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Die Erbin der Welt von N. K. Jemisin

Reihe: Das Erbe der Götter, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Die in Brooklyn lebende N. K. Jemisin arbeitet als Therapeutin, politische Kommentatorin und schätzt gutes Essen. Seit sie zehn Jahre alt ist schreibt sie gerne und viel, doch erst jetzt tritt sie mit ihrem Debüt-Roman „Die Erbin der Welt“ in das Licht der Öffentlichkeit, dem Auftakt der Trilogie um „Das Erbe der Götter“. Der Roman kam bei Kritik und Leserschaft gleichermaßen gut an.

 

Bisher lebte Yeine Dar ein recht einfaches und ereignisloses Leben im Norden, der in den Augen vieler als barbarisch und rückständig gilt. Doch kurz nach dem Tod ihrer Mutter wird sie von ihrem Großvater an den Hof der Himmelsstadt zurück gerufen. Da Dekarta Arameri der Herrscher der Welt ist, der mit dem Segen und der Hilfe des Lichtgottes Itempas über alle bekannten Länder regiert, kann sie nicht ablehnen.

Am Hofe angekommen muss Yeine feststellen, dass er Vater ein harter alter Mann ist, der auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger ist und auch mit ihr, seiner Enkeltochter, ganz eigene Pläne hat. Sie lernt neben zahllosen Verwandten auch den eingekerkerten Gott Nahadoth kennen, der einst zusammen mit Itempas und der lange zuvor ermordeten Göttin Enefa die Welt erschuf und formte.

Je länger die junge Frau am Hof weilt, desto mehr erkennt sie allerdings, dass hier nicht nur die üblichen Intrigen wie in jedem anderen Adelspalast ablaufen, sondern dass weitaus mehr auf dem Spiel steht und sie sogar wider Willen im Mittelpunkt steht. Denn wie sie herausfinden muss hat ihre Mutter sie für ihre eigenen Rachepläne missbraucht und sich mit einer Gruppe verbündet, die menschlich wirkt, es aber nicht ist. Zudem weiß sie bald mit Sicherheit, dass mehr als eine Seele in ihrer Brust schlummert.

Yeine ist nicht auf den Kopf gefallen und durchschaut das Gespinst aus Lügen und Halbwahrheiten in das man sie verstrickt hat schon bald, und sie muss zusehen, dass sie ihm möglichst unbeschadet entkommt.

 

Der Klappentext versucht den Roman als Romanze zu verkaufen, tatsächlich ist „Die Erbin der Welt“ mehr als das. Liebe mag vorkommen, sie spielt aber keine wichtige Rolle in der Interaktion der Figuren. Stattdessen regieren Intrigen und Halbwahrheiten, die sich immer mehr mit dem komplexen Hintergrund verweben.

N. K. Jemisin baut eine interessante Welt auf, die auf mehreren Ebenen funktioniert. Da ist einmal die High Fantasy Schiene, die das Buch zunächst wie eine der üblichen Intrigengeschichten mit ein wenig Magie wirken lässt.

Doch nach und nach stellt man sich wie die Heldin die Frage, was man überhaupt noch glauben soll und darf, denn vieles, was am Anfang als unerschütterliche Wahrheit vorgestellt würde, erweist sich nach und nach immer mehr als Lügengebilde und demontiert nach und nach den Glanz des Lichtgottes und seiner treusten Diener, während der eigentliche Antagonist nicht unbedingt so böse ist, wie er dargestellt wird.

Das geschieht auf eine sehr subtile Art und Weise und nicht so platt und plump wie in vergleichbaren Geschichten. Bis auf das etwas zu hastige Ende sind die Handlungsstränge jedenfalls bewusst durchkomponiert und fügen sich geschickt und sauber wieder zusammen. Dazu kommen vielschichtige Figuren, die immer wieder für eine Überraschung gut sind, ohne dass sie dabei ihren Charakter verlieren. Sie haben Schwächen und Fehler, so dass sie sehr lebendig und glaubwürdig wirken.

 

Das hebt „Die Erbin der Welt“ aus der Masse vergleichbarer Titel heraus und macht ihn zu einem sehr interessanten Roman, in den man ruhig einmal einen Blick werfen sollte, vor allem wenn man komplexe, charakterzentrierte Geschichten mag.

 

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Die Erbin der Welt

Autorin: N. K. Jemisin

Reihe: Das Erbe der Götter, Bd. 1

Klappbroschur, 448 Seiten

Blanvalet, erschienen Juni 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Helga Parmiter

Titelbild von Martha Dalig

ISBN-10: 3442266696

ISBN-13: 978-3442266692

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.08.2010, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35