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Die Leipziger Buchmesse 2018

Bericht von Ralf Steinberg

 

Gerade zum Besucher stärksten Tag der Buchmesse entschloss sich der Winter, es Leipzig noch einmal zu zeigen. Zwar gab es mit circa acht Zentimetern Schnee und Minus fünf Grad keine sonderlichen Wettererscheinungen, aber sowohl der städtische Räumdienst als auch die Bahn versagten wieder einmal komplett. Zum Glück müssen sich die Millionen scheffelnden Bahnmanager für ihre Inkompetenz nie verantworten. So ein Selbstbedienungsladen ist schon etwas Feines.

 

Immerhin kamen wir nur anderthalb Stunden später als geplant im Messegelände an. Verpasst hatten wir die SiegerInnenlesung des Phantastikpreises Seraph und die Vorstellung von Kai Meyers zweiten Band seiner SF-Saga Die Krone der Sterne.

 

Gerade noch rechtzeitig kamen wir, um die letzte Frage an Horror-Autor Edward Lee zu vernehmen, der sich als Gast des Festa-Verlages den Fragen seiner Fans stellte. Moderiert wurde die Veranstaltung von Hardy Kettlitz, während Simona Turini die Übersetzung vornahm.

 

Der Festa-Verlag beeindruckte nicht nur durch seinen Stargast und die gewohnt familiäre Fanbindung, auch mit ihrem speziellen T-Shirt sorgte er für Aufsehen.

 

Die Messe litt sichtlich unter dem Fehlen jener Gäste, die es nicht nach Leipzig schafften. Allerorten hörte man von festsitzenden Fans und AutorInnen.

 

Auch Michael Marrak, der den Seraph in der Kategorie Roman für Der Kanon mechanischer Seelen gewonnen hatte, kam nicht mehr rechtzeitig zu seiner Lesung.

Aber er wuselte in Halle 2 herum und so konnte ich ihm nicht nur zum Preis gratulieren, sondern ihn auch beim Posieren mit dem Maskottchen des Skoutz-Awards beobachten, für den er ebenfalls nominiert ist.

 

Und natürlich signierte er auch am Amrûn-Stand Exemplare seines Buches.

 

Am Stand des Papierverzierer-Verlages konnte man Melanie Vogltanz treffen, während Alexis Snow aus ihrem Roman Drachenblut vorlas.

 

 

In Halle 2 fanden sich die üblichen Verdächtigen.

 

Der Perry-Rhodan-Stand wurde wie gewohnt von Fans umstellt und nicht nur Edelpunk und Chefredakteur Klaus N. Frick stellte sich ihnen. So signierte Oliver Fröhlich seine Perry-Romane während Christian Montillon noch auf seine Chance wartete.

 

Auf der erweiterten Fantasy-Leseinsel reihte sich Höhepunkt an Höhepunkt und so waren alle Sitzplätze heiß begehrt. Viele Fans erlebten die Lesungen gleich ganz in der Signier-Schlange, die sich von der Leseinsel bis zu ihrer Rückseite erstreckte und das Gewimmel im Phantastikbereich streckenweise lahmlegte.

 

Grandios gestaltete sich die Lesung von Derek Landy. Nach dem Ende der Haupterzählstranges der Skulduggery-Pleasant-Reihe stellte er zusammen mit dem Sprecher seiner deutschsprachigen Hörbücher, Rainer Strecker, die neue Figur Omen Darkly vor. Wie gewohnt zeigte sich Landy als ausgemachter Clown und schmuste wie bereits 2013 intensiv mit den Mikrofonen.

 

Im Gespräch mit Rainer Stecker erzählte er von seiner Motivation, mit Omen eine Figur einzuführen, die zwar die Chance hat, den LeserInnen zu gefallen, aber ohne dabei das Duo Walküre und Skullduggery auszustechen.

 

Rainer Strecker las seine Passagen mit bezaubernder Sprachvielfalt und Freude. Er wirkte deutlich entspannter als noch vor fünf Jahren. Vermutlich kann man in der Gegenwart von Derek Landy einfach nur bestens gelaunt sein.

 

Derek erbarmte sich auch der Massen und verlängerte seine Signierzeit deutlich, zumindest konnte man ihn noch ziemlich lange am Tisch hinter der Bühne treffen und jeden Fan mit Begeisterung feiern sehen.

 

Zeit für einen Plausch hatten hingegen Theresa Hannig und Andreas Brandhorst. Theresa gewann mit ihrem Buch Die Optimierer den Seraph in der Kategorie Bestes Debüt und strahlte über alle Maßen, während Routinier Andreas Brandhorst sichtlich die Messe genoss.

 

Gegenüber in der Phantastik Lounge konnte sich eine weitere Seraph-Preisträgerin im Kreise ihrer MitphantastikerInnen erholen: Janna Ruth überzeugte die Jury mit Im Bann der zertanzten Schuhe in der Kategorie Bester Independent-Titel.

 

Auf der anderen Seite der Signierschlange präsentierte sich der Sternensand Verlag und bot ebenfalls eine stattliche Anzahl an Autorinnen auf, die eifrig ihre Bücher signierten, so etwa Miriam Rademacher die Bände ihrer Banshee Livie-Reihe und Stefanie Scheurich ihren Streuner.

 

Nebenan beim Drachenmond Verlag signierten Mara Lang, Alexandra Fuchs und Christian Handel eifrig Poster und Bücher. Christian ist nicht nur ehemaliger Fantasyguide-Rezensent. Mit seinem Blog Darkstars Fantasy News gehört er zu den wichtigsten Phantastik-Informationsquellen und sein Fantasy-Roman Rosen & Knochen: Die Hexenwald-Chroniken ist in aller Munde.

 

Zwischen Fantasy-Leseinsel und dem Schulbuchbereich ersteckte sich die Phantastik-Buchhandlung.

 

Zum zweiten Mal betreut von der allerbesten Buchhandlung aller Universen, dem Otherland. Mitinhaber Simon Weinert hatte trotz allen Stresses gute Laune.

Der Andrang war groß und das Angebot erwartungsgemäß phantastisch. Man kam einfach nicht ohne Bücher wieder heraus und wer sich nicht entscheiden konnte, fand eben Hilfe bei den Ohterlander-Buchweisen.

 

Kompagnon Wolfgang Tress verbrachte den Messetag hingegen in einem liegengebliebenen ICE in Bitterfeld inmitten einer tanzenden Cosplay-Schar.

Inzwischen beherrschte Liza Grimm die Fantasy-Leseinsel. Mit Die Götter von Asgard startet sie gerade durch und brachte mit liebenswerter Fröhlichkeit ihre Fans zum schmelzen.

Wer sie je live erlebt hat, wird verstehen, dass Grimm sich bei ihr auf das Märchen sammelnde Brüderpaar bezieht und auf keinen Fall auf ihre Ausstrahlung.

 

Am Verlagsstand der Edition Roter Drache traf ich Swantje Niemann, deren Fantasy-Roman Drúdir dort im Herbst 2017 erschien.

Band 2 wird leider erst nächstes Jahr herauskommen, aber dadurch bleibt genügend Zeit, den tapferen Zwerg in aller Welt bekannt zu machen.

 

Der Golkonda Verlag stellte seinen Messeauftritt ganz auf H. P. Lovecraft und Der Älteste von Otmar Jenner ein.

 

Lektorin Melanie Wylutzki und Verlagsleiter Michael Görden übernahmen dieses Jahr erstmals das heilige Kämmerchen in Leipzig und präsentierten die hoffnungsvolle Fortführung eines außergewöhnlichen Buchprogrammes.

 

Nicht weitab besuchte Horror-Altmeister Vincent Voss den Stand der Voodoo-Press und bot einen ganz und gar nicht grusligen Anblick.

 

Voodoo-Press gehört neben Festa und dem Luzifer-Verlag zu den drei großen Horror-Verlagen im deutschsprachigen Raum und beliefern damit ein Segment, aus dem sich die Major-Verlage inzwischen fast völlig zurückgezogen haben.

 

Die Phantastik hat viele Spielarten und für alle Horror-Fans ist es daher von großer Bedeutung, dass ihr Lieblingsgenre auch auf der Leipziger Buchmesse angemessen vertreten ist.

 

Und was will man mehr, wenn Edward Lee und Vincent Voss darunter sind?

 

Das Grauen lebt!

 

Auf dem Weg zur nächsten Lesung stolperten wir beim Aufbau Verlag über Gregor Gysi, der seine Autobiographie Ein Leben ist zu wenig signierte. Der wortgewandte Politiker blickt auf ein phantastisches Leben zurück und als Köpenicker Bundestagsmitglied kann er vielleicht auch weiterhin etwas im Leben erreichen. Für uns LeserInnen, das Universum und den ganzen Rest.

 

Ein wichtiger Termin war die Lesung zur dritten Ausgabe des Literatur-Magazins des homunculs Verlages Seitenstechen, das den Titel Menschenfresser der Liebe trägt. Neben starken Phantastik-Titeln kümmert sich der junge Verlag somit auch um lyrische Texte, die es vielleicht noch schwerer als phantastische haben.

 

Die beiden Herausgeber Joseph Felix Ernst und Philip Krömer waren anwesend. Philip Krömer stellte das Buch kurz vor und dann präsentierten Julia Grinberg, Gorch Maltzen und Tobias Roth ihre Beiträge, wobei Tobias in seiner Funktion als Dante-Übersetzer auftrat. Schade, dass nicht noch mehr Autorinnen und Autoren der Ausgabe vor Ort waren.

Philip Krömer debütierte 2016 übrigens mit einem ganz wunderbaren Titel: ymir oder aus der hirnschale der himmel.

 

Ein ganz besonderer Autor hat sich in den letzten Jahren der Phantastik zugewandt: Georg Klein. Nach dem SF-Roman Die Zukunft des Mars präsentierte er dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse seinen neuesten Roman Miakro.

 

Wie zu erwarten machte seine ruhige und amüsante Buchvorstellung noch mehr Lust auf das Buch.

 

Zu kämpfen hatte er mit den Wetterbedingungen. Das mit unglaublicher architektonischer Raffinesse entworfene Messehallendach kam ebenfalls mit den schrägen Phänomen namens Schnee nicht klar und ließ dessen Tränen auf Dichter und Lauschende gleichermaßen niedertröpfeln.

Ein weiterer Punkt auf der langen Liste peinlicher Unzulänglichkeiten dieses Elfenwerks moderner Architektur.

 

Wohl nur der Berliner Hauptbahnhof ist dysfunktionaler.

 

Unser letzter Programmpunkt führte uns zurück zum Stand des Festa Verlages. Die beiden Zeichner Timo Wuerz und Arndt Drechsler standen bereit, Poster ihrer Festa-Cover zu signieren.

 

Arndt Drechsler zeichnete auch schon für Bastei und fiel mir ganz besonders mit seinen großartigen Covern zu den Alan Dean Foster Bänden der Flinx-Reihe auf. Sie bereitete ihm auch viel Spaß, erzählte er, da ihm der Verlag freie Hand bei der Gestaltung ließ. So konnte er neben der Interpretation von Pip und Flinx auch einige der phantastischen Tierwesen unterbringen, die ADF in seinen Romanen mit großer Liebe zum Detail beschreibt.

 

Timo Wuerz gab sich ganz aufgekratzt und erklärten jedem, dass es ihn überhaupt nicht verwunderte, dass alle InteressentInnen stets beide Poster wollten. Nun ja, ein cooles Lovecraft-Bild wird man eh reißend los und das sehr explizite Cover zu einem Festa-extrem-Band von Edward Lee, ließ natürlich auch kaum jemand liegen.

 

Voll bepackt wagten wir den Gang in die Unwägbarkeiten des Leipziger Verkehrs und werden auch nächstes Jahr den Pfad des Abenteuers bestreiten. Aber vielleicht dann einmal mit Übernachtung, denn ein Tag ist einfach zu wenig für das riesige Angebot an Lesungen und Aktivitäten.

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Weitere Fotos:

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Die Leipziger Buchmesse 2018


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Erstellt: 24.03.2018, zuletzt aktualisiert: 20.06.2022 18:24