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Die Hexen von Kiew von Lada Lusina

Rezension von Carina Schöning

 

Fantasy aus der ehemaligen Sowjetunion boomt. Nachdem sich die „Wächter“ Tetralogie des russischen Autors Sergej Lukianenko als wahrer Glücksgriff für den Heyne Verlag herausgestellt hat, sind auch die restlichen Verlage nachgezogen und präsentieren weiterhin viele „Neuentdeckungen“ aus Russland und Osteuropa. Dazu gehört auch die Ukrainerin Lada Lusina mit ihrem vergnügten Debütroman „Die Hexen von Kiew“.

 

Seit jeher sind die Hexen oder auch Kiewizen die Beschützer der ukrainischen Hauptstadt und werden in vielen Bylinen, den russischen Heldenliedern besungen. Die aktuelle Hexe Kyllina bietet ihre Dienste im Zentrum für Altkiewer Hexenkunst an und gegen Geld kann man sich dort einen Liebestrank brauen lassen oder auch seine Feinde bannen. Eines Tages treffen dort aus Zufall drei ganz unterschiedliche Frauen aufeinander: die ehrgeizige Karrierefrau Katja, die sprunghafte Nachtclubsängerin Dascha und Mascha, eine stille und etwas weltfremde Geschichtsstudentin. Alle drei wollen die Dienste von Kyllina in Anspruch nehmen und streiten sich um den Vortritt in ihr Büro, als plötzlich die schöne Hüterin scheinbar vor ihren Augen stirbt und ihre Macht den drei erschrockenen Frauen übergibt.

 

Verwirrt flüchten die drei erstmal zu sich nach Hause und tun das ganze Geschehen als Unsinn ab. Hexen sind doch nur Fantasiewesen aus den Märchen… Jede wendet sich wieder ihren persönlichen Problemen zu: Dascha steht mal wieder kurz vor der Kündigung und muss in einem Nachtclub ein Event zu der bevorstehenden Johannisnacht organisieren, Katja hat einen wichtigen Geschäftstermin vor sich und Mascha muss sich gegen ihre dominante Mutter behaupten. Obwohl sie schon 22 Jahren alt ist, wird sie von ihr immer noch wie ein kleines Mädchen behandelt. Hinzu kommt, dass sie heimlich in den beliebten Schulschönling Mir verliebt ist.

In der gleichen Nacht verspüren aber alle drei plötzlich den Drang auf den „Kahlen Berg“ in Kiew zu kommen. Dort erscheint ihnen noch einmal die brennende Kyllina und verkündet dass ihre Stadt den drei Mädels nicht Geschenk sondern Fluch sein wird und der Untergang kurz bevorsteht. Ein magisches Buch fällt Katja auf den Kopf und sie „erwachen“ aus ihrem komischen Traum. Anscheinend gibt es doch Hexen.

 

„Die Hexen von Kiew“ liest sich wie eine moderne und russische Variante von den „Hexen von Eastwick“. Die Handlung ist dabei sehr verschachtelt gestaltet und bietet neben dem Zickenkrieg von drei vollkommen unterschiedlichen Charakteren auch die Verfolgung eines Ritualmörders im Untergrund von Kiew und Zeitreisen ins 19. Jahrhundert der Kiewer Rus. Dabei finden die drei Damen nicht nur einen Satanisten-Altar unterhalb der Kyrillkirche sondern verhindern auch die Beschädigung eines der bekanntesten russischen Gemälde „Der Dämon“ von Michail Wrubel. Anscheinend ist dieser Dämon nach etlichen Jahrhunderten zurückgekehrt, um Kiew wieder in seiner Gewalt zu bringen und nur die Kiewizen können ihn aufhalten. Unterstützt werden sie hierbei von einem seltsamen Fremden, der scheinbar sein Aussehen verändern kann und dem leibhaftigen Teufel selbst, der mit einem niedlichen Sprachfehler besonders Katja als seine Herrin bevorzugt.

Hinzu kommen witzige Nebensächlichkeiten wie die drei sprechenden Katzen Behemoth, Belladonna und Isis Puschel mit russisch/französischen Akzent oder auch Bilsenkraut-Deo für einen besseren Besenflug. Natürlich probieren die drei Neuhexen auch ihre Kräfte aus und brauen für Katja einen Unbesiegbarkeitstrank für den anstehenden Boxkampf in ihrem Fitnessstudio und einen Liebestrank für Mascha und ihren Mir. Neben den humorvollen Dingen schlägt die Autorin in ihrem Debüt aber auch ernste Töne an und erzählt historische und politische Anekdoten von ihrer Lieblingsstadt. Etwas Grundwissen und Interesse für Geschichte, Kunst und Literatur sollte man daher schon haben, um den Roman voll genießen zu können. Besonders der Klassiker „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow wird hier viel zitiert.

Sprache und Erzählstil sind dementsprechend nicht immer ganz einfach und auch der Satzbau ist stellenweise schon recht kompliziert und sperrig. Dafür entschädigen aber interessante Figuren sowie Humor und Sprachwitz der ukrainischen Autorin.

 

Ausstattung und Aufmachung des komplexen Romans sind bis auf die zweifelhafte Covergestaltung sehr gut. Der großformatige Paperback-Band mit Klappeneinband bietet ein ausführliches Glossar und eine Karte mit den wichtigsten Schauplätzen. Im Internet findet man auf der begleitenden Homepage auch noch weitere Infos und Fotos dazu.

 

Insgesamt ist „Die Hexen von Kiew“ ein gelungener Fantasyroman rund um den humorvollen Zickenkrieg dreier Hexen. Das Aufeinandertreffen von Hexen, Satanisten, Digger, Dämon und Teufel ist durch die Komplexität der Handlung sicherlich nicht jedermanns Geschmack, kann aber voll überzeugen und bietet durchgängig spannende Unterhaltung.

 

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Die Hexen von Kiew

Autor: Lada Lusina

Deutsche Erstausgabe 2008

Russische Originalausgabe 2005 „Kievskie ved´my – mec i krest“

Übersetzung Christine Blum

dtv Verlag

Klappenbroschur, 528 Seiten

ISBN 978-3-423-24669-9

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.05.2008, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35