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Das Ich

Rezension von Christel Scheja

 

Hin und wieder kann auch Musik zu Geschichten inspirieren, die gerade durch Mangas gezielt und beeindruckend dargestellt werden können. Gerade die Musik der Bands der Schwarzen Szene, des Mittelalter-Rock/Metal oder des Darkwave werden immer wieder von jungen Künstlern aufgegriffen und umgesetzt.

„Das Ich“ ist eine der langlebigsten und bedeutendsten Bands des „Gothic“ und veröffentlicht schon seit mehr als zwanzig Jahren Singles und Alben. Ihnen ist der gleichnamige Manga gewidmet, in dem sich zwei junge Menschen in den düsteren Welten ihrer eigenen Persönlichkeit verlieren. Gezeichnet wurden die beiden Geschichten „Koma“ und „Erwachen“ von Rebecca Jeltsch, geschrieben haben diese Anne Delseit und Markus Heitz.

 

In „Koma“ gibt es nicht sehr viele Texte und schon gar keine Dialoge. Letztendlich folgt man dem Weg von Christian, der bereits auf dem Weg zur U-Bahn-Bahnsteig ein seltsames Zischen in seinem Rücken hört, dass es ihm kalt den Rücken hinunter rinnen lässt. Etwas oder jemand verfolgt ihn bis in die Waggon und den Tunnel. Schon bald wird er in eine Welt gerissen, in der er schon bald nicht mehr zwischen Realität und Wahn unterscheiden kann und um sein Leben kämpfen muss, denn eine Begegnung ist albtraumhafter als die andere und er kann niemandem wirklich trauen.

„Erwachen“ ist eine auf mindestens jeder Doppelseite illustrierte Geschichte. Sosha findet sich unversehens in ihrer alten Schule wieder und wandert wie gebannt die Flure hinunter, bis sie von vermummten Gestalten verfolgt wird, die sie festhalten und ihre Arme dann mit einem Luftdrucknagelschussgerät an der Wand befestigen, um sie genüsslich und grausam umzubringen? Oder gelingt es ihr doch zu entkommen?

Der Alptraum – oder die Wirklichkeit? – führen sie schließlich in eine Bar und an noch andere Orte, die zunächst idyllisch und verheißungsvoll wirken, sich dann aber immer wieder in eine grausame Falle verwandeln aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

 

Normalerweise erwartet man bei Comics, die als Hommage an eine Gruppe und ihre Musik gedacht sind, eher eine Umsetzung von Texten verschiedener Lieder, die auch entsprechend zitiert werden, hier scheint das allerdings nicht der Fall zu sein, denn die Musiker haben in ihrer Bühnenmaskierung in beiden Geschichten einen Auftritt. Sie erscheinen als Ärzte und Dämonen oder beides – so ganz klar wird das nicht wirklich.

Beide Erzählungen sind nichts für jüngere Leser und schwache Nerven. Während „Koma“ durch seine sich stetig verändernden und unheimlichen Szenen eher verstörend wirkt, setzt „Erwachen“ eher auf Brutalität und Grausamkeit, die nicht jedem gefallen dürfte.

Zudem fehlt bei beiden der Aha-Effekt. Letztendlich kann man zwar die Alptraumvisionen auf sich wirken lassen, aber einen tieferen Sinn scheinen sie nicht zu haben, gerade bei „Erwachen“ wird man das Gefühl nicht los, dass die Heldin nur aus reinem Selbstzweck Qualen erleidet. Und der Band selbst kommt man damit auch nicht näher, wenn man sie gar nicht kennt.

Zeichnerisch weiß der Band dagegen eher zu gefallen. Rebekka Jeltschs Zeichnungen sind sehr klar, detailreich in den ruhigen und dynamisch in den actionreicheren Szenen. Sie versteht ihr Handwerk, vor allem in der ersten Geschichte.

 

So hinterlässt „Das Ich“ einen zwiespältigen Eindruck. Zwar sind beide Geschichten sehr ernst und erwachsen, aber dann doch wieder zu oberflächlich um wirklich lange in den Bann schlagen zu können. Und vor allem am Ende fragt man sich nach dem Sinn des Ganzen, so dass die Lektüre eher Enttäuschung als angenehmes Schaudern hinterlässt.

Eure Meinung:


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Comic:

Das Ich (Oneshot)

Künstlerin: Rebecca Jeltsch

Autoren: Anne Delseit („Koma“) und Markus Heitz („Erwachen“)

Großformatiges Manga-Taschenbuch, 151 Seiten

Knaur/New Ground Publishing/Comicstars, 05/2010

ISBN-10: 3426530015

ISBN-13: 978-3426530016

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 10.05.2010, zuletzt aktualisiert: 15.09.2018 12:40