Edgar Allan Poe - In majestätischer Dunkelheit
 
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Edgar Allan Poe - In majestätischer Dunkelheit

Redakteur: Ralf Steinberg

 

Die amerikanische Literatur besitzt eine Vielzahl an Wurzeln und Quellen aus denen heraus das große Einwanderungsland im 19. Jahrhundert eine eigenständige Richtung einschlug. Zu jenen Urvätern gehört neben Walter Whitman auch Edgar Allan Poe.

 

Während die europäische Romantik ihren Höhepunkt bereits hinter sich hatte, begann in den jungen USA zunehmend romantische Themen Verbreitung zu finden. Hatte etwa James Fenimore Cooper in seinen Indianer- und Seefahrergeschichten noch mit einförmigen Figuren und edlen Wilden uramerikanische Stoffe verarbeitet, wendeten sich die Autoren nun mehr den transzendenten Erfahrungswelten ihrer Protagonisten zu. Die Seele im Licht oder der Finsternis des verdammungswürdigen Ichs.

 

Zwar finden sich in Poes literarischem Schaffen nicht nur jene dunklen Werke, jedoch sind grad sie es, die sich seitdem mit seinem Namen verbinden.

Da steht zunächst als übergroßes Denkmal für die Ewigkeit das Gedicht The Raven.

 

»Quoth the Raven, "Nevermore."« (The Raven)

 

Die düstere Bedrängnis, in die der unglückliche Liebende gerät und das wuchtig auf ihn einschlagende Nevermore des Raben sind nur einige der faszinierenden Seiten des Gedichts, mit dem Poe schon zu Lebzeiten weltweit berühmt wurde und das er auf Lesereisen selbst vortrug. Dabei ist The Raven keines jener zahllosen romantischen Gedichte, in denen Schöngeister ihrer Melancholie frönten, sondern ein grandios durchkomponierter Text. In späteren Aufsätzen und einer sekundärwissenschaftlichen Abhandlung beschrieb Poe seine Auffassung von Poetik und Komposition und schuf damit eine moderne Grundlage der Lyrik, deren Einfluss auf nachfolgende Dichter bis heute zu spüren ist. Immerhin konnte der Amerikaner so schillernde Lyriker wie Charles Baudelaire und Stéphane Mallarmé begeistern. Baudelaire sorgte sogar mit seinen Übersetzungen dafür, dass Poe in Europa zu einer Zeit berühmt wurde, als er in den USA fast gänzlich unbekannt war. Die Symbolisten hatten mit Poe ihren ersten großen Vorreiter.

 

Aber nicht nur in seiner Lyrik offenbarte Poe einen Hang zum strukturellen Neubeginn. Auch in seinen Kurzgeschichten entwickelte er immer wieder neue Methoden und Elemente, um dem Leser genau jene Empfindungen und Erkenntnisse zu verschaffen, die er vorgesehen hatte. So endet eine seiner berühmten Detektivgeschichten, Poe begründete diese Gattung, nämlich Das Geheimnis der Marie Rogêt nicht mit der nominellen Verkündung des Täters, sondern beschränkt sich allein auf die analytische Untersuchung der vorhandenen Aussagen, Fakten und Berichte zur Tat. Dieser Kunstgriff, die Ermittlung in den Vordergrund zu stellen und die eigentliche Schauergeschichte als bloßen Rahmen zu betrachten, stellte ebenso ein Novum dar, wie das Ermittlerpärchen an sich, dessen berühmteste Nachfolger Homes und Watson wurden.

 

Doch nicht nur die Detektivgeschichten bilden eine eigenständige Gruppe in den Shortstorys Poes. Nicht minder faszinierend sind seine phantastische Horrorgeschichten, die mit ihrer bedrängenden Atmosphäre und wehrlosen Selbstzerstörung so stark in die Fantasie des Lesers eingreifen, dass wohl niemand eine von ihnen je vergessen wird. Sei es Das Manuskript in der Flasche, Grube und Pendel oder Der Untergang des Hauses Usher; das Grauen quillt aus dem Text direkt in die heimische Stube. Kein Wunder, dass Poe noch heute als einer der wichtigsten Väter der dunklen Phantastik zählt und in Bereiche ausstrahlt, die es zu Poes Lebzeiten noch gar nicht gab, etwa der Rockmusik, wie Tales of Mystery and Imagination von Alan Parsons Project oder POEtry von Lou Reed und Robert Wilson belegen.

 

Und in noch einem Gebiet platzierte Poe ein Schlüsselwerk. Die Abenteuer Gordon Pyms ist Poes einziges längeres Werk und besticht durch ein utopisches Ende. Der phantastische Roman, wie ihn Poe erschuf und mit all seiner Brillanz sprachlich, als auch kompositorisch entwarf, animierten nicht nur Jules Verne zu einer Fortsetzung (Die Eissphinx), sondern diente bis hin zu H.P. Lovecraft und auch darüber hinaus immer wieder als Inspiration und literarische Vorlage.

 

Es gibt bestimmt unzählige Autoren, deren Meisterschaft es wert ist, auf Dauer gewürdigt und erinnert zu werden - bei Edgar Allan Poe jedoch wird selbst der nur selten etwas älteres Lesende bemerken, dass Poes Spuren allgegenwärtig und in einem Umfang auch noch heute mit seinem Namen verbunden sind, wie es nur bei ganz wenigen Autoren der Fall ist, die bereits vor zwei Jahrhunderten geboren wurden.

 

 

»And my soul from out that shadow

that lies floating on the floor

Shall be lifted - nevermore!« (The Raven)

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240614090243ee1b751b
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Erstellt: 18.12.2008, zuletzt aktualisiert: 14.01.2015 03:15, 8004