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Das Erik-Simon-Spezial

Interview mit Angela und Karlheinz Steinmüller

geführt von Ralf Steinberg

 

Angela und Karlheinz Steinmüller konnten 2017 einen ganz besonderen Erfolg feiern. Die Bände 7 und 8 ihrer Werke in Einzelausgaben erschienen bei Memoranda. Das Besondere an Die Wurmloch-Odyssee und Leichter als Vakuum ist aber der Umstand, dass sie Werke enthalten, die in Zusammenarbeit mit Erik Simon entstanden. Anlässlich unseres Erik-Simon-Spezials baten wir das Ehepaar um die Beantwortung einiger Fragen, die sie gemeinsam beantworteten:

 

Karlheinz und Angela Steinmüller auf dem Elstercon 2016
Karlheinz und Angela Steinmüller auf dem Elstercon 2016
Leichter als Vakuum
Leichter als Vakuum

Fantasyguide: Bei unserem letzten Gespräch vor zwölf Jahren (diese Zahl konnte ich kaum glauben) ging es um die schockierenden »Fake-News« im Internet, Ihre Werkausgabe solle zehn Bände dick werden.

Der Plan wurde dann ja auf acht korrigiert. Nun ist mit »Leichter als Vakuum« tatsächlich der achte Band erschienen. In zwölf Jahren dürfte doch jetzt Material für mehr als zehn Bände entstanden sein?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Nur das dumme Huhn gackert über ungelegte Eier. Doch, wenn das unter uns bleibt: Band 9 ist schon weit gediehen, Band 10 zumindest in Planung, aber selbst dann wären noch einige Texte übrig.

Ganz abgesehen von zwei Essaybänden über SF.

 

Der letzte Tag auf der Venus
Der letzte Tag auf der Venus

Fantasyguide: Das Spannende an Band 7 und 8 Ihrer Werkausgabe ist, dass sie die Kollaborationen mit Erik Simon enthalten – ein Freund, dessen Werke sie schon damals dringend empfahlen. Wie haben Sie ihn eigentlich kennengelernt und was ist das Besondere an Erik Simon?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Das muss um 1980 wahrscheinlich auf einem Treffen des Arbeitskreises Utopische Literatur gewesen sein. Da hat Erik mir, Karlheinz, anhand der ersten Erzählungen (Der letzte Tag auf der Venus) auf den Kopf zugesagt, dass ich amerikanische SF in russischer Übersetzung gelesen hätte. Was stimmte.

 

Sagen wir es so: Was Sherlock Holmes unter den Detektiven ist, das ist Erik unter den SF-Kennern, der beste Beobachter und der scharfsinnigste Kopf. Er kann uns bei jedem Text sehr schnell sagen, was daran schief ist, was verschenkt, wo die Handlung hakt, wo wir gestümpert haben … Oh, das tut weh – und ist ungemein hilfreich. Und seine eigenen Texte sind einfach ein intellektuelles Vergnügen.

 

Udo Klotz im Gespräch mit den Steinmüllers auf dem Elstercon 2014
Udo Klotz im Gespräch mit den Steinmüllers auf dem Elstercon 2014

Fantasyguide: Laut Eriks Aussage war er federführend bei der Zusammenstellung und treibende Kraft hinter »Die Wurmloch-Odyssee«. Haben Sie ihm freiwillig das Heft überlassen? Kaperte er den Trödelmond mit Ideen und Geschichten?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Wie Odysseus ist Erik listenreich, auch bei Listen auf Papier. Und dann erklärt er einem: Da haben wir schon vier Geschichten – noch einmal vier dazu und es wird ein Band. Was bleibt einem dann noch übrig? Zu DDR-Zeiten haben wir immer säuberlich zwischen »freiwillig« und »selbsttätig freiwillig« unterschieden. Für uns war die »Wurmloch-Odyssee« ein klarer Fall von »freiwillig«.

 

Fantasyguide: In Eriks Anmerkungen steht, dass Da-Unten, Hier-Draußen für »Die Wurmloch-Odyssee« wenige Tage nach Eingehen seines Exposés dank eines Streiks in der Rohfassung fertig war. Das klingt doch fast danach, man sollte sich öfter mal ein paar Stunden mit der Idee zu einer Geschichte irgendwo einschließen?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Ja, wir sind noch heute der Pilotenvereinigung Cockpit dankbar. Du sitzt im ICE – und eh du stundenlang aus dem Fenster starrst, schreibst du doch lieber eine Story, oder? Wenn man erst einmal die Grundidee hat, können einen einige Stunden intensives Nachdenken – zu zweit bei Rotwein oder allein im ICE – schon voranbringen.

 

Spera
Spera

Fantasyguide: Einem eingefleischten Lektor, der das Ausreizen des deutschen Wortschatzes kritisch sieht, die Aufgabe zu übertragen, ein gemeinsames Schreibprojekt zu leiten, könnte auch schiefgehen. Was rettete das Projekt?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Wir müssen richtigstellen: Er hat sich selbst beauftragt. Und eine tatsächliche Kontroverse um lexikalische Altbestände hatten wir nur bei Spera, wo wir das strahlkräftige Wort »Gierde« verwenden wollten – und es dann nur, sozusagen an Erik vorbei, auf einem Umweg in das Buch geschmuggelt haben.

 

Fantasyguide: Gab es auch Punkte, die Sie nicht für verhandelbar hielten? Bekam Erik Kontra? Und ist zwei gegen einen nicht unfair?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Wer sagt denn hier, dass Literatur fair sein muss? Tatsächlich hatten wir bei den beiden Bänden keine einzige tiefere – also literarische – Auseinandersetzung. Werden wir vielleicht harmoniesüchtig? Wie schrecklich!

 

Andymon
Andymon

Fantasyguide: Ganz besonders gefreut habe ich mich bei der Lektüre über die vielen Verknüpfungen zu Ihren Romanen und Erzählungen. »Spera«, Pulaster und Andymon natürlich! Waren denn die Geschichten und Hintergründe noch so gegenwärtig?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Aber selbstverständlich. Schließlich haben wir jahrelang auf diesen Planeten gelebt, wenn auch nicht gewohnt. Manche Hrengeng stehen uns auch heute noch näher als viele Bekannte und Kollegen.

 

Fantasyguide: Jetzt, im Nachhinein – fehlt noch etwas?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Mein Gott, die Mercurius Quarbis hat bestimmt noch viele weitere Abenteuer durchgestanden, fragen Sie mal Kapitän Schneider! Und auch Simon Zwystein hat bestimmt weitere Merkwürdigkeiten gesammelt. Vorerst spielt er den Geheimniskrämer …

Wie alle Universen, die etwas auf sich halten, expandiert auch das »Steinmüller-Universum«.

 

Erik Simon auf dem Elstercon 2014
Erik Simon auf dem Elstercon 2014

Fantasyguide: Fand die Verknüpfung auch andersherum zu Texten aus Simon’s Fiction statt?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Da müssen Sie ihn selbst fragen. Allerdings fügen sich die Fiktionen Simons nicht so leicht in ein irgendwie geschlossenes Gesamt-Universum. Im Sinne der Many-Worlds-Theorie sind natürlich Querverbindungen anzunehmen …

 

Fantasyguide: Die Benamsung des Raumschiffes Mercurius Quarbis stellt eine direkte Würdigung von Simons Arbeit für den Quarber Merkur dar. Welcher Teil von Eriks vielfältigem Schaffen sollte darüber hinaus unbedingt mehr Beachtung finden?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Ganz eindeutig findet der Strugatzkologe Simon zu wenig Anerkennung! Als Lektor, Herausgeber und Essayist hat sich um das Werk von Arkadi und Boris Strugatzki verdient gemacht, jüngst auch als Mitherausgeber der Werkausgabe bei Golkonda. Und dann gibt es noch den Lyriker Simon, der wundervoll sinnreiche und nonsens-reiche, spielerisch-ernste Gedichte schreibt – ein Geheimtipp für künftige Simonologen!

 

Karlheinz und Angela Steinmüller mit Hardy Kettlitz im Brechthaus 2011
Karlheinz und Angela Steinmüller mit Hardy Kettlitz im Brechthaus 2011

Fantasyguide: Wenn man sich nach all der Zeit wieder mit den Hrengeng oder den großen Archen befasst, wird man da melancholisch? Bekommt man gar wieder Lust auf ein neues »Lichtes Morgen«?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Wir leben ja im »Lichten Morgen«, in der Zukunft von damals, mit Smartphones, Globalisierung, Robotern und dem ganzen Tralala. Obwohl man sagen müsste: »It’s the future, but not as we knew it.« Was heute fehlt, sind ein paar ordentliche Utopien. Aber wo sollen die herkommen? Vielleicht können uns hier die Zweiten Menschen mit der nächsten Menschheit weiterhelfen …

 

Fantasyguide: Wie wird der zehnte Band gefeiert?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Wichtiger ist für uns die Frage: Wann?

 

Karlheinz nach einem Vortrag auf dem Elstercon 2014, rechts im Vordergrund Gundula Sell
Karlheinz nach einem Vortrag auf dem Elstercon 2014, rechts im Vordergrund Gundula Sell

Fantasyguide: Und zu guter Letzt: Da es so lange dauerte, bis Erik Simon zu seinem Recht im Fantasyguide kam: Wen sollte ich denn noch unbedingt würdigen?

 

Angela und Karlheinz Steinmüller: Wir haben festgestellt, dass in der Autorendatenbank zwar Jules Verne und H. G. Wells vertreten sind, nicht aber Kurd Laßwitz. Es wird aber vermutlich schwer sein, ihn für ein Interview zu gewinnen.

 

Fantasyguide: In der Tat, aber vielen Dank für den Tipp und das Interview!

 

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Inhalt des Spezials:

Buch:

Die Wurmloch-Odyssee

Eine Weltraum-Operette in acht Episoden

Reihen: Simon’s Fiction Band 5; A. und K. Steinmüller: Werke in Einzelausgaben Band 7

AutorInnen: Angela & Karlheinz Steinmüller und Erik Simon

Taschenbuch: 183 Seiten

Memoranda, 26. Juni 2017

Titelvignette: Thomas Hofmann

 

ISBN-10: 3946503160

ISBN-13: 978-3946503163

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B073HGN1JD

 

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Erstellt: 29.08.2017, zuletzt aktualisiert: 08.09.2017 19:16