Verlages beweist hier, dass er mit spärlichen Motiven Stimmung und Charakter einer Geschichte in ein Bild zu fassen vermag. Sie sind dezent in die Geschichten eingesetzt und stören an keiner einzigen Stelle, trotz ihrer modernen Bildsprache, den Sprachfluss der alten Texte.

 

Fazit:

Mit der Sammlung deutscher Vampirgeschichten aus dem 19. Jahrhundert hat Herausgeber Oliver Kotowski nicht nur eine ungeheure Recherchearbeit in Buchform gegossen, er betätigt sich zudem als Bewahrer von fast ins Vergessen geratenen Geschichten. Und keine von ihnen enttäuscht ihre Leser. Es sind tragische, aufrüttelnde und auch verstörende Texte in einer großen Bandbreite. Man lernt die ursprüngliche Vielfalt des Vampirmythos kennen und vielleicht öffnen sich ihm wieder Herzen, die durch die gegenwärtige Übermacht der romantischen Liebesgeschichten mit Vampirbegleitung verschlossen wurden.

Nehmen sie sich einen Staubwedel, stellen Sie eine Flaschen guten Roten bereit und folgen Sie Oliver Kotowski in das Herz einer lange verschollenen Bibliothek. »Lasst die Toten ruhen« wird Sie eine ganze Weile dort am Lesen lassen.

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Eure Meinung:

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Buch:

Lasst die Toten ruhen

Deutsche Vampirgeschichten aus dem 19. Jahrhundert

Herausgeber: Oliver Kotowski

gebunden, 368 Seiten

Atlantis Verlag, 6. Juni 2012

Illustrator: Timo Kümmel

 

ISBN-10: 3941258974

ISBN-13: 978-3941258976

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0089NVARW

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Inhalt:

  • Gottfried Peter Rauschnik: Die Totenbraut
  • E. T. A. Hoffmann: Cyprians Erzählung
  • Ernst Benjamin Raupach: Lasst die Toten ruhen
  • Karl Spindler: Der Vampir und seine Braut
  • Leopold Ritter von Sacher-Masoch: Die Toten sind unersättlich
  • Karl Heinrich Ulrichs: Manor
  • Karl May: Ein Vampir
  • Paul Heyse: Die schöne Abigail
  • Stanislaw Przybyszewski: De profundis
  • Viktor von Andrejanof: Der Vampir
  • Hermann Löns: Der Vampir
  • unbekannt: Der geheimnisvolle Fremde

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Erstellt: 19.08.2012, zuletzt aktualisiert: 03.05.2019 11:40