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Die Dämonen von Tobias O. Meißner

Rezension von Christel Scheja

 

Seit den „Herrn der Ringe“-Filmen besteht bei einigen deutschen Verlagen die Tradition, bestimmte Romane aus ihrem Verlagsprogramm– egal ob nun von deutschen oder ausländischen Autoren, nach Fantasy-Rassen oder –völkern zu benennen. Nachdem die Geschöpfe Tolkiens nun weitestgehend abgegrast sind, wendet man sich anderen Wesen zu.

Tobias O. Meissner, bekannt geworden durch seinen abenteuerlichen Zyklus „Im Zeichen des Mammuts“ hat sich nun Wesen angenommen, die gemeinhin für das Böse stehen: „Die Dämonen“.

 

Schon seit undenklichen Zeiten existiert der „Dämonenschlund“, in den der große König Orison vor vielen Generationen die grausamen und mächtigen Wesen verbannte, damit sie den Subkontinent nicht länger verheerten. Seither trägt das in neu Baronien aufgeteilte Reich seinen Namen und die Menschen können endlich in Zufriedenheit und Glück leben. Nur typisch menschliche Eigenheiten machen ihnen zu schaffen. Nicht jeder Herrscher ist gerecht und denkt an das Volk. Ein falsches Wort kann auch unbescholtene Bürger in den Kerker bringen.

Das geschieht zum Beispiel dem jungen Minten Liago, der nach einem Gasthausbesuch in einer ganz und gar nicht gewohnten Umgebung aufwacht und damit hadern muss, eine vierjährige Haftstrafe abzubüßen anstatt sein Studium beginnen zu können. Doch das Schicksal hat für ihn etwas anderes vorgesehen. Schon bald wird er aus dem Kerker geholt und nach einem beachtlichen Probekampf zu einem Faustkämpfer ausgebildet. Und das ist nur der Anfang einer überraschend bewegten Karriere.

Derweil ist es den Dämonen Gäus und Irathindur gelungen, in einem unbeobachteten Moment aus dem Schlund zu entkommen. Sie beschließen, in die Hüllen des kindlichen Königs Tenmac III. und der stolzen Baroness Meridienn den Dauren zu schlüpfen, um so das Leben in vollen Zügen zu genießen und das zubekommen, nach dem sie am meisten gieren – die pulsierende Lebenskraft der Menschen.

Zunächst macht es ihnen Spaß, sich einfach nur wie Sterbliche zu benehmen. Hin und wieder schlagen sie über die Stränge, passen sich aber nach und nach ihrer Umgebung an, die von machthungrigen Beratern und ehrgeizigen Adligen durchsetzt ist. Doch dann erweist sich, dass der Kontinent zu klein für zwei Dämonen ist. Irathindur beschließt Gäus zu verdrängen und tritt dabei einen Krieg los, der schon bald die anderen Baronien erfasst, denn die anderen Herrscher wollen nicht übervorteilt werden. Und ehe sie sich versehen, versinkt die Welt um sie herum ins Chaos.

 

Tobias O. Meissner beherrscht die Handlung gewohnt souverän. Er beschränkt sich bei seinen Beschreibungen auf das Wesentliche und entfesselt eine geradlinige und spannende Geschichte, die zwar in einigem vorhersehbar ist . So weiß man von vorneherein, dass die Dämonen, so lieb sie jetzt auch sein mögen, nicht lange so bleiben werden. Irgendwann bricht sich ihre chaotische Natur wieder Bahn und bringt sie dazu größenwahnsinnig zu werden. Doch es gibt immer wieder kleine Wendungen die überraschen und am Ende wird eine überraschende Wahrheit präsentiert, mit der man so eigentlich nicht gerechnet hat. Sie lässt auch vieles von dem, was geschehen ist in einem anderen Licht erscheinen.

Die Figuren bleiben im Verlauf des Buches zwar recht oberflächlich, aber man merkt recht schnell, das sie auch nicht mehr als Spielfiguren auf einem kontinentalen Schachbrett werden sollen.

Insgesamt ist der Roman in einem leichten und lockeren Stil verfasst. Er bewahrt durch seine oft ironische Sichtweise eine gute Distanz zu ernsteren Themen, so dass er niemals schwermütig oder langweilig wird. Auch im letzten Drittel nicht, das sich einer einzigen Schlacht widmet und diese nicht nur mit reiner Action füllt, sondern auch noch eine Menge an Informationen dazu packt.

 

Das macht „Die Dämonen“ zu einem spannenden Fantasy-Abenteuer, dass zwar keine besondere Tiefe besitzt, aber von der ersten bis zur letzten Seite kurzweilig unterhält und sich durch seine Leichtigkeit geradezu als Ferienlektüre anbietet.

 

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Die Dämonen

Autor: Tobias O. Meißner

Paperback, 464 Seiten

Piper, erschienen Juli 2008

ISBN 978-3-492-70145-7

Titelbild von William Paquet, Karte von Erhard Ringer

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.07.2008, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35